In Amerika reifte die Idee

Die Geschichte der Holzverarbeitung in Hann. Münden

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Eng verschachtelt präsentierte sich die Fassfabrik Francke & Gedrath am Werraweg, das bis an den Botanischen Garten (rechts) angrenzte. Links schließt sich das Betriebsgelände der damaligen Stadtwerke an, darunter der runde Gasometer der Gasanstalt. repro:

Eingerahmt von großen Wäldern, bietet Hann. Münden seit jeher ein großes forstwirtschaftliches Potenzial. Daher ist es etwas verwunderlich, dass die holzverarbeitende Industrie noch bis in die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts kein großes Thema in Münden war.

Vor allem, weil für die Wahl der Dreiflüssestadt als Standort der Forstakademie eine gut laufende Holzwarenfabrik als Argument diente.

Gemeint war damit die Firma Mügge und Lagershausen. Die Firmengründer Carl Mügge und Wilhelm Lagershausen kamen bei einem Aufenthalt in Amerika auf die Idee, sich diesem Wirtschaftszweig zuzuwenden, so erwarben sie ein Grundstück am Werraweg, auf dem sie 1863 eine Holzwarenfabrik errichteten. Herstellen ließen sie dort vor allem Waren des täglichen Bedarfs: Zuber, Eimer, Aufbewahrungsfässchen für Mehl oder auch Blumenkübel. Vertrieben wurden sie dann über Adolf Schwartz, der ein Einzelhandelsgeschäft am Kirchplatz hatte. Da das Unternehmen nennenswerte Erfolge vorweisen konnte, interessierte sich bald ein dritter Gesellschafter für die Firma.

1867 trat Heinrich Julius Pauli in das Geschäft ein. Das Dreiergespann blieb jedoch nicht lange bestehen, denn Carl Mügge stieg wenige Monate später aus.

Im Folgejahr verließ auch Wilhelm Lagershausen die Firma, woraufhin ein Jahr später Julius Francke in den Geschäftsbetrieb eintrat. Erfahrung im Holzgeschäft hatte er bereits, denn zuvor hatte er mit seinem Vater Friedrich Justus Francke eine Dampfsägemühle im Woorthweg sowie eine Zigarrenkistenproduktion am Vogelsangweg betrieben. 1869 starb Friedrich Justus Francke.

Die Firma Francke & Gedrath war auf die Produktion von Transportfässern spezialisiert.

Sein Sohn führte die eigenen Familienbetriebe bis 1873 und verkaufte sie dann. Die Holzwarenfabrik hingegen behielt er und wurde 1877 alleiniger Inhaber. Inzwischen hatte sich auch die Produktion geändert, denn es wurden nun hauptsächlich Fässer hergestellt. 1878 kam es dann zu einem schweren Schlag, als am Morgen des vierten Juni ein Feuer ausbrach. Große Teile der Fabrik fielen den Flammen zum Opfer. Beinahe wäre auch der große Dampfkessel explodiert, was ein wachsamer Nachbar verhindern konnte. Der verheerende Brandschaden tat dem Tatendrang Franckes aber keinen Abbruch und so wurde die Fabrik noch im gleichen Jahr in noch größerem Umfang wieder aufgebaut. Dafür erhielt er Unterstützung von seinem Schwiegervater Eduard Wüstenfeld, der seinerzeit einer der wohlhabendsten Industriellen in Münden war.

Das Unternehmen machte stetig Fortschritte, entwickelte seine Produktionsvorgänge weiter und blieb dadurch erfolgreich. 1895 weckte es dann erneut das Interesse eines weiteren Gesellschafters: Otto Gedrath. Sein Eintritt in das Geschäft sowie die steigende Konjunktur sorgten für weiteren wirtschaftlichen Aufschwung. Bis 1900 verdoppelte sich die Belegschaft fast, auf 103 Beschäftigte.

Ein Zweigwerk in Vaake-Süd und eine Sperrholzplattenfabrik in Hedemünden kamen hinzu. Vielen dürfte die Firma noch ein Begriff sein. 1969 schlug die letzte Stunde des Unternehmens, die Fassfabrik Francke & Gedrath. Durch Gesellschafterbeschluss vom 8. Februar 1969 wurde die Firma aufgelöst.

Die Zeiten des Stückgutversands und der Fässer gingen zu Gunsten der Paletten und Container zu Ende. Auf dem Areal steht heute der rückwärtige Teil des Grotefend Gymnasiums.

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