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Geschichten aus der Langen Straße: Husaren, Gift und Waterloo

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Von: Sarah Schnieder

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Blick in die Lange Straße im Februar 1948 mit Tauers-Eck. Beim genauen Hinsehen entdeckt man dort sogar eine Zapfsäule für Benzin.
Blick in die Lange Straße im Februar 1948 mit Tauers-Eck. Beim genauen Hinsehen entdeckt man dort sogar eine Zapfsäule für Benzin. © August Mesch/ Repro Stefan Schäfer

Die Hann. Mündener Einkaufsstraße Lange Straße kann auf eine Jahrhunderte alte Geschichte zurückblicken.

Hann. Münden – Ob Geschenkartikel, Schreibwaren, Mode oder Drogerieprodukte: Wer in Münden Besorgungen abseits der etwas weiter außerhalb gelegenen Einkaufsmärkte machen möchte, den zieht es in die Lange Straße. Die Einkaufsstraße kann auf eine Jahrhunderte alte Geschichte zurückblicken. Ihren Namen soll sie um 1250 erhalten haben, kurz nach dem Bau der Stadtmauer.

Erstmals urkundlich erwähnt wurde sie 1347, damals allerdings noch unter der lateinischen Version ihres Namens „longa platna“, berichtet Gustav Blume. Die zentrale Lage machte die Lange Straße zur idealen Einkaufsstraße. Erst Handel und Markttreiben, später in Form von festen Geschäften.

Heute Apotheke und Discounter, früher Elektronik-Handel Trauer

Am oberen Ende (Richtung Rotunde) beginnt die Lange Straße heute mit einem Mode-Discounter und einer Apotheke. Früher befand sich dort der Elektronik-Handel Tauer und der hatte in Münden Tradition. Willi Tauer hatte den Fachhandel für Installation, Radio- und Elektrotechnik eröffnet.

Vor ihm hatte er bereits einige andere Besitzer gehabt. Unter anderem den Kaufmann Wilhelm Beurmann und den Landchirurgen Schwindt. Letzterer genoss einen guten Ruf. Er galt als „tüchtiger Arzt“ - und äußerst talentiert in Handarbeitssachen.

Die Mündener Frauen wussten Schwindts Fähigkeiten bei der Herstellung von Stickereien und Rückenkissen durchaus zu würdigen, berichtet Blume. Zudem ließ der Chirurg von Ostern 1869 bis zum Ausbruch des Deutsch-Französischen Kriegs 1870 den Forststudenten Graf von Asseburg bei sich wohnen.

Lange Straße: Früher fuhren Kutschen

Dieser wiederum war stadtbekannt, weil er stets mit einem vierspännigen Wagen fuhr, auf dessen Kutschbock – auch da freute sich wieder die Mündener Damenwelt - zwei hübsche, junge Männer saßen. Zimmermann und Noffz, so die Namen der beiden, heirateten später Mündener Bürgertochter.

Letzterer ist später nach Göttingen gegangen. Zimmermann ging im Krieg als Infanterist zu den Bonner Husaren, kehrte aber später nach Münden zurück und betrieb eine Wäscherei im Waschbergweg. Zimmermann war jedoch nicht der einzige Husar in der Innenstadt. Das Gelände der Postscheune gehörte früher Spediteur und Posthalter Carl Dörnte. Ihm gehörte zuvor das Haus mit der damaligen Nummer 40.

Einer der Vorbesitzer dieses Hauses war eine der, laut Blume, bekanntesten Persönlichkeiten: Oberforstmeister Quensell, dem die Verwaltung der Forstinspektion oblag. Das ist aber nicht alles. Quensell hatte als Cumberland-Husar bei Waterloo gekämpft.

Mündener Einkaufsstraße: Sattler, Speditionen und Friseure

Neben Elektronik, Ärzten, Speditionen gab es in der Langen Straße aber noch vieles mehr – unter anderem Friseure, Schlachter, Sattler und Bäcker. Im Haus mit der Nummer 67 waren sogar zu unterschiedlichen Zeiten alle drei Zünfte vertreten. 1858 kam es dann zu einer Tragödie.

Bäckermeister Sievert, dem das Haus bis dahin gehörte, starb, nachdem ein Dienstmädchen ihm aus Eifersucht Gift in den Kaffee gemischt hatte. Die Täterin kam vor das Göttinger Schwurgericht. Auch sie kam nicht mit dem Leben davon, denn das Urteil lautete: Todesstrafe.

Zur Hinrichtung sollen zahlreiche Mündener nach Göttingen gekommen sein. Ein tragisches Ende zu einer der vielen Geschichten, die sich über die Jahrhunderte hinweg in Mündens Einkaufsstraße ereignet haben. Es werden sicherlich noch viele schöne, traurige, rührige und lustige Geschichten mehr dazu kommen. (Sarah Schnieder)

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