Akute Wohnraumnot in Uni-Stadt

Göttingen führt Gespräche mit Bauverein: Flüchtlinge sollen nach Hann. Münden

Gemeinschaftsunterkunft für Flüchtlinge: Unser Foto zeigt einen Blick in ein Zimmer einer solchen Einrichtung in Kassel. Jetzt wird über eine Lösung dieser Art auch in Göttingen nachgedacht. Foto: Malmus

Göttingen/Hann. Münden. Flüchtlinge, die der Stadt Göttingen zugeteilt sind, könnten schon bald in Hann. Münden untergebracht werden. Die Stadt Göttingen bestätigte am Freitag auf HNA-Anfrage entsprechende Gespräche mit dem Bauverein in der Drei-Flüsse-Stadt.

Wie Sozialdezernentin Dr. Dagmar Schlapeit-Beck mitteilte, könnten erste Flüchtlinge aus der Uni-Stadt möglicherweise noch im November in Hann. Münden untergebracht werden. Allerdings wolle die Stadt Göttingen erreichen, dass sich der Bauverein auch um die Betreuung der Migranten kümmert.

Hintergrund für die Bemühungen der Stadt sind die akute Wohnraumnot in Göttingen und die damit verbundenen Probleme der Stadtverwaltung, geeigneten Wohnraum für Flüchtlinge zu finden. Eine genaue Zahl, wie viele Flüchlinge in Hann. Münden untergebracht werden sollen, wurde noch nicht genannt. Dr. Schlapeit-Beck sprach von der Belegung „mehrerer Einzelwohungen“.

Unterdessen laufen auch Gespräche über die Anmietung eines Gebäudes mit Platz für 15 bis 20 Flüchtlingen im Göttinger Ortsteil Weende. Das Projekt könnte zum Jahreswechsel realisiert werden. Mehr Details wollte Dr. Schlapeit-Beck noch nicht verraten. Zunächst will sie mit dem zuständigen Ortsrat darüber diskutieren. Auf den Aufruf, privaten Wohnraum für Flüchtlinge zur Verfügung zu stellen, hat die Stadt vor allem Angebote aus dem ländlichen Raum bekommen. Diese kommen nach Ansicht der Sozialdezernentin nicht in Frage.

Voraussichtlich Anfang Dezember werden die Pläne für Gemeinschaftsunterkünfte in Göttingen vorgestellt, kündigte Dr. Schlapeit-Beck an. Das Projekt soll im Sozial- sowie im Finanzausschuss präsentiert werden. Derzeit werde über zwei Standorte mit jeweils 200 Plätzen für Flüchtlinge nachgedacht.

Der Arbeitskreis Migration der SPD-Stadtverbandes Göttingen fordert unterdessen bei der Einrichtung von Wohnraum für Flüchtlinge die Einhaltung von hohen Qualitätsstandards. Wegen der vielen Flüchtlinge und der Wohnungsknappheit müssen künftig Gemeinschaftsunterkünfte gebaut werden, so der Arbeitskreis.

Für solche Gemeinschaftsunterkünfte müsse es Standards für die Wohnqualität, für die soziale Betreuung und für die Sicherheit der Bewohner geben. Die große Hilfsbereitschaft in der Bevölkerung könne die Akzeptanz solcher Gemeinschaftsunterkünfte unterstützen.

Wohneinheiten

Der Arbeitskreis Migration spricht sich für die Einhaltung von Qualitätsstandards bei der Errichtung von Gemeinschaftsunterkünften aus. Vor allem sollen Gemeinschaftsunterkünfte ausschließlich über abgeschlossene Wohneinheiten verfügen, um private Rückzugsräume zu schaffen. Dies vermeidet Konflikte. Eine an das Umfeld angepasste Außengestaltung des Gebäudes soll dazu beitragen, eine Stigmatisierung der Bewohner zu verhindern. (bsc)

Arbeitskreis Migration: Unterkunft muss gut erreichbar sein

Aus Sicht von Dr. Scott Stock Gissendanner, Leiter des Arbeitskreises Migration des SPD-Stadtverbandes, ist es wichtig, dass in der Nähe von künftigen Gemeinschaftsunterkünften in Göttingen Schulen, Einkaufsmöglichkeiten, Ärzte und Sportanlagen vorhanden sind. Außerdem müsse eine solche Unterkunft verkehrstechnisch gut erreichbar sein.

Thomas Heek, Leiter der Caritasstelle im Grenzdurchgangslager Friedland, wies darauf hin, dass wegen des großen Flüchtlingszustroms, die Betreuung in den Erstaufnahmeeinrichtungen Niedersachsens nur noch verkürzt stattfindet. Viele Erst-Orientierungsleistungen müssten nun die Kommunen anbieten, die eine entsprechende Infrastruktur und Koordinationsmöglichkeiten bereitstellen sollten.

Elvan Tekindor-Freyjer, migrationspolitische Sprecherin der SPD-Ratsfraktion, hob die gute Betreuung für neu ankommende Flüchtlinge durch das Migrationszentrum und die Stadt Göttingen hervor. Dadurch erleben die Flüchtlingsfamilien nach der meist traumatischen Flucht einen reibungslosen Start in Göttingen, sagte Tekindor-Freyjer. (bsc)

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