Entwurf von Grabsteinen

Natursteinwerkstatt Bormann in Hann. Münden von Materialmangel betroffen

Versteinertes Holz ist im Kommen.
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Versteinertes Holz ist im Kommen.

Der Grabsteinmarkt ist im Wandel. Es werde alles individueller, heißt es von Peter Bormann aus Hann. Münden. Gleichzeitig bemerkt der Betrieb die Rohstoffknappheit.

Hann. Münden – Ein lautes Zischen ist in der Werkhalle der Natursteinwerkstatt Bormann in Hann. Münden zu hören. Mitarbeiter Stefan Schwer sandstrahlt gerade einen Grabstein. „Die Beschriftung wird entworfen, auf Folie gebracht und dann als Schablone auf den Stein gelegt“, berichtet Peter Bormann, Inhaber der Firma an der Wilhelmshäuser Straße in Hann. Münden.

Hann. Münden: Firma existiert seit fast 135 Jahren

Auf dem Gelände reiht sich im Außenbereich Grabstein an Grabstein. „Der Markt ist im Wandel“, berichtet der 52-jährige Bildhauermeister und Steinmetz. Der Trend gehe zu individuellen Grabsteinen, berichtet er. „Die Leute trauen sich was.“ Ein Kunde habe sich zum Beispiel das Wappen und die Farben seines Lieblingsfußballvereins gewünscht, andere wollten Bilder von Katzen, Pferden und Hunden.

Mitarbeiter Stefan Schwer sandtrahlt gerade die Inschrift auf einem Grabstein in der Werkstatt der Natursteinwerkstatt Bormann.

„Wir versuchen, die Wünsche möglich zu machen“, sagt auch seine Frau, Tina Bormann, die die Büroarbeiten des Familienunternehmens übernimmt. Dabei müssen sie sich nach der jeweiligen Friedhofssatzung richten. 70 Friedhöfe im Landkreis Göttingen, im Raum Kassel und Witzenhausen decken sie momentan ab.

Die Grabsteine, die schnell mehrere Tonnen schwer werden, schneidet die Firma Bormann nicht selbst zu. „Wir kümmern uns um Beratung, Planung, Beschriftung und machen die Ornament- und Feinarbeit“, berichtet Peter Bormann in seinem Büro, das direkt neben der Werkstatt ist. Der Zuschnitt erfolgt in großen Fabriken, zum Beispiel im hessischen Odenwald oder in der Region um Freiburg im Breisgau. „Die Maschinen sind einfach sehr teuer, das kann die Industrie besser“, sagt Bormann. Für Metallarbeiten holt er sich die Hilfe einer Firma aus Scheden.

„Ich besitze einen Lastwagen mit Kran, da merkt man die Spritpreise schon“

Die internationale Rohstoffknappheit merkt der Betrieb, der 1887 in der Dreiflüssestadt gegründet wurde, auch. Vor allem steigende Energiepreise machen sich bemerkbar. „Ich besitze einen Lastwagen mit Kran, da merkt man die Spritpreise schon.“

Seit März 2020 beziehen sie nur noch Steine aus deutscher Produktion. Diese seien zwar teurer, würden aber zuverlässig geliefert. Lieferungen aus dem Ausland hätten vor der weltweiten Containerknappheit etwa zwölf bis 14 Wochen Lieferzeit gehabt, momentan seien es 20 Wochen.

Grabsteine aus versteinertem Holz sind „im Trend“. Das Bild wurde auf dem Gelände von Peter Bormanns Firma aufgenommen.

Ihre Verwaltungsaufgaben nehmen stetig zu, berichten die Eheleute. Zudem steigen die Anforderungen der Friedhofssatzungen. Oft haben sie einen Zehn- bis 14-Stunden-Tag. „Ich mache es aber gern“, sagt Bornmann. Während viele Betriebe in der Coronakrise Kurzarbeit anmelden mussten, habe man „durchgearbeitet“. „Ich rate den Jungen: Geht ins Handwerk“, sagt Peter Bormann, der anerkannter Techniker in der Fachrichtung Gestaltung ist. Den Betrieb hat er 2002 von seinem Vater Fritz übernommen. Momentan hat er fünf Mitarbeiter.

Grabsteine aus Hann. Münden: Der Markt ist im Wandel

In seinem Büro finden sich zahlreiche Beispiele für die individuelle Gestaltung der Grabmäler. „Die Bilder werden mit einer Software aufgebessert, dann auf eine spezielle Folie gedruckt und in den Stein sandgestrahlt“, berichtet er und zeigt ein solches Beispielbild, das auf schwarzem, glänzendem Stein verewigt ist.

„Die Leute wollen, neben den individualisierten, oft pflegeleichte Gräber.“ Das bedeutet, weg vom Familiengrab, hin zum kleinen Grab. Diese sind oft mit einer Steinplatte ganz oder soweit verdeckt, dass die Angehörigen weniger Aufwand bei der Pflege haben. Die Bormanns besuchen oft Messen und Fortbildungen, um so über die neusten Entwicklungen im Bilde zu sein. Versteinertes Holz sei ein Werkstoff, der „im Kommen ist“. Es entsteht bei Vulkanausbrüchen und ist sehr hart. (Jens Döll)

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