Damals in Münden

Hann. Münden 1957: Diskussion um klein-sibirische Straße

Hermannshagen auf einer Ansichtskarte des Verlages Karl Thoericht, Münden um 1965.
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Hermannshagen auf einer Ansichtskarte des Verlages Karl Thoericht, Münden um 1965.

1957 gründete sich die Gruppe Hermannshäger Rundgespräche. Schon damals wurde über die Finanzierung von Straßenbauarbeiten diskutiert - wie auch im Hann. Münden der Gegenwart.

Hann. Münden/Hermannshagen - Ob Trafo-Häuschen, das Areal vom ehemaligen Haus Weserland, Surfer-Welle oder Straßenausbaubeiträge – das Spektrum an Themen, die die Mündener bewegen, sind vielfältig. Zahlreiche Bürger bringen sich ein und setzen sich für oder gegen bestimmte Anliegen ein.

Dabei sind vor allem die Straßenausbaubeiträge ein Dauerbrenner. Wer bezahlt was? Wer ist zuständig? Ähnliches bot bereits 1957 beim ersten Treffen eines damals neu gegründeten Bürgerforums in Hermannshagen Diskussionsstoff. An der ersten Veranstaltung der „Hermannshäger Rundgespräche“ Ende Januar des Jahres 1957 nahmen mehr als 250 Hermannshäger Bürger teil, heißt es in einem damaligen Zeitungsbericht.

Sie hätten viel diskutiert, „teils heftig, teils weniger heftig, aber so, daß man sagen konnte, daß das Eis gebrochen sei“. Eines der Themen war die als „klein-sibirische Straße“ bezeichnete Adolf-Pott-Straße. Sie war damals in einem schlechten baulichen Zustand. Bereits damals lag die Unterhaltspflicht für städtische Straßen bei der Stadtverwaltung, allerdings war die Adolf-Pott-Straße seinerzeit noch im Besitz des Gemeinnützigen Bauvereins. Die einhellige Meinung war zwar, dass es das Beste sei, die Straße der Stadt zu übereignen, aber dieser Prozess sei langwierig. Daher wolle man zunächst vorschlagen, dass die Stadt einen Bürgersteig anlegen solle. Das sei, so die Ansicht des Bürgerforums, auch ohne zuvor übertragene Unterhaltspflicht möglich und würde zumindest dafür sorgen, dass „die Alten dort ungefährdet ihres Weges gehen können“.

Ein weiteres Anliegen der Hermannshäger war es damals, einen Kinderspielplatz zu bekommen. Die Veranstaltung besuchte auch der damalige Senator Heinrich Pfaff, der erklärte, dass Finanz- und Bauausschuss bereits entsprechende Beschlüsse gefasst hätten. Im April 1957 sollte es so weit sein. Da die Hermannshäger damit rechneten, dass ihr Viertel stetig wachsen würde, war ein weiterer Vorschlag, künftig Spielplätze direkt in die Bebauungspläne aufzunehmen, um nicht später „große Mühe“ zu haben, „einen Spielplatz zu schaffen“. Gesprächsbedarf herrschte, neben fehlender Beleuchtung am Aufgang zur Schule sowie an der Ecke Adolf-Pott-Straße/Bebelstraße, auch in Sachen Kanalisation.

Denn: 1957 gab es in dem Ortsteil noch keine. Zunächst hatte es Ideen gegeben, Abwässer übergangs-weise direkt in die Werra zu leiten. Allerdings war die Verschmutzung der Flüsse zu jener Zeit bereits so fortgeschritten, dass derartige Notbehelfe nicht infrage kamen. Hermannshagen sei „eine aufblühende Fremdenverkehrsgemeinde“, allerdings müsse eine Lösung für das Kanalisationsproblem her, denn „mit den jetzigen sanitären Verhältnissen in manchen Straßen“ stelle der Ortsteil „keine Attraktion für Erholungssuchende“ dar, heißt es in dem Bericht. Zu guter Letzt ging es um Bewegung, genauer: um die Forderung nach einer Turnhalle. Bei Regenwetter sei an Turnen im Ortsteil gar nicht zu denken; „Der Turnlehrer muß Märchen vorlesen.“ Bereits damals stand der Stellenwert des Sportunterrichts auf dem Prüfstand.

Der Hermannshäger waren sich einig: Es sei eine bedenkliche Situation und eine Turnhalle von Nöten, damit der Sportunterricht wenigstens nicht auch noch am Wetter scheitert. Die „Zahl der Turnstunden“ sei „ohnehin schon so gering, daß die Schulärzte große Bedenken haben.“ An diesem Abend war die Themenvielfalt groß, so auch die Diskussionsbereitschaft. Vor allem aber – und das ist wohl das Entscheidende gewesen – der Wille, gemeinsam gute Lösungen zu finden. (Sarah Schnieder)

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