Aufforstung

Nach Orkan und Sturm: 300 Hektar Kahlfläche im Stadtwald Hann. Münden

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Da war einmal ein Wald: Aus der Luft wird deutlich, wie große der Schaden ist, den Orkan Friederike auf dem Tremberg zwischen Hedemünden und Gertenbach angerichtet hat.

Hann. Münden/Hedemünden. Der Orkan Friederike und der Sturm Eberhard haben großen Schaden im Stadtwald in Hann. Münden angerichtet. 300 Hektar Kahlfläche gibt es nun dort.

Es ist ein Bild des Jammers: Der Tremberg, das zum Mündener Stadtwald gehörige Waldgebiet zwischen Hedemünden und Gertenbach, gleicht einem Schlachtfeld und ist weitestgehend frei von Fichten: 43 Hektar Fläche, 9000 Festmeter Holz, die im vorletzten Herbst noch standen, liegen dort nun fein säuberlich aufgereiht am Wegesrand. Und das ist nur eine von vielen Sturm-Baustellen im Stadtwald.

Sturm Friederike hatte im Januar 2018 große Teile des Fichtenbestandes umgeworfen, der Borkenkäfer tat im Dürresommer 2018 seinen Teil zum wohl größten Schadenereignis im Stadtwald seit Jahrzehnten: 90.000 Festmeter Sturmholz plus 20.000 Festmeter Käferholz musste der 2700 Hektar große Betrieb verkraften.

Und während die Aufarbeitung der Schäden über ein Jahr nach dem Sturm in vollen Zügen läuft, grätschte Sturm Eberhard in diesem Jahr dazwischen: Weitere 20.000 Festmeter Holz fielen, erneut hauptsächlich Fichte, aber auch junge Buchen. Flächen, die vom Friederike-Sturmholz befreit und vorbereitet waren zur Aufforstung, liegen erneut voll Holz, berichtet Stadtförsterin Susanne Gohde. Mittlerweile seien über zehn Prozent des Hann. Mündener Stadtwaldes Kahlflächen. Durch die Stürme werde aktuell das Zwölffache der sonst üblichen Menge an Fichte geerntet. Mit gravierenden Folgen: Die Preise gehen in den Keller und in künftigen Jahren muss der Stadtwald seinen Holzeinschlag reduzieren, um nachhaltig zu wirtschaften. Denn eigentlich darf nur soviel Holz entnommen werden, wie auch wieder nachwächst.

Selbst Sturm Kyrill, der vor zehn Jahren wütete, warf weniger als die Hälfte dieser Holzmenge um, die Neuaufforstung der Kahlflächen zog sich dennoch über zehn Jahre hin. Wie lange es dauert, bis alle jetzige Kahlflächen, nunmehr gut 300 Hektar, wieder aufgeforstet sind, vermag der Stadtwald Münden nicht zu sagen. Fest steht: Es ist eine gigantische Aufgabe, um die 1,5 Millionen junge Baumpflanzen sind nötig.

Stadtwald Hann. Münden soll nach Stürmen aufgeforstet werden

Ziel sei, im Stadtwald pro Halbjahr 40 Hektar aufzuforsten, sagt Försterin Susanne Gohde. Aber das hat der Betrieb Stadtwald nicht allein in der Hand: Pflanzen seien derzeit schwer zu bekommen. Die Baumschulen können bei der allerorts großen Nachfrage kaum liefern, berichtete Gohde im Umweltausschuss der Stadt. Sie nehme, was sie bekommen kann, und forste dann an den jeweils geeigneten Standorten damit auf. „Zurzeit pflanzen wir dann eben Eiche.“ „Wir haben bereits vergangenes Jahr 35 Hektar der Freiflächen aufgeforstet“, sagt Stadtwaldförsterin Annika Meier. Fürs erste Halbjahr dieses Jahr sind weitere 25 Hektar geplant. Der Großteil der Flächen soll mithilfe finanzieller Fördermittel mit Eichen, Buchen, Edellaubbäumen, aber auch Nadelhölzern als Mischungspartner, wieder aufgeforstet werden. 

Holz, das mit Gift gegen Borkenkäfer behandelt wurde.

Zuwendungen könne man aus drei verschiedenen Programmen beantragen, skizziert es Gohde: Das Land Niedersachsen hält für Schäden durch Friederike, durch Trockenheit und durch die Borkenkäfer Mittel bereit. Förderungen seien beantragt. Im vergangenen Jahr habe man zuerst auf den nasseren Flächen wieder aufgeforstet, sodass diese jungen Bäumchen ganz gut angewachsen seien. Die trockenen Freiflächen seien von der Sonne stark verbrannt. Natürliche Verjüngung, die dort gegebenenfalls zaghaft einsetzte, hatte keine Chance. Das heißt: Auch dort, wo man darauf hätte setzen können, dass durch natürliche Aussamung wieder neue Bäume wachsen, muss nun vielerorts von Hand nachgepflanzt werden. 

Neue Bäume für den Stadtwald Hann. Münden

Auf diese trockenen Standorte müssten nun Bäume gesetzt werden, die Trockenheit besser vertragen, als ihre vom Sturm umgerissenen Vorgänger. Die alten Waldentwicklungssysteme griffen gar nicht mehr, man müsse bei der Wahl der neuen Pflanzen „alles etwas trockener denken“ als in der Vergangenheit, damit der heranwachsende neue Wald Bestand haben kann, da gelte es, einiges anzupassen. 

Im Forst müsse größten Wert auf die sichere, an das Wuchsgebiet angepasste Herkunft der Pflanzen geachtet werden, um eine für die Zukunft stabile und dem Klimawandel gewappnete neue Waldgeneration zu etablieren, so Meier. „Gründlichkeit und Sicherheit geht hier vor Geschwindigkeit, diese Zeit müssen wir uns lassen“, sagt Meier. Die Wiederaufforstung sei ohnehin ein langer Prozess, da immer wieder Bäume aus Bestandesrändern nachfallen oder Schädlinge wie Borkenkäfer, Mäuse, Rüsselkäfer Nachbesserungen der Kulturflächen und Neukulturen nötig machen.

Durch das warme Wetter Ende Februar steht der Borkenkäfer bereits in den Startlöchern. Experten gehen nach dem langen trockenen Sommer 2019, die dem Forstschädling optimale Bedingungen bot, von einer hohen Ausgangspopulation des Käfers aus, der im Waldboden überwintert. Die Landesforsten Niedersachsen bereiten sich nach deren Angaben „auf das Schlimmste“ vor. Das Land hat unter bestimmten Umständen grünes Licht für den Einsatz von Insektiziden gegen den Käfer auch in Schutzgebieten gegeben. 

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