Energie und Lebensfreude

Älteste Einwohnerin von Hann. Münden wird heute 106 Jahre alt 

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Anneliese Böttge ist 1913 geboren und 106 Jahre alt.

Anneliese Böttge ist am Freitag, 8. Februar, 106 Jahre alt geworden und damit die älteste Einwohnerin Hann. Mündens.

„Fahrrad fahren habe ich mir selber beigebracht. Dafür habe ich ein Herrenfahrrad auf einen Hügel geschoben und mich solange runterrollen lassen, bis ich es konnte“, erinnert sich Anneliese Böttge. „Ich glaube, ich war eine Wilde“, sagt sie und grinst.

Ihre Familie sei musikalisch gewesen, berichtet sie. Sie selbst hat Klavier, Gitarre, Mandoline und Laute gespielt, „aber nur nach Noten“. Nach dem Schulabschluss schrieb sie zuerst Artikel für den Hannoverschen Anzeiger, bevor sie in Meiningen (Thüringen) eine Lehre zur Krankenschwester begann.

„Mein Vater wollte, dass ich ins Büro gehe, aber das war mir zu langweilig. Also wollte ich Büroschwester werden“, berichtet das Geburtstagskind. Als der Zweite Weltkrieg kam, war dies nicht mehr möglich. Stattdessen wurde Anneliese Böttge als Krankenschwester in die Lazarette im Ausland gesendet. Nach einem kurzen Aufenthalt in Rumänien verbrachte sie eineinhalb Jahre in Griechenland. „Dort waren so viele junge Soldaten, und wie diese kräftigen Männer nach ihren Müttern riefen, zerbrach das Herz“, erzählt sie. 

Trotzdem habe sie das Beste draus gemacht, habe die Akropolis besichtigt und sei am Meer gewesen. Das Reisen habe in ihrem Leben generell eine große Rolle gespielt, sagt Anneliese Böttge. Bis heute lese sie am liebsten Reiseberichte, früher sei sie mit Freunden viel wandern und reisen gewesen. Immer dabei: Kurzhaardackel Waldi von Wolfshagen. „Der war ein Adliger und dann auch noch Bayer“, schmunzelt die rüstige Seniorin über ihren Dackel, der „um die 20 Jahre alt“ wurde. 

Nie verheiratet

Verheiratet war die Jubilarin nie, es habe zwar ein paar Kandidaten gegeben, doch sie pflege zu sagen „Prüfe, wer sich ewig bindet, ob sich nicht ein Besserer findet!“ 

Die Arbeit habe in ihrem Leben immer über allem gestanden, so leitete sie als Oberschwester nach dem Krieg unter anderem Krankenhäuser in Dresden und Bad Salzungen. Ein Rezept, wie man so lange leben kann, habe sie nicht. Wichtig sei, nicht immer alles so ernst zu nehmen, für andere da zu sein und positiv zu denken statt zu klagen, sagt die 106-Jährige, die seit jeher ein offener und kommunikativer Mensch ist. Auch Freunde seien wichtig. 

Die engagierte Seniorin hat nicht nur beruflich die Dinge in die Hand genommen: Mit 52 Jahren lernte sie noch schwimmen und nach der Rente Englisch in einem Sprachkurs. Ob sie auch ein Laster habe? „Höchstens Leibniz-Kekse. Für die stehe ich sogar nachts auf“, lächelt Böttge. Aufgrund einer Arthrose in den Händen könne sie nicht mehr gut sticken oder auf ihrer Schreibmaschine schreiben, doch statt auf den Fernseher auszuweichen, lese sie lieber. „Und wenn ich Fernsehen gucke, dann gucke ich Fußball. Borussia Dortmund mag ich gerne“, sagt die 106-Jährige, die sich zum Geburtstag von jedem ihrer Gäste nur eine einzelne Rose wünscht. „Dann habe ich einen Strauß“, sagt sie zufrieden.

Dieses Video ist ein Inhalt der Videoplattform Glomex und wurde nicht von der HNA erstellt.

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