Hardy Grünes neues Buch

Besondere Fußballplätze: Am Rattwerder gab es nur eine(n) Gala

Das Stadion am Rattwerder in Hann. Münden: Im Hintergrund ist das Hochbad zu erkennen, in dem oft mehr los ist als auf der Zuschauertribüne des Stadions (links).
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Das Stadion am Rattwerder in Hann. Münden: Im Hintergrund ist das Hochbad zu erkennen, in dem oft mehr los ist als auf der Zuschauertribüne des Stadions (links).

Blickt man auf die heutige Verfassung des Fußballs in der Dreiflüssestadt Hann. Münden, ist es kaum zu glauben, dass ein hiesiger Verein vor fast 50 Jahren beinahe in die zweithöchste Spielklasse aufgestiegen wäre.

Doch die damalige TSG 1860 Münden verpasste 1962 den Aufstieg, und die Fußballbegeisterung an Weser, Werra und Fulda sackte wieder in sich zusammen. Das ist eine von 100 Geschichten in Hardy Grünes neuem Buch „Fußballheimat Niedersachsen & Bremen“.

Blick vom Sprungturm

Eine Seite für einen Fußballplatz, nach diesem Prinzip verfuhr der Göttinger Fußball-Experte Grüne in dem im Arete Verlag erschienenen Werk. Auf Seite 98 steht sie, die Geschichte über das Stadion am Rattwerder unter dem Titel „Die schwimmende Tribüne“. Dort erfahren wir aber nichts von einem Spiel, das einer „Wasserschlacht“ gleicht, sondern dass man vom Sprungturm des benachbarten Hochbads eigentlich den besten Blick auf den grünen Rasen hat.

Und wir erfahren, dass der Rattwerder – irgendwie sieht man es dem Stadion ja auch an – schon lange keine Heimat mehr für spektakuläre Fußball-Partien auf hohem Niveau ist. Weder die einst so ruhmreiche TSG 1860, noch der MSV 18 kicken heutzutage noch um Punkte.

Weltmeister als Coach

Zwischen 1949 und 1964, so schildert es Grüne, wurde dann aber doch einiges geboten am Rattwerder. An der Seitenlinie der TSG 1860 stand damals sogar ein Weltmeister: Der Kasseler Karl-Heinz „Gala“ Metzner, der bei der WM 1954 zwar ohne Einsatz blieb, sich aber überregional einen Namen als eleganter Spielmacher gemacht hatte, coachte die Mündener in den 1960er Jahren.

Lesenswerte Lektüre

Mehr Glanz und Gloria gibt es vom Rattwerder jedoch nicht zu berichten, und so hatte Grüne wohl weniger Probleme als bei anderen Stadien, Städten oder Vereinen, die Geschichte auf einer Seite unterzubringen. Das nämlich ist eine kleine Schwäche des sonst sehr lesenswerten Buches: Nicht immer wird der Platz einer Buchseite dem beschriebenen Verein oder dem Stadion gerecht. Aber alle 100 Geschichten sind interessant und auch unterhaltsam geschrieben. Zum Beweis Grünes letzte Sätze zum Stadion am Rattwerder: „Publikum kann man dabei wahrlich per Handschlag begrüßen. Da ist im Hochbad deutlich mehr los.“

Sport und Gesellschaft

Grüne, einer der bekanntesten Fußballhistoriker der Nation, schafft in seinem Buch auch die Verbindung zwischen Sport und Gesellschaft. Es wird deutlich: Der sportliche Erfolg in den kleineren Orten und Vereinen hing oft an der wirtschaftlichen Situation vor Ort. Der VfB Uslar etwa wäre ohne die Ilse-Werke und deren Unterstützung wohl nie Niedersachsen-Pokalsieger 1955 geworden. Mithilfe herrlicher Ankedoten, aber auch tragischer Geschichten entführt der versierte Fußball-Autor den Leser in eine Zeit, die sich viele Fans zurückwünschen – etwa die Anhänger von Göttingen 05. Auch ihr Stadion und die Geschichte ihres Vereins, der einst an das Tor zur Fußball-Bundesliga klopfte, spielt natürlich eine Rolle.

Info

Hardy Grüne „Fußballheimat Niedersachsen & Bremen: 100 Orte der Erinnerung. Ein Reiseführer“, Arete Verlag, 216 Seiten, 18 Euro

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