Pflegeberufe neu geregelt

An BBS und  Pflegefachschule ist die generalistische Pflegeausbildung gestartet

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Die Ausbildung für Pflegeberufe wurde neu geregelt (Symbolbild). 

Eine Ausbildung für drei Pflegebereiche? Das ist seit Beginn 2020 durch eine generalistische Pflegeausbildung möglich, denn die Bundesregierung hat die Ausbildung der Kinder-, Kranken- und Altenpflege neu geregelt.

Die kostenfreie Ausbildung zur Pflegefachfrau und zum Pflegefachmann bieten auch die Berufsbildenden Schulen (BBS) und die Berufsfachschule Pflege am Klinikum in Hann. Münden an. Das Bewerbungsverfahren für die dreijährige Ausbildung läuft an den Schulen bereits. An der Berufsfachschule am Klinikum wurden bisher sieben Zusagen und an den BBS sechs Zusagen für Bewerber gegeben.

Das teilten Sonja Diedrich, Schulleiterin der Berufsfachschule, und Bettina Weitemeyer, Leiterin des Fachbereichs Humandienstleistungen der BBS, auf Anfrage mit. Die Pflegefachschule nimmt bis zum Ausbildungsbeginn im Oktober insgesamt etwa 25 Schüler auf. Die BBS startet im August mit 20 bis 30 Schülern. Die neue Ausbildung verknüpft die drei Pflegebereiche Kranken-, Kinderkranken- und Altenpflege.

Dazu gehören daher mehrmonatige Pflichteinsätze in den verschiedenen Pflegebereichen: in der stationären Akutpflege, in der stationären Langzeitpflege, in der ambulanten Akut- oder Langzeitpflege sowie in Kinderpflegeeinrichtungen. Dafür kooperieren die Schulen zum Beispiel mit Krankenhäusern und Seniorenzentren aus Hann. Münden und der Umgebung, erklärt Diedrich. Nach der Ausbildung sind die Fachkräfte in allen drei Bereichen einsetzbar. „Der Beruf eignet sich zur Pflege aller Altersgruppen.“ 

Sonja Diedrich, Leiterin Berufsfachschule Pflege

Obwohl die generalistische Pflegeausbildung viele Chancen bereithalte, so sei sie im pädiatrischen Bereich nicht optimal geregelt, erklären die Expertinnen. „Es gibt nicht genug Einsatzmöglichkeiten in der Kinderkrankenpflege“, sagt Diedrich. Daher weiche man auf Alternativen aus, wie Kinderarztpraxen und integrative Kindertagesstätten. Die fachlichen Inhalte der pädiatrischen Ausbildung zeigen Weitemeyer, dass hier zusätzliche Fortbildungen notwendig sein werden. Dieser Bereich habe noch Potenzial, sich zu entwickeln. 

Drei Pflegebereiche, ein Beruf

Die generalistische Pflegeausbildung soll die drei Bereiche Alten-, Kranken- und Kinderkrankenpflege vereinen. Diese neue Ausbildungsform bietet laut Sonja Diedrich, Schulleiterin der Berufsfachschule für Pflege am Klinikum Hann. Münden, viel Potenzial. „Man ist zukunftsfähiger aufgestellt. Insgesamt hat die Ausbildung eine höhere Qualität. Die Pflegeberufe sollen attraktiver und übersichtlicher werden“, sagt Diedrich. 

Die Auszubildenden erhalten die ersten zwei Jahre eine generalistisch ausgerichtete Ausbildung in der Pflege. Wer im dritten Jahr die Ausbildung fortsetzt, erwirbt den Abschluss Pflegefachfrau oder Pflegefachmann und ist damit flexibel und frei in der Berufswahl. Gleichzeitig haben die Auszubildenden trotzdem noch die Wahl, sich einen Schwerpunkt zu setzen und im letzten Ausbildungsdrittel einen gesonderten Abschluss in der Alten-, Kranken- oder Kinderkrankenpflege zu erwerben, erklärt Diedrich. 

„Die große Chance ist, dass sich auf die Grundwerte der Pflege besonnen wird“, sagt Bettina Weitemeyer, Fachbereichsleiterin Humandienstleistungen an den Berufsbildenden Schulen in Münden (BBS). Besonders auf lange Sicht, sei eine gemeinsame Ausbildung durchaus sinnvoll, da sich insbesondere die Arbeitsfelder der Kranken- und Altenpflege in weiten Teilen überschneiden, erklärt Weitemeyer. Zudem seien bestimmte Pflegemaßnahmen- und phänomene altersunabhängig, sagt sie. Das Bundesministerium für Gesundheit hofft, mit der Umstellung auch dem Fachkräftemangel entgegenzuwirken. 

Bettina Weitemeyer (Mitte) lehrt an der BBS Münden im Fachbereich Humandienstleistungen. 

„Der Pflegenotstand wird durch diese Änderung aber erst mal nicht aufgefangen werden, jedenfalls nicht kurzfristig“, vermutet Weitemeyer. Die ersten drei Ausbildungsjahre müssten zunächst abgewartet werden und genügend Bewerber müsse es auch geben. „Der Notstand hat auch damit zu tun, wie angesehen die Pflege in der Gesellschaft ist.“ Und das habe nichts mit der Tätigkeit als solche zu tun, sondern mit den Arbeitsbedingungen, an denen die Politik aber etwas ändern müsse. Um mit der neuen Ausbildung wirklich etwas zu bewirken, müssten zeitgleich auch einheitliche Grundbedingungen für den Pflegeberuf geschaffen werden. 

Michael Schiller, Pflegedienstleiter im Senioren- und Pflegeheim Hemeln, steht dieser Änderung eher skeptisch gegenüber, sagt er. „In anderen Berufen geht der Trend zur Spezialisierung und hier wird es vereinheitlicht“, betont Schiller. „Ich persönlich habe die Befürchtung, dass die Altenpflege darunter leiden wird.“ Da Krankenhäuser finanziell und personell oft besser aufgestellt seien, würden viele Bewerber dort eine Anstellung vorziehen, sagt er mit Blick auf die Arbeitsbedingungen. 

„Diese Befürchtung kann ich nachvollziehen. Das muss man ernst nehmen“, sagt Weitemeyer. Um dieser Gefahr entgegenzuwirken, müsse sich etwas in der Bezahlung tun, damit auch die Personaldecke stabilier wird. Das sieht auch Diedrich so. Gleichzeitig sieht sie in den vielseitigen Einsätzen der Ausbildung auch eine Chance für Altenpflegeheime. „Ich kann mir gut vorstellen, dass einige Schüler die Tätigkeit in der Altenpflege der im Krankrankenhaus vorziehen würden.“ Denn in der Langzeitpflege sei die Atmosphäre sehr familiär und man baue zu dem Menschen eine Bindung auf. Wie sich die Ausbildung letztendlich aber bewährt und wie sich der Arbeitsmarkt entwickelt, bleibt abzuwarten. Eine Bilanz wird vom Bund nach sechs Jahren gezogen und das Gesetz gegebenenfalls abgeändert.

Pflegeberufe sollen attraktiver werden

Die generalistische Pflegeausbildung geht auf ein bundeseinheitliches Gesetz zurück. Die bisher getrennt geregelten Pflegeausbildungen im Kranken-, Altenpflege werden in einem neuen Pflegeberufegesetz zusammengeführt, wie das Bundesgesundheitsministerium erklärt. Durch die Möglichkeit, in mehreren Pflegebereichen arbeiten zu können, soll der Pflegeberuf attraktiver werden. So soll dem Fachkräftemangel entgegengewirkt werden.

Bewerbungen

Interessierte können ihre Bewerbung für die generalistische Pflegeausbildung an die Berufsbildenden Schulen und an die Berufsfachschule am Klinikum in Hann. Münden schicken: . Berufsbildende Schulen Münden, Auefeld 8, oder per Mail an Bettina Weitemeyer an bweitemeyer@bbs-muenden.de . Berufsfachschule Pflege Klinikum Hann. Münden, Vogelsang 105, oder per Mail an Sonja Diedrich an s.diedrich@khmue.de.

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