Altes Münden kommt bei Sanierung zum Vorschein

Archäologen legen womöglich historische Hafenmauer in Hann. Münden frei 

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Die Schlagdspitze um 1560: Der Stichausschnitt zeigt die damalige Situation an der Stelle, wo jetzt die historischen Mauerreste gefunden wurden.

Für Stadtdenkmalpfleger Burkhard Klapp ist der archäologische Fund an der Wanfrieder Schlagd ein Glücksfall für die Erforschung der Mündener Stadtgeschichte.

Seiner Meinung nach könnte es sich um einen Teil der Mauer handeln, an der die Schiffe vor 1560 im damaligen Mündener Hafen angelegt haben.

Wie die Schlagden, die Anlegestellen für Schiffe, zum Ende des Mittelalters und zu Beginn der frühen Neuzeit ausgesehen haben könnten, ist in einem Stich festgehalten, der in einer Sammlung von Stadtansichten 1584 von Georg Braun und Frans Hogenberg veröffentlicht wurde. 

Er zeige, so Stadtarchivar Stefan Schäfer, eine Ansicht, deren „zeichnerische Grundlage vor dem Jahre 1560 liegen muss.“ Das ergibt sich aus dem Gesamtbild.

Weitere Untersuchung für genaue Datierung der Mauerreste

Für die genaue Datierung der Mauerreste, so Klapp, müssten nun die weiteren Untersuchungen abgewartet werden, darunter die dendrochronologische Analyse des außerdem gefundenen Holzes. Der Fund sei die letzte Chance gewesen, die Anlage, wie sie bei Braun und Hogenberg zu sehen sei, archäologisch nachzuweisen.

Denn mit der Sanierung wird die Wanfrieder Schlagd komplett neu gestaltet. Um bei den Arbeiten mögliche historische Funde zu sichern und zu dokumentieren, hat die Stadt Hann. Münden das Büro „Streichardt & Wedekind Archäologie“ aus Göttingen damit beauftragt, die Sanierung zu begleiten.

Die Schlagdspitze um 1560: Der Stichausschnitt zeigt die damalige Situation an der Stelle, wo jetzt die historischen Mauerreste gefunden wurden.

Als ein Baggerfahrer am Dienstagmorgen bei Ausschachtungen auf die Mauerreste in etwa zwei Metern Tiefe stieß, hat das fünfköpfige Team um die beiden Archäologinnen Sabine Stoffner und Sandra Busch-Hellwig die weiteren Arbeiten sofort gestoppt.

Fundstelle liegt an der "Schlagdspitze" 

Vorsichtig legten die Archäologen mit Schippen, Spaten und Kellen die Überreste auf einem Areal von zehn mal vier Metern frei.

Hier liegt die Fundstelle.

Die Fundstelle liegt an der sogenannten Schlagdspitze, wo die Wanfrieder und Bremer Schlagd aufeinandertreffen. Was die Experten freilegen, vermessen sie sofort und nummerieren die Funde für die spätere Dokumentation.

Als Schäfer sich zusammen mit Klapp am Mittwochmittag die Grabung ansieht, hat er auch einen vergrößerten Ausschnitt des Stiches von Braun und Hogenberg dabei und vergleicht den Fund mit dem damaligen Verlauf des Ufers von Fulda und Werra.

Die Archäologen könnten tatsächlich Reste der damaligen Schlagdmauer gefunden haben, so auch Schäfers Fazit.

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