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Hann. Münden: Im 19. Jahrhundert eröffnete das erste Finanzinstitut

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Blick vom Schloss auf das erst kürzlich eindrucksvoll sanierte Wohn- und Geschäftshaus Marktstraße 20 um ca. 1910. Es gehörte zwischen 1859-1895 jüdischen Eigentümern. Ansichtskarte des Verlages Johannes Herzel. repro: stefan schäfer
Blick vom Schloss auf das erst kürzlich eindrucksvoll sanierte Wohn- und Geschäftshaus Marktstraße 20 um ca. 1910. Es gehörte zwischen 1859 und 1895 jüdischen Eigentümern. © Ansichtskarte des Verlages Johannes Herzel. Repro: Stefan Schäfer

Banken haben das Bild von Hann. Münden geprägt. Auch jüdische Bankiers gehörten fest zum Stadtbild.

Hann. Münden – Das Bankhaus Mauer & Plaut sowie die Privatbank von Hermann Heiliger steht für die zahlreichen Privatbanken Ende des 19. Jahrhunderts. Hermann Heiligers Privatbank hatte zwischen 1874 und 1876 nur ein kurzes Gastspiel in Münden.

Hann. Münden: Beginn des Bankgeschäfts in der Dreiflüssestadt

Wertpapierhandel, Kreditvermittlung, Devisengeschäfte gewannen im Zuge der kapitalintensiven Industrialisierung eine bis dahin unbekannte Bedeutung. Moritz Mauer und Hermann Heiliger wurden jeweils als Söhne der israelitischen Religionslehrer im Gemeindehaus, heute Hinter der Stadtmauer 23, geboren.

Simon Mauer hatte als Lehrer von 1832 bis zu seiner Dienstunfähigkeit 1865 gewirkt. 1867 folgte Michael Heiliger als Lehrer. Ihre Söhne gingen jeweils in kaufmännische Lehren. Moritz Mauer gründete mit Gustav Plaut ein Finanzunternehmen in Kassel, das Bank- Wechsel- und Staatseffektengeschäfte betrieb.

Ab 1870 bot es seine Dienstleistungen auch in Münden an verschiedenen Standorten an. Moritz Mauer war es auch, der 1859 für 1600 Taler das Eckhaus Burgstraße/Marktstraße kaufte, das 1874 in den Besitz der Familie Heiliger wechselte.

„Zusicherung promptester und billigster Bedienung“

Sogleich zog das Bankgeschäft von Sohn Hermann ein. Dort empfahl er sich „zum An- und Verkauf von Werthpapieren aller Art, Einlösung von Zins-Coupons, sowie zur Besorgung aller die Branche berührenden Aufträge“, hieß es in den Mündenschen Nachrichten.

Und Hermann Heiliger ließ sich nicht lumpen, er gab seinen Kunden die „Zusicherung promptester und billigster Bedienung“. Hauptsächlich handelte Heiliger mit festverzinslichen Wertpapieren und bewerkstelligte die Auszahlung der Zinserträge. Dabei beschränkte er sich nicht nur auf die Arbeit mit deutschen Pfand- und Anleihegeschäften, auch beispielsweise amerikanische waren in seinem Portfolio vertreten. Heiliger gab sich derart Mühe, dass er sogar regelmäßig die aktuellen Börsenkurse in den Mündenschen Nachrichten veröffentlichte.

Lange hielt Heiligers Geschäft sich jedoch nicht. Nur rund drei Jahre später schloss er sein Geschäftslokal, warum ist nicht mehr nachzuvollziehen. Sicher ist nur: Hermann Heiliger kehrte Münden schließlich den Rücken. Nun war Münden ohne Bank. Das sollte jedoch nicht lange so bleiben.

Hermann Heiliger kehrte Hann. Münden den Rücken

Im Dezember 1876 ließ das Bankhaus Mauer & Plaut aus Kassel verlauten, dass sie den Mündenern wieder dazu verhelfen würden, ihre Bankgeschäfte vor Ort erledigen zu können. Es hieß, dass „zunächst jeden Dienstag und Freitag Jemand von unserem Hause zur Entgegennahme von Aufträgen in Münden – Lange Strasse 25 parterre – in der Behausung des Herrn Lobenstein anwesend sein wird.“

Zwischenzeitlich hatten sie das Geschäft in Münden Hermann Heiliger hinterlassen. Im April 1900 wechselten dann aber auch Mauer & Plaut die Geschäftsstelle. Von der Langen Straße 25 zogen sie in die 75 und knapp drei Jahre später in die 63. 1910 übernahm dann die Dresdner Bank Mauer & Plaut.

Ein Konkurrent – Kettwig & Reibstein aus Göttingen – hielt sich länger in Mündens Bankwesen. Die hatten 1898 eine Filiale in der Rosenstraße eröffnet und schafften es unter dem Namen Reibstein und Comp. sich noch zu bis zur Wirtschaftskrise von 1930 zu halten. (Sarah Schnieder)

Stadtarchivar Stefan Schäfer hat das Leben der jüdischen Familie Madelong in Hann. Münden aufgeschrieben. Sie wurden im dritten Reich entrechtet, verfolgt und schließlich deportiert.

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