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Hann. Münden bekommt Negativpreis wegen schlechter Radwegsituation

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Von: Thomas Schlenz

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Radfahrer fahren hintereinander auf der Straße
Bei der Kirche in Gimte müssen Radfahrer seit Kurzem auf der Straße fahren. © Petra Siebert

Die Initiative Cycleride hat der Stadt Hann. Münden den Negativpreis „Pannenflicken“ 2021/2022 verliehen. Grund sind die schlechten Radwegsituationen in der Region.

Hann. Münden – Die Initiative Cycleride hat der Stadt Hann. Münden den Pannenflicken 2021/2022 verleihen. Die Initiative verleiht den Negativpreis an Städte, Gemeinden und Landkreise, „die allzu offensichtlich nicht an den Radverkehr denken und fahrlässig die Gesundheit von Radfahrern gefährden“, heißt es auf der Webseite.

An der Situation in Hann. Münden kritisiert Cycleride, dass es breite Straßen nur für Autos gebe und dagegen schmale und gefährliche Wege für Radfahrer plus Fußgänger. „Wie schon seit Jahrzehnten bekannt: Radfahrer werden auf gefährliche, enge Wege geschickt, damit der Autoverkehr durchbrausen kann“, heißt es von der Initiative.

Auf der Fahrbahn wäre es innerorts deutlich sicherer

Als Beispiel für eine schlechte Wegeführung führt Cycleride die Göttinger Straße in Hann. Münden an, vor der Abzweigung zur Polizeiakademie. Radfahrer würden dort durch das Verkehrsschild „Gemeinsamer Geh- und Radweg“ auf einen schmalen Gehweg gezwungen, der die Mindestbreiten nicht ansatzweise erfülle. Auf der Fahrbahn wäre es innerorts bei Tempo 50 hingegen deutlich sicherer, so die Kritiker.

Bei der Kirche im Gimte: In dem Hann. Mündener Ortsteil müssen Radfahrer seit Kurzem auf der Straße fahren. Der Weg ist Fußgängern vorbehalten.
Bei der Kirche im Gimte gibt es keinen Fahrradweg, den die Radfahrer nutzen können. Sie müssen seit Kurzem auf der Straße fahren. © Petra Siebert

In Gimte wird dies seit Kurzem so gehandhabt: Dort ist die Radwegebenutzungspflicht von der Stadt kürzlich aufgehoben worden, Radfahrer müssen nun auf der Straße fahren, der ehemals kombinierte Rad- und Fußweg ist nun ein reiner Fußweg.

Leser unserer Zeitung hatten diese Umstellung jüngst kritisiert.

Laut Stadtverwaltung erhöht genau diese Umstellung die Verkehrssicherheit. Das habe eine Verkehrsschau durch Landkreis, Allgemeinen Deutschen Fahrradclub (ADFC) und Mitarbeitern der Straßenbauverwaltung ergeben, die sich einstimmig dafür ausgesprochen hätten.

Bau eines Schutzstreifens sei schwierig

In Gimte sei die Situation an einigen Stellen sehr unübersichtlich und komplex gewesen: Fußgänger hätten bei der Polizeiakademie die Straße ohne Querungshilfe wechseln müssen, da der Weg hier stellenweise ein reiner Radweg gewesen sei. Auch die Situation an den Grundstückseinfahrten sei unübersichtlich gewesen.

„Wir müssen mit den Fußgängern auch die Interessen der schwächsten Verkehrsteilnehmer in den Blick nehmen“, so Britta Spiegler vom Fachdienst Sicherheit und Ordnung. Hinzu komme, dass Radfahrer, die auf der Straße führen, auch zu einer Beruhigung der Verkehrssituation beitrügen, in dem sie den Autoverkehr verlangsamten.

Der Bau eines Schutzstreifens sei wegen der Breite der Straße schwierig. (Thomas Schlenz)

Initiative gegen Radwegebenutzungspflicht

Die Initiative Cycleride versteht sich als eine bundesweite Initiative von Radfahrern für eine praxistaugliche Radverkehrspolitik. Die Initiative sei 2005 von Benutzern des Internetforums eines Radsportmagazins gegründet worden. Ziel sei eine Verbesserung des Stellenwerts des Fahrrades als Verkehrsmittel, ohne dabei andere Verkehrsteilnehmer wie Fußgänger zu benachteiligen. In einer Petition habe sich Cycleride gegen die Radwegebenutzungspflicht ausgesprochen.

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