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Hann. Münden: Suche nach Blindgängern startet Ende Juli - „Keine Gefahr für Bevölkerung“

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Von: Thomas Schlenz

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So landete die 250-Kilo-Bombe auf der Ladefläche des Lkw: Der Blindgänger aus dem Zweiten Weltkrieg lag in vier Meter Tiefe im Erdreich auf dem Unigelände in Göttingen am Weender Tor.
So landete die 250-Kilo-Bombe auf der Ladefläche des Lkw: Der Blindgänger aus dem Zweiten Weltkrieg lag in vier Meter Tiefe im Erdreich auf dem Unigelände in Göttingen am Weender Tor. (Archivbild) © Kampfmittelbeseitigungsdienst Niedersachsen

In Hann. Mündens Erdreich werden Bombenblindgänger vermutet. Die Sondierungsarbeiten verschieben sich nun auf Ende Juli. Es gibt vier Verdachtspunkte in der Stadt.

Hann. Münden – Bei der Auswertung von Luftbildern aus dem Zweiten Weltkrieg sind in Hann. Münden vier Blindgängerverdachtspunkte gefunden worden, die untersucht werden sollen. Wie die Stadt am Mittwoch (22.06.2022) mitteilte, steht nun der Termin für die erste Untersuchung durch die Fachfirma Tauber aus Hannover fest.

Am 25. und 26.07.2022 sollen demnach in einem Umkreis von etwa fünf Metern um den Verdachtspunkt auf dem Parkplatz des Verwaltungsgebäudes in der Böttcherstraße Sondierungsbohrungen erfolgen. Ursprünglich war von der Woche ab dem 04.07.2022 als Beginn der Sondierungsarbeiten die Rede.

Hann. Münden: Suche starte Ende Juli

Anfang dieser Woche haben zwei Mitarbeiter der Firma Tauber anhand der vorliegenden Koordinaten den Verdachtspunkt eingemessen. „Zwischenzeitlich wird der Bauhof noch einige Vorarbeiten leisten. Im Bereich der überdachten Parkplätze in der Böttcherstraße muss ein Teil der Überdachung für die Sondierungen abgebaut werden“, informiert Michael Merle vom Fachdienst Tiefbau der Kommunalen Dienste der Stadt Hann. Münden.

Bürgermeister Tobias Dannenberg unterstreicht, dass für die Mündener Bevölkerung derzeit keine Gefahr bestehe: „Wir wissen zum aktuellen Zeitpunkt noch nicht, ob es sich bei den Verdachtsfällen überhaupt um Kampfmittel aus dem Zweiten Weltkrieg handelt und warten zunächst einmal die genaueren Untersuchungen ab.“

Luftbildauswertung gibt Hinweise 

Der Kampfmittelbeseitigungsdienst Niedersachsen, der beim Landesamt für Geoinformation und Landesvermessung (LGLN) angesiedelt ist, kann vor Baumaßnahmen Kriegsluftbilder auswerten, die Aussagen treffen können, inwieweit Kriegseinwirkungen durch Luftangriffe erfolgt sind. Das LGLN geht davon aus, dass im Land 77 Jahre nach dem Ende des Krieges noch große Mengen von nicht erkannten Kampfmitteln im Erdreich liegen, heißt es auf der Webseite.

Sollte es sich bei den Verdachtspunkten aber tatsächlich um Blindgänger handeln, so lägen diese schon seit vielen Jahren im Boden. Solange sie nicht bewegt würden, gehe daher keine unmittelbare Gefahr von ihnen aus, erklärte der Fachdienstleiter Sicherheit und Ordnung, Jörg Golde, im Gespräch mit unserer Zeitung. Trotzdem habe die Stadt, ohne zu zögern, entschieden, die Verdachtspunkte untersuchen zu lassen. Sollte sich bei den Untersuchungen durch die Fachfirma Ende Juli der Verdacht auf einen Bombenblindgänger erhärten, müsste mit dem Kampfmittelbeseitigungsdienst Niedersachsen über das weitere Vorgehen entschieden werden.

Hann. Münden: Luftbildauswertung brachte den Verdacht

In Hann. Münden werden nach einer Luftbildauswertung bis zu vier Bombenblindgänger vermutet: einer unter einem Parkplatz des Verwaltungsgebäudes in der Böttcherstraße, ein weiterer im Bereich des Bahnhofs, einer zwischen Bahnanlagen und Philosophenweg und schließlich einer unter dem Doktorwerder.

Nach Aussage der Verwaltung ist noch nicht klar, ob es sich bei den Verdachtspunkten tatsächlich um Blindgänger handelt. Was aber würde passieren, wenn dem so wäre?

An vier Punkten in der Stadt Hann. Münden werden mögliche Blindgänger vermutet.
An vier Punkten in der Stadt Hann. Münden werden mögliche Blindgänger vermutet. © Daten: Stadt hann. Münden/Karte: HNA

Die Stadt Hann. Münden besitze Räumungs- und Evakuierungspläne für verschiedene Schadenereignisse, erklärte die Stadt auf die Frage, ob es Vorkehrungen für eine eventuell erforderliche Evakuierung gebe. Im Ernstfall würde unter der Federführung des Bürgermeisters ein Krisenstab einberufen, an dem Polizei, Feuerwehr und andere Rettungsdienste beteiligt seien. Im Anschluss würde man das weitere Vorgehen festlegen, teilte die Verwaltung mit. Sollte eine Evakuierung erforderlich sein, würden laut Verwaltung Turnhallen, Dorfgemeinschaftshäuser und Schulen außerhalb eines dann nötigen Sperrkreises belegt.

Dass für Baumaßnahmen Luftbilder ausgewertet werden, um Bombenblindgänger zu finden, sei ein normales Vorgehen. Es sei allerdings das erste Mal, dass der Stadt Hann. Münden tatsächlich Bombenverdachtsfälle durch das Landesamt für Geoinformation und Landesvermessung Niedersachsen genannt wurden.

Die auf das Aufspüren von Kampfmitteln spezialisierte Firma Tauber hat sich laut Stadt zunächst ein Bild von den Zugangsmöglichkeiten zu den Verdachtspunkten für ihre Geräte gemacht.

Größerer Kampfmittelfund in Hann. Münden im Jahr 2019

Eine größere Suche nach Bomben, Minen und Granaten hatte es im Raum Hann. Münden zuletzt im Juni 2019 in der Weser gegeben. Mitarbeiter einer Kampfmittelräumfirma suchten damals im Auftrag des Wasserstraßen- und Schifffahrtsamtes (WSA) den Fluss an der früheren Fährstelle am Klostergut Hilwartshausen nach Kampfmitteln aus dem Zweiten Weltkrieg ab. Auslöser der Aktion war ein früherer Munitionsfund in dem Bereich, teilte das WSA damals mit. Danach habe dort eine Flächensondierung stattgefunden, bei der 32 verdächtige Gegenstände aus Metall im Wasser erkannt worden seien.

Bei der Suche fanden die Experten tatsächlich auch Kampfmittel im Fluss: eine Granate, die vom niedersächsischen Kampfmittelbeseitigungsdienst abtransportiert wurde, und eine Panzermine, die gesprengt werden musste. Für die Sprengung mussten die Bewohner des Gutes Hilwartshausen und des auf der anderen Flussseite gelegenen Gehöftes Eichhof sowie Angestellte einer Biogasanlage die eingerichtete Sicherheitszone verlassen. Zudem wurden bei Hilwartshausen zusätzlich mehrere Straßen gesperrt, darunter die Bundesstraße 80 zwischen Hann. Münden und Vaake sowie die Landesstraße 561 zwischen Gimte und Hemeln. (Thomas Schlenz/Ekkehard Maaß)

Auch in Göttingen, der Kreis- und Unistadt, wird fleißig nach Bombenblindgängern gesucht.

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