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Hann. Münden: Brand 1878 in der Gummifabrik

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Von: Sarah Schnieder

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Das Gebäude in der Ziegelstraße.
Das Gebäude in der Ziegelstraße. © Repro/Schnieder/nh

Die Wetzell’sche Gummifabrik in Hann. Münden wurde 1878 ein Raub der Flammen. In unserer Serie „Damals in Münden“ sind wird dem Gebäude auf der Spur.

Hann. Münden – Dass Feuer vor nichts Halt macht, musste Münden erst kürzlich erneut erleben. Bei dem Brand des Baustoffhandels am Bahnhof ist ein großer Teil des historischen Güterschuppens zerstört worden. Auch die Brände in der Altstadt, die noch nicht allzu lange zurückliegen, hinterließen ihre Spuren in der Stadt.

Hann. Münden: Großbrand anno 1878

Ähnlich war es 1878, als die Wetzell’sche Gummifabrik in Brand geriet. Eine gefährliche Situation, die nur Dank vollen Einsatzes unter Kontrolle gebracht werden konnte. Doch was war passiert? In der Nacht des 2. Februars war ein Feuer auf dem Fabrikgelände entstanden. Besonders gefährlich: die Lage. Die Fabrik lag seinerzeit im Herzen der eng gebauten Altstadt zwischen der Ziegel- und der seinerzeitigen Hinterstraße.

Ein Feuer in diesem Bereich hätte einen Großteil der historischen Altstadt mit in Brand setzen können – eine Gefahr, die auch beispielsweise beim Brand in der Rosenstraße oder der Postscheune zu bedenken war. „Ein furchtbares Funkensprühen verbreitete sich von Südwest nach Nordost über die Hälfte der Stadt, die glimmenden Kohlen auf die glücklicherweise mit Schnee bedeckten Dächer und Straßen niedersenkend“, hieß es damals in der Presse. Und weiter: „Jedoch durch das einheitlich aufopfernde Zusammenwirken unserer Spritzenmeister mit ihrer Bedienung war gegen 5 Uhr das Feuer so weit beherrscht, daß es die nahe stehenden Gebäude, in welchen große Massen Gummifabrikate lagerten, insbesondere das Kesselhaus und das Hauptgebäude, nicht mehr gefährden konnte.“

Mann stellte sich alleine gegen die Flammen

Besonders hervor tat sich in dieser Nacht aber ein Mann, der sich wortwörtlich allein gegen die Flammen stellte. Johannes Botzenhart aus Wien, seines Zeichens Goldarbeiter, griff sich einen auf dem Fabrikgelände liegenden Schlauch samt Feuerspritze und half so dabei, die Stadt vor Schlimmerem zu bewahren, denn: er „schützte den gegenüberliegenden Flügel vor sicherem Verderben, daß, im Falle derselbe von den Flammen ergriffen worden wäre, fortschreitend großes Unheil angerichtet haben würde.“ Mit anderen Worten: Sein beherzter Einsatz rettete die Stadt vor einer weiteren Ausbreitung des Feuers und bewahrte sogar einen Teil der Fabrikgebäude – und das alles ohne Feuerschutzausrüstung, wie wir sie heute kennen. „Seine Kleider waren versengt und er konnte sich nur dadurch auf seinem gefährlichen Posten halten, daß er von Zeit zu Zeit sich mit Wasser übergoß.“ Dank des Einsatzes von Botzenhart, aber natürlich auch der Mündener Feuerwehr konnte das Schlimmste verhindert werden. Ein Teil der Fabrikgebäude war zerstört und auch die damals noch existierende Synagoge wurde in Mitleidenschaft gezogen.

Die Firma Wetzell verlegte einen Teil ihrer Produktion später nach Moritzberg bei Hildesheim. Die Herstellung von chirurgischen Gummiwaren und Bällen verblieb in Münden, war aber bald nicht mehr lohnenswert genug. 1890 schloss Wetzell die Fabriktore in Münden endgültig. (Sarah Schnieder)

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