Konflikt geht weiter

Brücke soll befahrbar bleiben: Neubau am Hann. Mündener Campingplatz in fünf Jahren

Die Verkehrsschilder (Zeichen 262 und 263) zeigen die Maximalbelastungsgrenze der Brücke über die Fuldaschleuse in Hann. Münden an. Im Hintergrund ist die Einfahrt des Campingplatzes von Familie Busch zu sehen.
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Tonnenbegrenzung: Die Schilder an der Brücke über die Fuldaschleuse zeigen die Beschränkungen an. Diese sollen nun baulich durchgesetzt werden. Die Campingplatzbetreiber fürchten um ihre Existenz.

Einig sind sich alle: Die Brücke über die Fuldaschleuse in Hann. Münden muss ersetzt werden. Das soll in fünf Jahren passieren. Doch was passiert in der Zwischenzeit?

Hann. Münden – Für die Brücke über die Fuldaschleuse in Hann. Münden gilt seit Jahren eine Gewichtsbegrenzung von drei Tonnen. Das soll nun vom Wasserstraßen- und -Schifffahrtsamt (WSA) in Münden mit Betonelementen baulich durchgesetzt werden. Allerdings bildet die Brücke auch die Zufahrt zum Campingplatz der Familie Busch.

Hann. Münden: Brückenbegrenzung könnte Camper abschrecken

Sie fürchtet, dass diese Begrenzungen ihre Kundschaft abschrecken könnten. Eine Lösung ist erst in fünf Jahren zu erwarten: Dann soll eine neue Brücke installiert werden. Dass dieser Neubau gebraucht wird, darin sind sich alle Beteiligen einig. Die Stadt Münden, die das Grundstück an die Familie Busch verpachtet hat, setzt sich für einen Kompromiss ein: „Das WSA fürchtet, dass es zu Sprödbruch kommt“, heißt es von Bürgermeister Harald Weger. Ein solcher Bruch entstehe plötzlich und lasse sich nur schwer prognostizieren.

Campingplatz in Hann. Münden: Wichtig für Tourismus

Für die Stadt ist der Campingplatz ein wichtiger Baustein für den Tourismus in der Region. Dass eine Gefahr für die Stabilität der Brücke besteht, habe das WSA bei einer Routineüberprüfung festgestellt, berichtet Thomas Lippel, Fachbereichsleiter Wasserstraßen in Hann. Münden.

Dass das WSA durch ein Video, das im Internet kursierte, auf die Problematik aufmerksam wurde, konnte Lippel hingegen nicht bestätigen. „Wir müssen gewährleisten, dass die Brücke in der Zwischenzeit auch weiterhin befahrbar bleibt.“ Die Familie Busch hat nun Unterstützung vom Göttinger Bundestagsabgeordneten Fritz Güntzler (CDU) erhalten. Vor einiger Zeit besuchte er den Campingplatz am Tanzwerder zusammen mit Ratsfrau Angelika Deutsch, ebenfalls CDU.

CDU-Bundestagsabgeordneter setzt sich für Mündener Campingplatzbetreiber ein

Laut einer Mitteilung nahm er direkt im Anschluss Kontakt zum Bundesministerium für Verkehr in Berlin auf. Ein Neubau in fünf Jahren sei unumgänglich. „Ich werde mich nun dafür einsetzen, dass dieser Vorgang beschleunigt wird“, so wird der Bundestagsabgeordnete zitiert. Die Kommune müsse sich an den Kosten beteiligen. Dass eine Höhenbegrenzung, wie es Güntzler behauptet, nicht zulässig sei, das wollte Lippel nicht bestätigen. Eine Höhenbeschränkung werde noch geprüft, sagt er.

Die baulichen Änderungen, die das Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt (WSA) als Betreiber der Brücke über die Fuldaschleuse am Tanzwerder nun angedacht hat, sollen wie folgt aussehen: Betonstelzen links und rechts mit einer Querverbindung an der Brücke sollen angebracht werden. Damit soll die Durchfahrtshöhe auf 3,25 Meter begrenzt werden, sowie durch Betonsperren die Breite von 2,55 Meter auf 2,40 Meter. Dies bestätigte bereits im August Michael Rabbe, Sachbereichsleiter des WSA.

WSA: „Mit der Stadt Münden führen wir eine sehr gute Verwaltungszusammenarbeit“

Das Betreiberehepaar des Campingplatzes Busch fürchtet, dass viele Camper ihren Platz nicht mehr anfahren, da ihre Campingwagen die Brücke nicht mehr passieren können. Die Wagen seien in den letzten Jahren immer größer geworden, heißt es.

„Wir haben schon viele Anmeldungen für 2021“, berichtet Anne Busch. Diese stornieren die Campingplatzbetreiber nun nach und nach. „Das ist momentan die einfachste Lösung.“ Die Interessenten würden über die Gewichtsgrenzen der Brücke aufgeklärt und nach der Tonnage ihres Wohnmobiles gefragt, erklärt Anne Busch. Halten sie diese drei Tonnen ein, können sie erneut buchen.

Auch die Stadt Hann. Münden hat ein Interesse daran, dass die Brücke weitere fünf Jahre einsatzbereit bleibt, stellt der Campingplatz mit seinen etwa 30 000 Übernachtungen pro Jahr einen wichtigen Faktor für den Tourismus in der Stadt dar: „Mit der Stadt Münden führen wir eine sehr gute Verwaltungszusammenarbeit“, so Thomas Lippel.

Gespräche in Hann. Münden mit allen beteiligten

Laut Mündens Bürgermeister Harald Wegener habe es ein Gespräch mit allen Beteiligten in „angenehmer Atmosphäre“ gegeben. Zudem sei auch mit Dr. Ekkehard Fehling Kontakt aufgenommen worden. Er ist Vorsitzender des Yachtvereins, der ebenfalls auf der Insel angesiedelt ist. „Für unseren Verein ist die Brücke wichtig, da wir jedes Jahr unsere Boote von unserem Grundstück aus im Frühjahr zu Wasser lassen und im Herbst wieder an Land bringen müssen. Dazu müssen wir mit unseren Booten auf den entsprechenden Anhängern die Schleusenbrücke befahren können. Boote haben typische Breiten von bis zu 2,5 bis 2,6 m, selbst wenn sie unter 2 Tonnen wiegen. “, sagt er.

Vorsicht des WSA in Hann. Münden wird verstanden

Als Baustatiker und Prüfingenieur für Statik könne er allerdings die Vorsicht des WSA nachvollziehen. Man habe ihm Akten und Untersuchungsberichte zur Verfügung gestellt.

„Aufgrund der mir bisher bekannten Aktenlage kann ich Chancen erkennen, die für die nächsten circa fünf Jahre eine höhere Belastbarkeit der Schleusenbrücke ermöglichen könnten, sodass übliche Wohnmobile und Bootstrailer die Brücke weiterhin benutzen können.“ Dazu heißt es dagegen von Thomas Lippel vom WSA: „Auf Basis der vorhandenen Statik sehen wir dazu keine Möglichkeit.“

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