Unterschriften werden übergeben

Widerstand am Galgenberg: Bürgerinitiative ist gegen Bebauungsplan in Hann. Münden

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Armesündergasse: Irene Bopp-Urbaczka, Reinhard Müller und Joachim Urbaczka befürchten massive Veränderungen in ihrer Wohngegend.

Hann. Münden. Am Galgenberg in Hann. Münden formiert sich Widerstand. Anwohner wollen verhindern, dass die Stadt Hann. Münden den seit 1991 gültigen Bebauungsplan fortführt. 

Am Donnerstag, den 17. Januar, übergibt die neu gegründete Bürgerinitiative (BI) circa 60 Unterschriften an Bürgermeister Harald Wegener. Die Unterzeichner, Eigentümer beziehungsweise andere Betroffene wie Mieter, fordern die Stadt damit auf, das „Umlegungsvefahren nicht weiter zu betreiben und den Bebauungsplan nicht umzusetzen“. 

In einem Umlegungsverfahren, so BI-Sprecher Joachim Urbaczka, werde vermessen und eine Parzellierung der Flächen festgelegt. Ein Großteil der Grundstücksbesitzer, sagt der betroffene Hauseigentümer Lothar Serwaty, wolle Grund und Boden überhaupt nicht verkaufen. Somit stünden Enteignungsverfahren an.

In diesem Areal im Bereich um die Armesündergasse solle ein Projekt durchgedrückt werden, das von den anliegenden Eigentümern abgelehnt werde, erklärt die Bürgerinitiative. Es seien Anwohner betroffen, die ihr wirtschaftliches Umfeld so geordnet hätten, „um der öffentlichen Hand später nicht zur Last zu fallen“. Die Eigentümer befürchten hohe Erschließungskosten, die von ihnen getragen werden müssten – und das seien, so Joachim Urbaczka, bis zu 90 Prozent der Gesamtosten. „Ich rechne mit 40.000 bis 50.000 Euro“, meint Urbaczka. Lothar Serwaty: „Die Leute haben von alldem keinen Vorteil.“

Neue Brücke wäre Option

Die Erschließung nicht bebauter, potenzieller Bauflächen nehme Flächen weg. Eine neue Brücke über den Eselsbach, die den Vogelsang mit der Armesündergasse verbinden könnte, wäre eine bauliche Option. „Die zu bauende Straße würde ein intaktes, naturnahes Wohngebiet zersiedeln und naturnahen Boden auf großer Fläche versiegeln“, teilt die BI mit.

Joachim Urbaczka und die BI zweifeln auch die Rechtsgültigkeit an. „Der 30 Jahre alte Bebauungsplan entspricht nicht dem heutigen gesetzlichen Stand. Die Umsetzung des Bebauungsplans würde gegen geltendes Recht verstoßen.“

Die Bürgerinitiative Galgenberg erklärt weiter: Die Betroffenen seien empört, wie „hier eine Stadtverwaltung gegen Bürger vorgeht. Alternative Bebauungsflächen sind in Hann. Münden mehrfach verfügbar und werden nicht genutzt“.

Das sagt Siegfried Pflum, Leiter der Stadtplanung

Bebauungspläne haben keine begrenzte Lebensdauer. Das erklärt Siegfried Pflum, Leiter der Stadtplanung in Hann. Münden, auf Anfrage. Er verweist auf das bundesweit gültige Ansinnen, bei Baumaßnahmen die Konzentration auf die Innenentwicklung von Städten zu berücksichtigen, das heißt, bestehende Baulücken zu schließen. Es sei verständlich, dass die Betroffenen keine Veränderungen wollten. 

Es gehe auch hier, beim Galgenberg, Teilgebiet II, um die Abwägung zwischen individuellem und allgemeinem Interesse. Pflum verweist auf das Wohnraumversorgungskonzept des Landkreises Göttingen, das für die nächsten Jahre einen „erheblichen Bedarf von zusätzlichen Wohneinheiten“ prognostiziert. 

Pflum nennt eine Zahl von etwa 400 Wohneinheiten, die bis zum Jahr 2025 in Hann. Münden gebaut werden müssten, um der prognostizierten Nachfrage gerecht zu werden. Bei dem Areal im Bereich Galgenberg/Armesündergasse gehe es um ungefähr 25 neue Wohneinheiten. Für den Bau ist eine Erschließung mit Leitungen und Wegen erforderlich. Die Zeit dafür beträgt laut Pflum ungefähr drei bis fünf Jahre.

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