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Historischer Dampfer: In den 1970er-Jahren vor der Verschrottung gerettet

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Anfang der 1960er Jahre. Zum Saisonstart im Mai sind zahlreiche Gäste zum Weserstein erschienen. Die „Kaiser Wilhelm“ war bis 1965 ockerfarben gestrichen.
Anfang der 1960er Jahre. Zum Saisonstart im Mai sind zahlreiche Gäste zum Weserstein erschienen. Die „Kaiser Wilhelm“ war bis 1965 ockerfarben gestrichen. © Walter Sterner/Repro Stefan Schäfer, Stadtarchiv

Der Raddampfer ist „Kaiser Wilhelm“ wieder in Hann. Münden. Die ganze Stadt ist im Bann. Vor über 100 Jahren kurbelte das Schiff den Tourismus auf der Oberweser kräftig an. In den 1970er-Jahren wurde es vor der Schrottpresse gerettet.

Hann. Münden – Um das Jahr 1900 nahm die Fahrgastschifffahrt auf der Oberweser Fahrt auf. Mühlenbesitzer Friedrich Wilhelm Meyer, zugleich Senator in Hameln, betrieb schon seit 1883 den Raddampfer „Bismarck“.

Das romantische Mittelrheintal und die Elbe zwischen Meißen und dem Elbsandsteingebirge waren bereits durch den Schiffsverkehr touristisch erschlossen, bis das Weserbergland sprichwörtlich aus dem Dornröschenschlaf geweckt wurde. 1899 wurde der „Kaiser Wilhelm“ eigens für den Betrieb auf der Oberweser gebaut.

Hann. Münden: Um 1900 wurde die Oberweser zurm Tourimusziel

Die fünf Schwesterschiffe fuhren zunächst unter anderem Namen auf der Elbe, ehe sie auf der Oberweser ihren Dienst versahen. Auch in Münden ließ man sich von dem Thema touristische Dampfschifffahrt anstecken. 1898 wurde in Münden ein Verein zur Hebung des Fremdenverkehrs – später Verkehrsverein – gegründet. Fürsprecher war der Mündener Fabrikbesitzer Gustav Blume. Legendär war, dass er die anreisenden Gäste am Tanzwerder begrüßte und so der Stadt Ehre machte.

Der 1899 errichtete Weserstein und seine Tanzwerderspitze wurden am Kilometer „null“ Start- und Endpunkt der ab 1907 unter dem Namen Oberweser-Dampfschifffahrts-Gesellschaft verkehrenden Flotte. Ein jeweils zu Tal und zu Berg fahrendes Dampfschiff bot die Möglichkeit zu Tagesausflügen im Weserbergland. Die Zielgruppe war das Bürgertum, gerne auch Betuchte.

Ab 1909 wurde vom Verkehrsverein auch ein Fremdenblatt herausgegeben, das den Namen „Das Dampfboot“ trug. Hier wurde auch der 1855 in Gimte geborene Kapitän Kleemann als unumschränkter Herrscher des „Kaiser Wilhelm“ gelobt, der am 21. Mai 1900 als erster die „Kaiser Wilhelm“ auf der Weser führen durfte.

1910 wurde ein Umbau des Schiffes getätigt, es wurde um zehn Meter auf nunmehr 57,20 Meter verlängert. Nach dem Ersten Weltkrieg blühte die Personenschifffahrt auf. Teile des Rheins waren von den Franzosen besetzt. Da fuhr man lieber auf dem „urdeutschen Strom“. 1925 erfolgte mit dem „Lachs“ das erste dieselbetriebene Ausflugsschiff. „Kaiser Friedrich“ und „Graf Moltke“ gingen im Zweiten Weltkrieg an der Weichsel verloren. „Fürst Bismarck“ schied 1958 aus dem aktiven Dienst. 1967 erlebte der „Kronprinz Wilhelm“ seine letzte Fahrsaison.

1970 schlug das Ende für die Raddampfer

Das Jahr 1970 läutete das Ende der Raddampfer auf der Oberweser ein. „Ade-Kaiser Wilhelm“ titelten die Mündenschen Nachrichten zum Abschied von Münden am 20. September 1970. Statt in die Schrottpresse ging die Fahrt alsbald nach Lauenburg an die Elbe, und zwar durch den Mittellandkanal und durch die Deutsch-Deutsche Grenze an der Elbe. Dem Förderverein des Lauenburger Elbschifffahrtsmuseum wurde durch den Einsatz des Schifffahrtshistorikers Dr. Ernst Schmidt ermöglicht, diese Rettungstat umzusetzen.

Nicht ohne Weh und Aber zog der „Kaiser“ von dannen. Ein Restaurantschiff hätte er auf der Weser doch auch sein dürfen. Welch liebevolle Pflege es möglich macht, ein Schiff, dass 1899 entstanden ist, und einige Umbauten hat über sich ergehen lassen, allen Normen gerecht, heute noch betriebsbereit zu erhalten, kann man nur mit einem Wort umschreiben: Leidenschaft. Ehrenamtlich wird das Schiff betrieben und über 50 Jahre lang das Fachwissen an die nächste Generation vermittelt.

Fahrt auf dem Schiff lädt zum Träumen ein

Wer das platschende Geräusch der Schaufelräder hört, den Geräuschen der seit dem Jahre 1900 in Betrieb befindlichen Verbund-Dampfmaschine lauscht, die ab und an, von Schaufelgeräuschen des Heizers unterbrochen wird, der in der Stunde bis zu 150 Kilo Steinkohle in zwei Feuerbüchsen schaufelt, der wähnt sich in einer längst vergangenen Zeit.

Tief reichen die Wälder bis an den Fluss heran, hinter jeder Flussbiegung grüßen verträumte Ortschaften, ist von Straßenverkehr und Alltagshektik wenig zu spüren. Es sind die landschaftlichen Reize, die schon vor über 120 Jahren die Reisenden in den Bann zogen. Ob auf dem Schiff, oder an den Ufern. Staunen, Bewunderung, Winken. Allenthalben gezückte Handys, die gab es bei der letzten Begegnung im Jahre 1970 noch nicht. (Stefan Schäfer)

Ein Kapitän aus Hann. Münden wurde zum Helden und verhinderte, dass bei einer Katastrophe viele Menschen starben.

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