Mündener Ansichten

Hann. Münden: Das Lokführerheim Haus Weserland schloss 1981 seine Pforten

Die Ansichtskarte aus den 1930er Jahren von Sophus Buch zeigt das Hauptgebäude „Haus Weserland“ mit dem Park sowie „Haus Warstein“, ein stilechtes Barockgebäude, das der Mündener Architekt Wilhelm Schneidewind dem Ensemble hinzufügte.
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Die Ansichtskarte aus den 1930er Jahren von Sophus Buch zeigt das Hauptgebäude „Haus Weserland“ mit dem Park sowie „Haus Warstein“, ein stilechtes Barockgebäude, das der Mündener Architekt Wilhelm Schneidewind dem Ensemble hinzufügte.

Im dritten Teil der Serie zum „Haus Weserland“ geht es um den Verfall des einst ruhmreichen Lokomotivführerheims in Hann. Münden.

Hann. Münden - Die fünfziger, sechziger und siebziger Jahre bedeuteten einen ungebremsten wirtschaftlichen Aufschwung und damit neue und andere Möglichkeiten der Urlaubs- und Freizeitgestaltung. Die Deutsche Bundesbahn warb unter dem Motto: „Wir gewöhnen den Lokomotiven das Rauchen ab“ und setzte im Traktionswandel auf Elektrifizierung oder Diesellokomotiven. Die an den Kräften zehrende Arbeit an den alten Dampfrössern entfiel.

1960 erfolgte ein größerer Umbau beim Haus Weserland

Wer hatte damals noch Lust auf einen Erholungs- und Genesungsaufenthalt in Gemeinschaftszimmern sowie Etagentoiletten und Bädern in einer Zeit der ungeahnten Reisemöglichkeiten?

Noch 1960 erfolgte ein größerer Umbau. Ein größerer Tagungsraum wurde angebaut. Im Stil der Sechziger wurde saniert, was zwangsläufig zu einem wilden Stilmix im Inneren führte. Die Einrichtung sollte auch als Bildungsstätte dienen. Dem Publikum jenseits der „Lokführerfamilie“ stand das Haus für Urlaubszwecke nun offen. Die in einem gesonderten Gebäude untergebrachte Kegelbahn erfreute sich auch dem Zuspruch der Mündener.

Dem Eigentümer, der Gewerkschaft Deutscher Lokführer, war indes klar, dass es erheblicher Investitionen bedurfte, die Einrichtung den wachsenden Bedürfnissen anzupassen. Sie entschloss sich, statt eines Umbaus zum Verkauf des Areals.

Das Haus verfügte über 84 Gästebetten im Haupthaus und 21 Gästebetten im „Haus Warstein“, das als Erweiterungsbau unterhalb des Areals Ende der 1920er Jahre errichtet wurde.

Ab 1981 wechselte das Grundstück mehrfach den Eigentümer

Ein wirtschaftlicher Ganzjahresbetrieb war für eine Einrichtung dieser Dimension nicht darstellbar. So schloss das Haus Ende 1981 für die Gäste seine Pforten.

Ab 1981 wechselte das Grundstück mehrfach den Eigentümer. Schon 1981 wurde eine Bauvoranfrage an die Stadt unter dem Begriff „Seniortel“ gerichtet, einer Seniorenwohnanlage mit einem Hotelangebot. Diese und die folgenden Bauvoranfragen ähnlicher Prägung sahen einen kompletten Abriss der Gebäude vor. Doch dazu kam es nicht. Positiv gesprochen, entwickelte sich „Haus Weserland“ zu einem verwunschenen „lost Place“ und strahlte würdevoll das Alter vergangener Zeiten aus. Ohne Nutzung wurde der Verfall mehr und mehr sichtbar, auch und vor allem, weil das Haus von ungebetenen Besuchern mehr und mehr ausgeschlachtet und zerstört wurde. Dieses führte im Jahre 2006 zum Abriss der Gebäude, mit der Hoffnung, dass ein seinerzeit auftretender irischer Großinvestor seine Pläne verwirklichen werde. Der Baumbestand fiel für bessere Planungsmöglichkeiten für den Investor ein Jahr später.

Einzig das „Haus Warstein“, unterhalb des Grundstücks gelegen, ist als neobarockes Schmuckstück ein repräsentatives Zeugnis alten Glanzes.

Was bringt die Zukunft des Areals?

Zum „Haus Weserland“ gehört auch, dass sich Geschichte wiederholte. 1933 richteten die nationalsozialistisch „gleichgeschalteten“ Lokführer einen Schießstand neben der Kegelbahn ein. 1939 bis 1945 war es, wie im Ersten Weltkrieg, Lazarett. Auf dem Dach prangte ein Rotes Kreuz auf weißem Grund, um von Bomben verschont zu bleiben. In den letzten Tagen des Krieges, am 5. April 1945, ging in der Nähe deutsche Artillerie in Stellung, um nachfolgend die bei Bonaforth am linken Fuldaufer vorrückenden Amerikaner unter Beschuss zu nehmen. Die Erwiderung des Feuers führte zu keinem Treffer im Haus. Man nahm aber eine Katastrophe für das überbelegte Lazarett billigend in Kauf. Auch nach Kriegsschluss war es als Kreiskrankenhaus für die Gesundheitsversorgung unabdingbar.

Erst ab 1953 diente es wieder als Schulungs- und Erholungsstätte. Ein neues Krankenhaus in Neumünden, auf dem Gelände des vormaligen Militärlazaretts, übernahm alleinig die Funktion als Vereinskrankenhaus. Neben dem Hotel „Andreesberg“, das Hangrutschungen zum Opfer fiel, gehört der zweite touristische Magnet Mündens des 20. Jahrhunderts der Vergangenheit an. Was bringt die Zukunft? (Stefan Schäfer)

Erholungsheim und Lazarett

Und hier noch einmal die ersten beiden Teile über das Haus Weserland. Als Erholungsheim geplant und eröffnet, diente es im Ersten Weltkrieg als Lazarett.

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