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„Das ist ein Kahlschlag“: Demo gegen geplante Conti- Schließung

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Von: Niko Mönkemeyer

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Demonstrationszug vor dem Northeimer Conti-Werk
Vom Contiwerk aus zogen die Demonstranten durch die Innenstadt zum Northeimer Markt. © Hubert jelinek

In Northeim demonstrieren am Freitag 600 Continental-Beschäftige. Der Hintergrund: Stellen sollen abgebaut werden, es wird von „Kahlschlag“ gesprochen. Das Unternehmen will den Standort Hann. Münden schließen, auch in Northeim soll es Stellenabbau geben.

Northeim/Hann. Münden – Knapp 600 Beschäftigte von Continental haben am Freitag (15.07.2022) in der Northeimer Innenstadt gegen die geplante Schließung der Schlauchfertigung in Northeim und Hann. Münden demonstriert. Zu der Demonstration hatte die Industriegewerkschaft Bergbau-Chemie-Energie (IGBCE) alle Beschäftigten des Unternehmens in Südniedersachsen aufgerufen. Nachdem sich die Teilnehmer unter dem Motto „Conti: Jetzt gibt’s Contra“ vor dem Werkstor von Contitech in Northeim getroffen hatten, zog der Demonstrationszug durch die Northeimer Innenstadt zum Markt, wo die Abschlusskundgebung stattfand.

Northeim: Auch Mitarbeiter aus Hann. Münden demonstrieren

„Conti ist Northeim und Northeim ist Conti“, brachte Northeims Bürgermeister Simon Hartmann die Bedeutung des Unternehmens für die Kreisstadt auf den Punkt. Die Ankündigung des Mutterkonzerns, die Schlauchfertigung in Northeim einstellen zu wollen, sei ein schwerer Einschnitt für die Stadt. Er forderte das Management auf, die Schließungspläne aufzugeben. Sowohl Gewerkschaftssekretär Dr. Mathias Heiden als auch der Betriebsratsvorsitzende des Northeimer Conti-Werks, Ingo Henne, betonten, dass es bereits seit vielen Jahren eine Betriebsvereinbarung zur Standortsicherung in Northeim gebe, wonach sich die Belegschaft bereit erklärt habe, 2,5 Stunden pro Woche mehr zu arbeiten, um genau das zu verhindern, was jetzt eingetreten sei. Dass das Management ein halbes Jahr vor Auslaufen dieser Vereinbarung Stellen streichen wolle, sei nicht hinnehmbar, so Henne.

Aus Sicht von Heiden muss angesichts der angekündigten Schließungen die Betriebsvereinbarung zur 40-Stunden-Woche gekündigt werden. „Wir fühlen uns verarscht“, nahm er kein Blatt vor den Mund. Auch Marlene Seyfried vom DGB sagte den Mitarbeitern der Conti-Werke in Northeim und Hann. Münden Unterstützung zu. In der Corona-Krise Kurzarbeitergeld zu kassieren und jetzt 300 Stellen in Northeim und 350 Stellen in Hann. Münden zu streichen, sei nicht solidarisch.

Hann. Münden: Betriebsrat spricht von Kahlschlag

Uwe Joch, Vorsitzender des Betriebsrates von Contitech MGW in Hann. Münden, sprach angesichts von rund 50 Prozent Personalabbau und Werksschließung von einem „Kahlschlag“.

Um 13.15 Uhr startete gestern der Bus mit einer Gruppe von Mitarbeitern des Contitech-Werks in Hann. Münden zur Demo in Northeim, um gegen Personalabbau und die geplante Werksschließung zu demonstrieren. Die Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie (IGBCE) Bezirk Südniedersachsen hatte dazu aufgerufen.

Andere, so Uwe Joch, Betriebsratsvorsitzender der Contitech MGW GmbH, seien direkt zur Demo gefahren. Durch die geplanten Umstrukturierungen samt Werksschließung sollen im Werk Münden 320 Stellen wegfallen, so Joch. Derzeit seien in den beiden Standort, der Contitech MGW GmbH in Hann. Münden und Oedelsheim rund 750 Mitarbeiter beschäftigt.

Die Entscheidung vom 24. 06.2022, Joch spricht vom „Black Friday“, „hat uns alle schwer getroffen“, heißt es in seiner Rede für die Demonstration in Northeim. Dabei seien in Münden wie gefordert gute Perspektiven ausgearbeitet worden. Stattdessen komme die „bittere Botschaft“ von rund 50 Prozent Personalabbau und einer Werksschließung. „Das ist ein Kahlschlag“, sagt der Betriebsratsvorsitzende. Am Freitag, 24. Juni, hatte das Unternehmen Continental mehrere Umstrukturierungen für den Raum Südniedersachsen bis Ende 2025 bekannt gegeben.

Continental: Standort Oedelsheim soll gestärkt werden

Für Hann. Münden hatte das Unternehmen, wie berichtet, mitgeteilt, dass der Standort Hann. Münden von Contitech MGW aufgegeben werden soll und der bisherige Standortverbund mit Oedelsheim in Oedelsheim zusammengeführt werden soll. Ein „signifikanter Teil“ der Mündener Mitarbeiter sollte ein Angebot erhalten, künftig in Oedelsheim weiter zu arbeiten. Für die vom schrittweisen Arbeitsplatzabbau betroffenen Mitarbeiter soll es einen Rahmensozialplan und Weiterbildungsangebote geben. Nach Angaben von Joch soll die Produktion in Hann. Münden 2024 enden. Hann. Mündens Bürgermeister Tobias Dannenberg sagte in einer ersten Stellungnahme: „Das ist ein schwarzer Tag für unsere Stadt.“ Es sei sehr schade, „dass diese strategische Unternehmensentscheidung gegen den Standort Hann. Münden getroffen wurde“. (Niko Mönkemeyer/Ekkehard Maaß)

Hann. Münden war früher als „Gummistadt“ bekannt. Nun endet die lange Industriegeschichte.

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