Dreiflüssestadt seit der Renaissance bunt

Hann. Münden demonstriert friedlich für Demokratie und Toleranz

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Stiller Marsch für Demokratie und Toleranz in Hann. Münden.

Hann. Münden/Göttingen. Keine nennenswerten Vorkommnisse meldete die Polizei von den Demonstrationen in Göttingen und Adelebsen, und in Hann. Münden verlief der Protest absolut friedlich: In allen drei Orten waren am Samstag Menschen auf die Straße gegangen, um ein Gegengewicht zu Wahlveranstaltungen der NPD zu setzen.

Diese war in Göttingen auf dem Bahnhofsvorplatz, danach in Adelebsen, mit Kundgebungen an die Öffentlichkeit gegangen. Eine zunächst in Hann. Münden angemeldete NPD-Wahlveranstaltung war kurzfristig wieder abgesagt worden.

Dennoch versammelten sich In Hann. Münden am Samstagnachmittag gut 130 Menschen, um für ein „demokratisches, vielfältiges, tolerantes, freundschaftliches und buntes Hann. Münden“ zu demonstrieren, wie auf den Plakaten zu lesen war. Bürgermeister Harald Wegener hatte zu der Veranstaltung eingeladen. Auf dem Kirchplatz und an der Rotunde wandten sich die Redner entschieden gegen Extremismus, Hetze und Hass. Ängste ernst nehmen, aber aufeinander zugehen anstatt eine radikale Konfrontation aufzubauen, lautete der Tenor.

Hann. Münden sei schon in der Renaissance bunt gewesen, so Bürgermeister Wegener. Die Stadt sei durch Zuwanderung gewachsen, seit Generationen.

Die Städtepartnerschaften mit ihrer gelebten Völkerverständigung nannte Ronald Schminke, SPD-Landtagsabgeordneter, den richtigen Weg. Die rechten Stimmenfänger gingen gezielt auf jene zu, die vermeintlich die Verlierer in dieser Gesellschaft seien. Diese müsse man zurückgewinnen und die Spaltung der Gesellschaft in Verlierer und Gewinner verhindern.

Für die drei Geschichtsvereine in Hann. Münden sprach Stefan Schäfer. Die Situation heute sei eine ganz andere als 1933, sagte er: Damals herrschten Hunger und Perspektivlosigkeit, wovon das heutige Deutschland weit entfernt ist. Dennoch stiegen auch heute immer wieder Menschen aus dem System aus. Flucht und Vertreibung schafften Probleme, aber mit Hysterie und Angst „spielen wir nur den Fanatikern von links und rechts in die Hände“. Die Geschichte dürfe sich nicht wiederholen, die Gewaltherrschaft der NSDAP in Hann. Münden habe ganz klein im Bierkeller angefangen, „wehret den Anfängen!“

Hans-Georg Schwedhelm, Die Grünen, empfahl den Mündenern, wie Duderstadt, Dranseld und Adelebsen ein Bündnis gegen Rechts zu gründen, in dem man sich vernetzen kann.

Superintendent Thomas Henning warnte davor, die Neonazis zu ignorieren, denn das könnte als ein Zeichen aufgefasst werden, dass man deren Treffen toleriere. Flüchtlinge brauchten Schutz. Trotz der jüngsten Anschläge in Europa dürfe man einen Generalverdacht gegenüber allen Asylbewerbern nicht zulassen. „Wir stehen vor besonderen Aufgaben, die noch viele Ideen und Geduld benötigen“, sagte Henning und rief dazu auf, sich dabei zu engagieren. Nicht ausweichen, sondern darüber reden, wie es weitergehen soll, lautet seine Devise, dabei nicht über die Geflüchteten sprechen, sondern mit ihnen. (tns)

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