Die bewegte Geschichte des Welfenschlosses

Hann. Münden Die bewegte Geschichte des Welfenschlosses

Das Welfenschloss Hann. Münden im Frühjahr 1972, aufgenommen von Charlotte Stegemann.
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Das Welfenschloss Hann. Münden im Frühjahr 1972, aufgenommen von Charlotte Stegemann.

Ein Denkmal in Hann. Münden mit bewegter Geschichte: das Welfenschloss. In unserer Reihe „Mündener Ansichten“ wenden wir uns heute dem Bauwerk.

Hann. Münden – Kühl und leer wirkt der obere Schlossplatz, grau dahinter das Welfenschloss – und das nicht nur auf dem Schwarz-Weiß-Foto. Seiner renaissance-zeitlichen Balkone beraubt, erinnert es eher an einen Kasernenbau, als an eine herzogliche Residenz. Aktuell beschäftigt sich eine Arbeitsgruppe mit der Weiterentwicklung der kulturellen Angebote im Schloss. Anlass, einen Blick auf seine Geschichte zu werfen.

Ab 1741 bis etwa 1763 herrschte dort Kasernenhofston

Ab 1741 bis etwa 1763 herrschte dort Kasernenhofston, zunächst der kurhannoverschen Soldaten und dann der französischen Besatzung im Zuge der wechselseitigen Eroberungen des Siebenjährigen Krieges. Wer das Portal durchschreitet und die Treppen emporsteigt, geht nicht auf fürstlichen Spuren. Denn 1881 wurde es für die Wiederaufnahme des Hochschulbetriebes in dem zu einem Lagerhaus abgewirtschafteten Werraflügel errichtet. Bereits 1861 zog das Amtsgericht in den Ostflügel ein und kann mithin auf 160 Jahre staatliche Rechtspflege in Münden zurückblicken.

Das Welfenschloss in Hann. Münden an der Werra.

Vor knapp fünfzig Jahren kehrte die Forstliche Fakultät der Universität Göttingen nach über einem Jahrhundert der Stadt den Rücken. Katasteramt und die staatliche Hochbauverwaltung verließen Münden. Dafür zog eine Außenstelle des Finanzamtes Göttingen 1975 in das Schloss ein. Das Landesamt für Denkmalpflege ließ ab 1972 durch den Restaurator Helmut Reichwald Farbuntersuchungen durchführen. Und so stellte er einen „leuchtend rosé terracottafarbenen Anstrich“ her. In weiten Teilen des Werraflügels herrschte gähnende Leere. Zwar beherbergte er seit 1898 das „Eberlein- und Alterthümermuseum“ der Stadt. Hingehen brauchte das durch mehrfache Umzüge hin- und hergerissene Archiv, mühevoll von Joseph Hofer zusammengehalten sowie die Bücherei eine neue Heimstätte. Im Januar 1973 wurde die Idee zu einem „Kulturellen Zentrum Welfenschloss“ der Öffentlichkeit präsentiert. Aus einer Idee musste zunächst eine tragfähige Zusammenarbeit zwischen der Liegenschaftsverwaltung des Landes und der Stadt geschaffen werden.

Schloss war spektakuläre Baustelle

Man tat gut daran, das Mammutprojekt in Bauabschnitte einzuteilen. Geschossdecken aus der Zeit des Lagerhauses, ebenso der kleinteilige Ausbau der vorhergehenden Hochschulnutzung wurden abgebrochen. Von 1981 bis 1987 war das Schloss zeitweise eine spektakuläre Baustelle: es wurde entkernt, neue Stahlbetondecken und ein Fahrstuhlschacht eingebaut.

Das Modell des Welfenschlosses im Museum der Stadt Hann. Münden. Es zeigt den Bauzustand im 16. Jahrhundert mit den Arkadenlaufgängen.

Schon am 1. April 1983 konnte die Bücherei an jetziger Stelle eröffnet werden. Im Oktober 1985 erfolgte die Wiedereröffnung des Stadtarchivs. Im Februar 1987 staunte die Öffentlichkeit nicht schlecht, als der 394 Quadratmeter große Rittersaal vollendet wurde. Nach Jahrhunderten wurde hier die hervorragende Baukunst des Wiederaufbaus des 1560 niedergebrannten Schlosses erneut sichtbar.

Fünf Jahrzehnte sind seitdem vergangen. Das Prinzip der Erhaltung durch Nutzung wurde hier konsequent umgesetzt. Es ist an der Zeit, die Schätze unserer Stadt wachzuküssen. Eine kleine Arbeitsgruppe wagt es schon mal zu träumen und schärft den Bohrer für dicke Bretter. (Stefan Schäfer)

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