Trockenheit und Käferbefall setzen dem Stadtwald zu

Dramatische Nachricht für den Hann. Mündener Stadtwald: Der Fichtenbestand ist tot - FFF-Ortsgruppe demonstriert

Kahlschlag im Schlierbach Borkenkäfer 
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Die Fichten sind dieses Jahr schwer gebeutelt. Auch im Stadtwald in Hann. Münden sind die Bäume gefährdet, viele sind bereits tot. (Symbolbild)

Der Stadtwald in Hann. Münden leidet. Viele Fichten sind bereits tot. Der Stadt aber fehlt Geld. Fridays for Future demonstrierte gegen das Waldsterben.

Die Dürre der vergangenen Jahre in Verbindung mit einer massiven Ausbreitung des Borkenkäfers hat dem Stadtwald in Hann. Münden massiv zugesetzt. Das veranschaulichte die Leiterin des Betriebs Stadtwald, Susanne Gohde, in ihrem Bericht vor dem Umweltausschuss über das Wirtschaftsjahr 2019.

Stadtwald Hann. Münden: Trockenheit und Borkenkäfer

Mehrere Frühjahrsstürme und eine Massenvermehrung des Borkenkäfers hätten dazu geführt, dass 20 000 Festmeter Fichte umgefallen seien. Nahezu der komplette Fichtenbestand sei tot. Die extreme Trockenheit der vergangenen Jahre habe aber sogar den sonst weniger betroffenen Buchen zugesetzt: Entlang der Bundesstraße zwischen Staufenberg und Hann. Münden seien auch viele ältere Buchen umgefallen. „Das ist verwunderlich“, sagte Gohde. Zwar habe man die angefallenen, großen Holzmengen noch zum größten Teil verkaufen können, die Schere zwischen dem Aufwand und den Einnahmen steige jedoch.

Hann. Münden: Topf für die Aufforstung des Stadtwaldes ist leer

Die Hälfte der kahlen Flächen sei wieder aufgeforstet worden: 2018 seien 25 Hektar, im Jahr darauf nochmals 125 Hektar und im laufenden Jahr 25 Hektar Wald gepflanzt worden, so Gohde. Zudem habe der Betrieb Stadtwald acht Waldwege instand gesetzt und unter anderem am Hainbuchenbrunnen neue Sitzbänke aufgestellt. Unterm Strich habe der Betrieb vor Abschreibungen und Aufwendungen 982 000 Euro Gewinn erwirtschaftet, im Finanzhaushalt sei aber ein Minus von 500 000 Euro ausgewiesen. Grund dafür seien Rückstellungen. 40 bis 60 Prozent der Aufforstungen seien durch Fördermittel erfolgt, allerdings hätten 2019 keine Rücklagen für weitere Aufforstungen gebildet werden können.

Susanne Gohde, Leiterin des Betriebs Stadtwald. (Archivbild)

Für 2021 sei damit der Topf leer. „Dann können wir nichts machen“, so Gohde. Angesichts von 1000 Hektar Freiflächen sei das keine gute Nachricht. Um das Thema Wiederaufforstung ging es bei einem Termin von Bürgermeister Wegener mit Landwirtschaftsministerin Barbara Otte-Künast. Laut Stadt hat der Betrieb Stadtwald niedersachsenweit die meisten Fördermittel aus dem Fördertopf für die Wiederaufforstung beantragt.

Waldsterben in Hann. Münden: Kundgebung von Fridays for Future

Mit rund 30 Teilnehmern zog die Fridays for Future-Ortsgruppe Hann. Münden am Freitag (19.06.2020) vom Kirchplatz aus durch die Mündener Innenstadt. Dabei widmete sie sich dem Thema Waldsterben und trug dieses mithilfe toter Bäume und Äste „wortwörtlich in die Stadt“, berichtet die Veranstalterin Sara Drubel von der Demonstration.

Nach der Sitzung des Umweltausschusses am Dienstag (16.06.2020) und der Aufschiebung der Besprechung von Klimaschutzmaßnahmen appelliert Fridays vor Future an Mündener Politiker nicht länger mit dem Handeln zu warten. Die Demonstranten zogen mit ihren bekannten Appellen und Sprechchören wie „Wir sind hier, wir sind laut, weil ihr uns die Zukunft klaut!“ und Klimagerechtigkeit Jetzt!“ durch die Stadt.
In Hann. Münden seien bis Ende des Jahres 2019 mehrere hundert Hektar des Waldes an Hitze, Trockenheit und der sich rasant wachsenden Borkenkäferpopulation gestorben, sagte Drubel zu Beginn der Demonstration.

Die Ortsgruppe Hann. Münden von Fridays for Future demonstrierte in Hann. Münden gegen das Waldsterben und gegen die, in ihren Augen, verfehlte Umweltpolitik.

Dass diese auch lokal präsente Auswirkung des Klimawandels den Menschen Sorge bereiten sollte, habe auch der pensionierte Förster Klaus Kornau gesagt: „Letztendlich leiden die Menschen am meisten unter dem Waldsterben und dem Verlust von Ressourcen, Kohlendioxidspeichern und Sauerstoffquellen. Das bestehende Ökosystem Wald kann dem Klimawandel nicht standhalten, jedoch werden sich eines Tages neue Baumarten ansiedeln.“ Er habe auch betont an dieser Stelle auch, dass es wichtig sei, von einer Klimakrise, nicht dem Klimawandel, zu sprechen.

Ehemaliger Förster in Hann. Münden: Klimakreise schon länger bekannt

Wie lange die Klimakrise einige Bürger der Stadt schon bewusst begleitet, habe der pensionierte Förster Helmuth Freist verdeutlicht. Bereits in seiner Schulzeit vor 70 Jahren habe sein Geografielehrer vor der Verbrennung fossiler Energien gewarnt, seit 1965 habe er regelmäßig heftige Orkanschäden in den Wäldern erlebt. Die Ortsgruppe plant für den Sommer weitere Aktionen mit lokalen Schwerpunkten, beispielsweise Insektensterben und Verkehrswende, heißt es in der Mitteilung. Die lokalen Auswirkungen der Klimakrise und mögliche Lösungswege lägen ihnen am Herzen, es bestünden viele ungenützte Kapazitäten für die die Ortsgruppe sensibilisieren wolle.

Fördermittelobergrenze ist erreicht

Die aktuelle Förderrichtlinie für Wiederaufforstungen des Landes setzt laut Stadt Hann. Münden eine Obergrenze an Fördermitteln in Höhe von 200 000 Euro fest. Diese Grenze sei jedoch im Stadtwald bereits im Frühjahr 2020 erreicht worden. Eine zusätzliche Stellung von Förderanträgen sei daher zum jetzigen Zeitpunkt nicht möglich. Landwirtschaftsministerin Barbara Otte-Kinast habe jedoch zugesichert, dass die Grenze im Sommer fallen solle, so die Stadt. 

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