1. Startseite
  2. Lokales
  3. Hann. Münden
  4. Hann. Münden

„Nie wieder Krieg“: Volkstrauertag im Altkreis Münden

Erstellt:

Von: Jens Döll, Kim Henneking, Per Schröter, Harald Schmidt

Kommentare

In Bühren legte Gemeindebürgermeister Christoph Witzke (Mitte) zusammen mit Darius Bührmann (rechts) und Timo Seeschaaf einen Kranz am Mahnmal nieder.
In Bühren legte Gemeindebürgermeister Christoph Witzke (Mitte) zusammen mit Darius Bührmann (rechts) und Timo Seeschaaf einen Kranz am Mahnmal nieder. © Per Schröter

Gedenkveranstaltungen im Altkreis Münden zum Volkstrauertag. In vielen Dörfern wurde Gottesdienste abgehalten und Kränze niedergelegt.

Altkreis Münden – In den Gemeinden des Altkreises Münden wurde am Sonntag (13.11.2022) der Volkstrauertag begangen. Dabei wurde den Toten aller Kriege und Opfern von Gewalt gedacht.

Der Volkstrauertag entwickelte sich in den 1920er-Jahren in Gedenken an die toten Soldaten des Ersten Weltkrieges in der Weimarer Republik. Das Gedenken wurde allerdings in revanchistische Tendenzen gelenkt. Die Nationalsozialisten instrumentalisierten die Trauer als „Heldengedenktag“. In den 1950er-Jahren entwickelte sich der Volkstrauertag zum Gedenktag an alle Opfer von Krieg und Gewalt.

Wir haben stellvertretend für alle Veranstaltungen drei im Altkreis Münden besucht.

Samtgemeinde Dransfeld: Bühren

Am Ehrenmal vor der Bührener Kirche erinnerte Gemeindebürgermeister Christoph Witzke an die Opfer der beiden Weltkriege. Dass diese Erinnerung so wichtig ist und über Generationen hinaus weitergetragen werden müsse, sei in diesem Jahr durch die Invasion von Putins Streitkräften in der Ukraine einmal mehr bewusst geworden.

„Es hat sich gezeigt, wie schmal der Grat zwischen Krieg und Frieden ist und wie notwendig es ist, tägliche Anstrengungen zu unternehmen, Zusammenhänge in unserer globalisierten Welt zu verstehen und sich für den Frieden einzusetzen“, betonte Witzke, bevor er zusammen mit seinen Ratskollegen Darius Bührmann und Timo Seeschaaf am Mahnmal einen Kranz niederlegte.

Gemeinde Staufenberg: Speele

Stefan Drönner und Brandmeister Ralf Kunze legten zum Volkstrauertag am Ehrenmal in Speele einen Kranz nieder.
Stefan Drönner und Brandmeister Ralf Kunze legten zum Volkstrauertag am Ehrenmal in Speele einen Kranz nieder. © Harald Schmidt

Pastor Frank Meier und stellvertretender Ortsbürger Frank Sittig sprachen in der Friedenskirche Speele während des Gottesdienstes anlässlich des Volkstrauertages über die Bedeutung des Gedenktages heute.

In seiner Begrüßung erinnerte Pastor Meier daran, dass es nach dem Zweiten Weltkrieg vor 77 Jahren „Nie wieder Krieg“ hieß und dass doch immer wieder erneute Kriegsereignisse in der Welt und jetzt erneut in der Ukraine für Zerstörung und großes Leid sorgen. Er fragte, was die Menschen daraus lernen. Es ist die Hoffnung, dass es nicht unendlich so weitergeht. Frank Sittig bezog sich auf die Rede zum ersten Volkstrauertag vor 100 Jahren, dass die für den Krieg Verantwortlichen in die Schützengräben gehen sollten. Sittig stellte fest, dass sich aber nichts seitdem geändert hat. Verantwortliche für Kriege werden nur selten zur Rechenschaft gezogen. Im Anschluss an den Gottesdienst fand an der Friedhofshalle die feierliche Kranzniederlegung im Beisein der Feuerwehr statt.

Hann. Münden: Kranzniederlegung an der Rotunde

An drei Orten in der Stadt Hann. Münden sind am Sonntag Kränze anlässlich des Volkstrauertags niedergelegt worden. Etwa 25 Mündener haben an der Gedenkstunde für Opfer von Gewalt und Krieg aller Nationen teilgenommen.

Zentrale Feierstunde in Hann. Münden: An der Rotunde in der Altstadt hielt Bürgermeister Tobias Dannenberg und Ratsfrau Angelika Deutsch ihre Ansprachen.
Zentrale Feierstunde in Hann. Münden: An der Rotunde in der Altstadt hielt Bürgermeister Tobias Dannenberg und Ratsfrau Angelika Deutsch ihre Ansprachen. © Kim Henneking

Vertreter der Stadt Hann. Münden, des Ortsverbands Hann. Münden des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge, der Kameradschaft Deutscher Pioniere Hann. Münden und des Sozialverband Vdk Hann. Münden legten am Ehrenmal in der Rotunde, am Mahnmal der Opfer nationalsozialistischer Gewaltherrschaft an der Rotunde sowie am Pionier-Ehrenmal an der Pionierbrücke Kränze nieder. Zuvor gab es einen ökumenischen Friedensgottesdienst in der St. Blasius-Kirche mit Beteiligung der katholischen, lutherischen und reformierten Gemeinden. Der Bläserkreis der Stadtkirchengemeinde begleitete das Gedenken musikalisch. „Seit nunmehr einem Jahrhundert begehen wir den Volkstrauertag. Er ist ein Tag der Trauer, aber auch ein Tag des Appells auf Versöhnung, Verständigung und Frieden“, sagte Bürgermeister Tobias Dannenberg. Er legte gemeinsam mit seiner Stellvertreterin Angelika Deutsch einen Kranz nieder.

Stadtarchivar Stefan Schäfer zeigte am Mahnmal neben der Rotunde ein Foto vom 11. März 1945. An diesem „Heldengedenktag“ waren die letzten wehrfähigen Männer aus Hann. Münden eingezogen worden, um als letztes Aufgebot im Zweiten Weltkrieg zu kämpfen. Viele dieser späten Zwangsrekrutierten seien gestorben, berichtete Schäfer.

Er verwies auf die 300 000 Männern, die nun in Russland für den Krieg in der Ukraine rekrutiert wurden. „Es sind mutige Handlungen, sich nicht als Handlanger einer Kriegsmaschinerie zu machen“, sagte Schäfer. Dieser Mut werde oft mit dem Tod bestraft, wie auch zur NS-Zeit in Deutschland. (Jens Döll/Per Schröter/Harald Schmidt/Kim Henneking)

Gedenken im Wandel der Zeit

Der Volkstrauertag entstand im Nachgang des Ersten Weltkrieges. 1919 wurde der Volksbund Deutscher Kriegsgräberfürsorge gegründet, unter anderem mit dem Ziel, einen zentralen Gedenktag für die toten deutschen Soldaten einzurichten. Der Volkstrauertag wurde erstmals am 1. März 1925 begangen. Ab 1926 wurde er regelmäßig zelebriert, damals noch vor Ostern. Es waren Symbole wie Kreuze und Flaggen vorherrschend, auch Kränze wurden niedergelegt. „Der Kranz steht für die Krone, zudem für Sieg und Ehre“, sagte die Düsseldorfer Historikerin Dr. Susanne Brandt in einem Interview mit unserer Zeitung vergangenes Jahr. Ab 1934 instrumentalisierten die Nationalsozialisten diesen Tag als „Heldengedenktag“. „Sie nutzen die Kriegstoten für ihre Propaganda“, so Brandt. Nach den schrecklichen Erlebnissen des Zweiten Weltkrieges begann ein Umdenken in der Erinnerungskultur. Ab den 1950er Jahren findet der Tag am Ende des Kirchenjahres, im November, statt. Neben den toten Soldaten wird heute auch den Opfern von Krieg und Gewalt und den Vertriebenen sowie den Opfern der NS-Terrorherrschaft gedacht.

Auch interessant

Kommentare