170. Geburtstag

Hann. Münden und Eberlein: Stadt ehrt ihren berühmten Sohn

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Der Künstler in seinem Berliner Atelier: Dieses Foto von Gustav Eberlein wird großformatig auch in der Sonderausstellung im Mündener Stadtmuseum zu sehen sein.

Hann. Münden / Spiekershausen. Mit einer großen Sonderausstellung zum 170. Geburtstag ehrt Hann. Münden im Sommer einen großen Sohn der Stadt: Gustav Heinrich Eberlein.

„Neu entdecken. Gustav Eberlein (1847-1926). Bildhauer, Maler und Poet“, lautet der Titel.

Um 1900 gehörte er zu den meist beschäftigten Bildhauern in Deutschland, hatte neben seinen Ateliers in Berlin und Hann. Münden zeitweise Werkstätten in Rom, New York, Buenos Aires und Santiago de Chile. Mit dem Ende des Kaiserreiches verblasste jedoch auch die Kunst der Gründerjahre und des Neubarock, Eberleins Stern ging unter.

In der Ausstellung, die an seinem Geburtstag am 14. Juli eröffnet wird, „soll Eberlein zu voller Geltung kommen“, so Museumsleiterin Martina Krug. Geplant ist die Schau auf etwa 80 Quadratmetern. Bis zum 4. Oktober soll sie zu sehen sein.

Konzipiert wird die Präsentation zusammen mit dem Verein Gustav-Eberlein-Forschung, der sich im Jahr 1982 in Hann. Münden gegründet hat mit dem Ziel, das Werk Eberleins zu bewahren.

180 Skulpturen im Museum

Über 180 Eberlein-Skulpturen befinden sich im Besitz des Museums. Die meisten sind Gipsoriginale, die der Künstler selbst seiner Heimatstadt vermacht hat. Nach ihnen hat er Skulpturen aus Bronze und Marmor gestaltet. Hinzu kommen einige Ölbilder und Erstausgaben mit Gedichten des Künstlers.

Der Dornauszieher: 1880 schuf Eberlein dieses Gipsoriginal, das im Mündener Museum zu sehen ist. 1886 entstand danach eine Marmorskulptur, die in der Alten Nationalgalerie in Berlin steht.

Einer der Stars der Ausstellung wird der Dornauszieher sein, mit dem Eberlein 1880 in Berlin den Durchbruch als Bildhauer schaffte. Die nach diesem Modell 1886 von Eberlein geschaffene Skulptur aus Carara-Marmor steht heute in der Alten Nationalgalerie in Berlin. Für die Ausstellung nach Münden geholt werden soll auch eine Büste von Landgraf Philipp von Hessen (1505 bis 1567), eine Dauerleihgabe des Museums an das Stadtmuseum Kassel.

Seine Standbilder und Denkmäler stehen in der Region ebenso wie in Rom, Buenos Aires, Santiago de Chile, Hamburg und Berlin. Gustav Heinrich Eberlein war um 1900 ein Star unter den Bildhauern. Zugleich musste der Mündener Künstler aber auch erleben, wie sein Ruhm verblasste. Als Eberlein am 5. Februar 1926 in Berlin starb, hatte sich die Kunstwelt von ihm abgewandt.

Auftraggeber Kaiser Wilhelm II.

Auf dem Höhepunkt seiner Karriere aber zählt auch Kaiser Wilhelm II. zu seinen Auftraggebern. Der Herrscher war sogar Gast in dessen Berliner Atelier.

Einen Karriereknick erfährt Eberlein 1900. Aus der Großen Berliner Kunstausstellung werden 16 seiner Werke entfernt. Seine naturalistische Darstellung des Menschen passt nicht zu der öffentlichen Kunst.

Aber nicht nur durch seine künstlerische Arbeit eckt er an. Sein Einsatz für Abrüstung und Aussöhnung der Völker passt nicht in das imperialistische Deutschland. Die öffentlichen Aufträge bleiben aus.

Erfolge hat er noch einmal in Nord- und Südamerika, das er zwischen 1908 und 1913 besucht. In Argentinien erhält er den Auftrag für das Nationaldenkmal in Buenos Aires.

Am 5. Februar 1926 stirbt Eberlein „verbittert und im Gefühl, verkannt worden zu sein“, schreibt Rolf Grimm, langjähriger Vorsitzender des Vereins Gustav-Eberlein-Forschung. Hinzu kam, dass er sein Vermögen durch die Inflation verloren hatte.

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Auf www.gustav-eberlein.org gibt es mehr Informationen zum Künstler.

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