Stadt soll neue Heimat werden

Ehemalige Urlauber renovieren Haus in Hann. Münden: "Kleinod der Zukunft"

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Spontaner Einsatz: Anne Pollak-Boick schreibt ihre Bachelor-Arbeit über leer stehende Fachwerkhäuser. Sie half spontan bei Lehmarbeiten in Adalbert Leuners Haus.

Hann. Münden. Früher machten Adalbert Leuner und Hildegard Hermann in Hann. Münden Urlaub. Heute renoviert das Ehepaar aus Unterfranken ein Fachwerkhaus in der Tanzwerderstraße. 

Sie möchten Hann. Münden zu ihrem neuen Zuhause machen und appellieren an andere, es ihnen gleich zu tun.

100 Jahre alte Tapete: Adalbert Leuner stößt bei Renovierungsarbeiten immer wieder auf verborgene Schätze.

„Hann. Münden ist ein schöner, lebenswerter Ort. Man hat alles, was man braucht“, sagt Adalbert Leuner. Er könne nicht verstehen, warum nicht mehr Menschen Renovierungsprojekte in der Innenstadt angingen. „Hann. Münden ist das Kleinod der Zukunft. Man muss nur ein bisschen investieren.“

Der Pensionär baut ganztägig an seinem Fachwerkhaus. Dabei stehen ihm Denkmalaktivist Bernd Demandt und sein fachwerkerfahrener Nachbar Hans-Jürgen Sperling zur Seite. „Das Haus ist in einem guten Zustand“, sagt Leuner. Er habe es zu einem günstigen Preis kaufen können. Momentan sei eine gute Gelegenheit, um Fachwerkhäuser zu erstehen, bestätigt Nachbar Sperling.

Hans-Jürgen Sperling renoviert bereits seit vier Jahren sein Fachwerkhaus, Zimmer für Zimmer. „Ich freue mich jeden Tag aufs Neue, hier zu wohnen. Ich lebe in Grimms Märchen“, sagt der 1986 nach Hann. Münden Zugezogene. Aber ein Fachwerkhaus zu renovieren, dürfe man nicht auf die leichte Schulter nehmen. „Nach der Arbeit ein paar Stunden renovieren, das funktioniert nicht“, sagt der Rentner. Er arbeitet täglich fünf bis neun Stunden an seinem Haus. Bisher hat er Strom-, Gas- und Wasserleitungen gelegt, sowie Heizungs- und Sanitäranlagen eingebaut. Momentan baut er neue Fenster.

Fensterarbeit steht zur Zeit auch bei Adalbert Leuner auf dem Programm. Aus Brandschutzgründen muss er die Fenster zum Nachbarhaus schließen. „Viele Öffnungen in den Häusern wurden illegal eingebaut“, erklärt Bernd Demandt. Als Werkstoff für die Maurerarbeiten empfehle sich Lehm. „Vor 20 Jahren hat man sich über das Material keine Gedanken gemacht.“ Ytong-Steine und Zement seien oft zum Einsatz gekommen. Diese Materialien setzten jedoch Kondenswasser ab, was die Holzbalken der Gebäude angreife. „Lehm nimmt das Wasser auf und gibt es an die Raumluft ab“, sagt Demandt. Der Werkstoff sei auch ursprünglich in Fachwerkhäusern genutzt worden.

„Die Stadt ist sehr kooperativ, ich hatte keine Probleme mit dem Denkmalschutz“, sagt Adalbert Leuner. Besonders über die Hilfe des fachkundigen Bernd Demandt freue er sich. „Mit einem Fachwerkhaus kauft man ein Stück Individualität, ein Haus mit Charakter. Häuser heute halten sicher keine 400 bis 500 Jahre.“

Für Denkmalaktivist Bernd Demandt ist klar, in Hann Münden passiert eine Menge. „Die Stadt ist nicht leer, das stimmt nicht.“ Allein in drei Häusern an der Straße „Hinter der Stadtmauer“ finden momentan Renovierungsarbeiten statt.

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