Archäologie

Ein Streifzug durch die Geschichte Hann. Mündens

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Blick in die Vergangenheit: Tobias Uhlig (rechts) hat gemeinsam mit Stadtarchivar Stefan Schäfer (Mitte) einen archäologischen Stadtspaziergang unternommen. Ein Stopp an der Wanfrieder Schlagd gehörte auch dazu.

Viele Fundstücke haben sich bei verschiedenen Ausgrabungen in Hann. Münden angesammelt. Wir haben die Archäologen bei einem Rundgang begleitet. 

Sie sind magaziniert und inventarisiert, doch was fehlt, ist die grundlegende wissenschaftliche Aufarbeitung, beklagte Tobias Uhlig. Der gerade mal erst 27 Jahre alte Göttinger Archäologe, der zurzeit an seiner Promotion arbeitet, war in den vergangenen Jahren regelmäßig in Hann. Münden aktiv.

Uhlig hatte gemeinsam mit Stadtarchivar Stefan Schäfer einen archäologischen Stadtspaziergang unternommen, zu dem er im Namen der Arbeitsgemeinschaft für südniedersächsische Heimatforschung eingeladen hatte.

Streifzug durch die Geschichte der Drei-Flüsse-Stadt

Rund 20 Interessierte waren der Einladung gefolgt, die sich zu einem hochinteressanten Streifzug durch die abwechslungsreiche Geschichte der Drei-Flüsse-Stadt entwickelte.

Zu den meisten Ausgrabungen kam es in Hann. Münden durch Baumaßnahmen, so wie jetzt an der Wanfrieder Schlagd. Eine gute Gelegenheit, um festzustellen, wie diese Anlegestelle für Flussschiffe und Umschlagplätze für Waren nach und nach ausgebaut wurden. Für die jüngere Vergangenheit ist die Datenlage im Großen und Ganzen gut, große Lücken gibt es aber aus den Anfangszeiten.

Urkundlich wird Hann. Münden erstmals 1183 erwähnt. Die Stadt wurde planmäßig angelegt, obwohl der Baugrund in dem Mündungsdreieck von Werra und Fulda mit seiner sumpfigen Struktur gar nicht gut dafür geeignet war. Uhlig und Stadtarchivar Schäfer waren sich jedoch einig, dass die wirtschaftlichen Interesen größer als die Bedenken waren.

Glück für Archäologen 

Das sollte sich durchaus als Glück für die Archäologie erweisen. Denn der feuchte Untergrund sorgte dafür, dass sich viele Leder- und Holzteile erhalten haben, was in anderen Gebieten längst nicht der Fall ist. Dazu gehört beispielsweise ein Holzfenster aus dem Mittelalter, das nach Darstellung Uhligs wahrscheinlich das älteste erhaltene Fenster nördlich der Alpen ist. 

Das kleine Guckloch wurde in der kalten Zeit möglicherweise mit Stoff oder Pergament abgedichtet und im Sommer komplett aus der Fensteröffnung genommen.

Eine Replik des Fensters befindet sich in Hann. Münden, die die Teilnehmer des Rundgangs ausführlich begutachteten, so etwa von Andreas Moldenhauer, der extra aus Uchte im Landkreis Nienburg angereist war. Glänzende Augen gab es beispielsweise auch bei einem Keulenglas. „Ein extrem schönes Stück“, sagte Tobias Uhlig über den gut erhaltenen Fund.

Keramik kam hohe Bedeutung zu 

Große Bedeutung für den Handel hatte in Hann. Münden über lange Strecken die Keramik. Im sogenannten Tupperwinkel im Südwesten der Altstadt Hann. Mündens direkt hinter der Stadtmauer siedelten diverse Töpfereien.

Zu einem Verkaufsschlager entwickelte sich in der Renaissance dann die sogenannte Werra-Keramik mit ihrer Sgrafitto-Technik, berichtete Uhlig.

Diese Form fasziniert mit ihrer reichen Bilderwelt. „Jedes Teil war ein Unikat.“ Die Werra-Keramik schaffte es sogar bis nach Jamestown im US-Bundesstaat Virginia.

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