Damals in Münden

Eine Unterführung als „Tropfsteinhöhle am Kattenbühl“ in Hann. Münden

Darstellung der Bahnunterführung „Tropfsteinhöhle“ und des Kattenbühls in idealisierter Form des Hotels und Pension Bergschlösschen. Die Ansichtskarte aus der Sammlung Holger Gruber wurde 1907 versendet.
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Darstellung der Bahnunterführung „Tropfsteinhöhle“ und des Kattenbühls in idealisierter Form des Hotels und Pension Bergschlösschen. Die Ansichtskarte aus der Sammlung Holger Gruber wurde 1907 versendet. (Repro)

Die Eisenbahn veränderte die Angewohnheiten und die Reisegeschwindigkeit der Menschen. Und auch oft genug das Stadtbild. In Hann. Münden wurde lange über eine Unterführung gestritten. Sie war als „Tropfsteinhöhle“ bekannt.

Hann. Münden – Der Bau der Eisenbahnlinie von Hannover über Dransfeld nach Kassel begann 1850. Am 8. Mai 1856 fand dann die Eröffnung der Strecke der hannoverschen Südbahn von Göttingen nach Münden mit einer großen Feier am Mündener Bahnhof statt. Es gab ein Neun-Gänge-Menü mit unter anderem Rouladen, Roastbeef, Kalbsbraten, Suppe, Torten und Dessert, dazu ausgewählte Weine und Champagner.

Weg in Richtung Kattenbühl führte über die Gleise

Mit der Eröffnung der Bahnlinie trat aber ein Problem auf den Plan: Der Weg Richtung Kattenbühl führte über die Gleise. Das war nicht nur unter Umständen gefährlich für diejenigen, die die Gleise überquerten, sondern auch ein Problem für die Eisenbahn. Rund 13 Jahre lebten Eisenbahn- sowie Stadtverwaltung mit der unzureichenden Wegführung, bis 1869 Verhandlungen über eine Alternative begannen.

Es dauerte ganze vier Jahre, bis eine Lösung gefunden war. Am 8. Februar 1873 verpflichtete sich die Eisenbahnverwaltung dazu, der Stadt eine neue Verbindungsstraße vom Vogelsangweg zum Kattenbühl zu bauen: den Philosophenweg. So weit, so gut, ein neuer befahrbarer Weg war da. Allerdings mussten auch die Fußgänger versorgt werden. Für sie entstand eine Unterführung mit einer Breite von 1,50 Meter von dem damaligen Feuerteich zum Kattenbühl. Auch hier gab es ein Problem, denn an den Wänden der Unterführung floss nahezu ständig Wasser herab. Daher erhielt der Bau aus der Bevölkerung den Spitznamen „Tropfsteinhöhle“.

Mangelhafter Zustand des Durchgangs in Hann. Münden

Anfang des 20. Jahrhunderts begann dann eine verstärkte Bautätigkeit am Kattenbühl. Weil deshalb deutlich mehr Leute die Unterführung nutzen, stieg auch der Unmut über den Zustand dieser „Tropfsteinhöhle“. Die Bürger begannen, sich über den „mangelhaften Zustand dieses Durchgangs zu beschweren, wie Gustav Blume zu berichten weiß. Wegen der zunehmenden Beschwerden, sah sich dann auch der Magistrat der Stadt dazu gezwungen, die Eisenbahnverwaltung zu einer Verbesserung beziehungsweise Instandsetzung der Unterführung zu bewegen. Die Verhandlungen liefen offenbar nicht allzu gut, denn sie dauerten jahrelang an.

Stadt und Bahn gingen gemeinsam ans Werk

Erst 1910 erklärte sich die Eisenbahnverwaltung bereit, eine neue Unterführung zu bauen – allerdings unter der Bedingung, dass auch die Stadt sich beteiligen und 7000 Mark zu den Bauarbeiten beisteuern sollte. Das schien als Kompromiss ausreichend, denn die städtischen Kollegien stimmten diesem Übereinkommen zu. So erhielten Mündens Bürger letztlich eine taugliche Verbindung zum Kattenbühl, die, wie sich in der weiteren Entwicklung zeigen sollte, auch nötig war, da die Bebauung dieses Gebietes deutlich zunahm. Wer konnte damals ahnen, dass das Auto einen Siegeszug antreten sollte und der Vogelsangweg die einzige Möglichkeit darstellen würde, die östlich der Bahnlinie liegenden Stadtgebiete zu erreichen. (Sarah Schnieder)

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