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Einsatz für die Tillyschanze und den Denkmalschutz

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Sprachlich und schriftstellerisch wuchs der Klempnermeister Carl Georg Fischer weit über sich hinaus. Sein Portrait stellte er der von ihm begründeten Heimatkundesammlung auf der Tillyschanze zur Verfügung. Repro: Stefan Schäfer
Sprachlich und schriftstellerisch wuchs der Klempnermeister Carl Georg Fischer weit über sich hinaus. Sein Portrait stellte er der von ihm begründeten Heimatkundesammlung auf der Tillyschanze zur Verfügung. (Repro) © Repro: Stefan Schäfer

Carl Georg Fischer war für Tillyschanze mitverantwortlich. Er setzte sich für den historischen Turm ein und für den Denkmalschutz in Hann. Münden. Er galt als historischer Autodidakt.

Hann. Münden – Denkmalbewußtsein und der Erhalt historischer Bauwerke scheint ein Markenkern unserer Stadt zu sein, dessen Verankerung reicht bisweilen tiefer zurück als geahnt.

Hann. Münden: Denkmalschutz 1978 im Gesetz verankert

Für Niedersachsen ist das Jahr 1978 von wesentlicher Bedeutung. In jenem Jahr wurde der Denkmalschutz gesetzlich verankert. Dieses eröffnete mehr Möglichkeiten, als nur gegen grobe Verschandlungen vorzugehen. Schon mit der Amtsübernahme des Stadtdirektors Karl-Wilhelm Lange 1966 wurde der flächenhafte Denkmalschutz der Altstadt auch zum Teil gegen vehementen Widerstand etabliert, dachte man damals im Bauen vor allen an Stahl, Glas und Beton. Das Jahr 1978 stand zugleich für einen außergewöhnlichen Erfolg: im Bundeswettbewerb Stadtgestalt und Denkmalschutz wurde Hann. Münden mit Gold ausgezeichnet.

Der Turm über den Dächern der Stadt: Blick auf die Tillyschanze von der Siebenturmstraße aus.
Der Turm über den Dächern der Stadt: Blick auf die Tillyschanze von der Siebenturmstraße aus. © Bettina Sangerhausen

Hann. Münden: Hinwendung zur alten Architektur kam in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts

Ohne die Leistungen von Alfred Hesse oder Heinz Hartung schmälern zu wollen, müssen die Namen der vormaligen Stadtbauräte Hans-Henning Dülfer und Dr. Hans Pleuser mitgenannt werden, die an zentraler Stelle in der Verwaltung vieles bewegen konnten. Doch sie alle waren nicht die Ersten, die diese Gedanken umtrieben.

Die Hinwendung zur alten Architektur kam in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts zu einer ersten Blüte. Der in Einbeck geborene Conrad Wilhelm Hase (1818 bis 1902) galt als ein herausragender Architekt im Königreich Hannover und prägte entscheidend die Neugotik, die zwangsläufig nur dann Bestand haben kann, wenn man sich mit historischen Bauwerken beschäftigte.

Sein kongenialer Partner war Hector Wilhelm Heinrich Mithoff, der von 1871 bis 1880 in einer siebenbändigen Ausgabe die „Kunstdenkmale und Alterthümer im Hannoverschen“ zusammengefasst und beschrieben hat.

Damit war die erste Grundlage einer Denkmaltopografie geschaffen. Der 1845 in Münden geborene Klempnermeister Carl Georg Fischer hat sich in diesen Jahren als autodidaktischer Kenner der Mündener Geschichte und seiner Baudenkmäler entwickelt. Er war neben dem Fabrikanten Adoph Natermann und dem Forstmeister Heinrich Dörr einer der drei Protagonisten, die mit Beharrlichkeit und Ausdauer den Bau der Tillyschanze verwirklichten. Ihm war vor allem die museale Sammlung am Turm wichtig und nachdem die gesammelten Schätze die Möglichkeiten des Turmmuseums sprengten, war er die treibende Figur für die Errichtung des „Eberlein- und Heimath-Museums“ im Schloss, das 1898 seine Pforten öffnete.

Carl Georg Fischer brauchte sich sein Wissen selbst bei

Fischer legte sich den Namen Hellenberg zu, auch um sich von zahlreichen Namensvettern in Münden zu unterscheiden.

Als Heimatschriftsteller machte er sich einen Namen, litt aber bisweilen darunter, als Nichtakademiker bisweilen wenig Anerkennung zu finden. Für die Mündener war der nicht groß gewachsene Mann als „Klimperklein“ bekannt.

Eine besonders wichtige Abhandlung schrieb er 1885 zur damaligen Sanierung des Rathauses, in der er nicht nur historische Quellen auswertete, sondern sich mit der reichhaltigen Fassadengestaltung auseinandersetzte. Sein aufschlussreichstes Buch erschien 1892 unter dem Titel „Kunstdenkmäler und Alterthümer im Kreise Münden“. Er orientierte sich am Baubestand, beschrieb Bauinschriften, sammelte Hinweise auf besondere Hausausstattungen, wie alte Kamine, Haustüren. Geschickt verband er die Häuser mit zahlreichen Ereignisgeschichten. Damit nahm er schon vieles von der Arbeit späterer Denkmalschützer vorweg.

Fischer starb am 18. Oktober 1907 in Hann. Münden

Im Alter von 62 Jahren starb er am 18. Oktober 1907 in seinem 1903 errichteten Hause in der Hellenbergstraße.

Ein Satz aus dem am 22. Oktober 1907 im Mündener Tageblatt erschienenen Nachruf sticht heraus: „solange noch ein Stein von diesem Turm (Tillyschanze) vorhanden ist, solange wird auch der Name Georg Fischer mit ihm verknüpft sein.“
Ein kleines Denkmal für einen Mann mit grenzenloser Liebe für seine Heimatstadt. (Stefan Schäfer)

Ortsheimatpfleger in Hann. Münden ist Thomas Tölle. Er löste in diesem Jahr Martin Czichelski ab. An der berühmten Tillyschnaze kann man nun auch übernachten.

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