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Raum Hann. Münden: Kommunen und Geschäfte schränken Heizung und Beleuchtung ein

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Von: Thomas Schlenz, Hannah Köllen

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Schaltet nachts das Licht aus: Katharina Junge von Mode Junge in Hann. Münden.
Schaltet nachts das Licht aus: Katharina Junge von Mode Junge in Hann. Münden. © Hannah Köllen

Stimmen zur Energiekrise aus dem Altkreis Münden: Verwaltungen und Geschäfte wollen Energie sparen. Auch die Kirchen ziehen mit.

Altkreis Münden – In der aktuellen Energiekrise müssen auch die Kommunen sparen. Die Stadt Hann. Münden arbeitet an einem Maßnahmenkatalog (wir berichteten). Laut Verwaltung geht es dabei auch um die Außenbeleuchtung öffentlicher Gebäude und Denkmäler.

Raum Hann. Münden: Verwaltungen wollen Energie sparen

So werde es unter anderem bei der Tillyschanze, der Rotunde, dem Welfenschloss und dem Packhof Einschränkungen geben. Welche genau, werde noch geprüft. Warmwasserboiler sollen, sofern nicht für die Hygiene nötig, abgestellt werden. Dazu kommen die von der Bundesregierung beschlossenen Maßnahmen unter anderem zur Senkung der Raumtemperaturen. Mitarbeiter sollen auf sparsamen Umgang mit Energie achten, Dienstfahrten beschränkt werden. Staufenbergs Bürgermeister Bernd Grebenstein berichtete, die Gemeinde werde den Empfehlungen der Bundesregierung mit 19 Grad Celsius Raumtemperatur durch Anpassung der Heizkurven in allen Gebäuden folgen.

Ausnahmen werde es dort geben, wo höherer Wärmebedarf notwendig sei, wie in Kitas und Schulen. Durch sogenannte Behördenthermostate werde eine individuelle Regulierung zum Beispiel auf Fluren oder Treppenhäusern unterbunden. Die öffentlichen Gebäude in Staufenberg würden nicht von außen angestrahlt.

Staufenberg: Öffentliche Gebäude werden angestrahlt

„Wir bieten von jeher nur die gesetzlich notwendige Beleuchtungsstärke für den jeweiligen Anwendungs- oder Nutzungszweck und arbeiten zum Beispiel mit Bewegungs- oder Präsenzmeldern und Dämmerungs- oder Dimm-Sensoren“, so Grebenstein. Die Straßenbeleuchtung sei vor zwei Jahren zu rund 60 Prozent auf sparsame und zielgerichtete LED-Beleuchtung umgestellt worden, die nachts außerdem nochmals ab 23 Uhr das Beleuchtungsniveau um bis zu 70 Prozent nach unten dimme. „Wir wollen versuchen, die restlichen 40 Prozent noch in diesem Jahr umzustellen“, erklärt Grebenstein. Mehr solle nur im äußersten Notfall getan werden.

In Dransfeld wurde die Außenanstrahlung von öffentlichen Gebäuden abgeschaltet. Laut Bürgermeister Mathias Eilers habe man beschlossen, die Straßenbeleuchtung zu reduzieren. „Aktuell muss noch geprüft werden, ob dies durch komplette Nachtabschaltung geschieht oder durch eine Ausdehnung der Leistungsreduzierung der Leuchtkörper“, erklärt Eilers. Bereits seit der Umrüstung auf LED-Technik, spare man Energie. Die Mitarbeiter der Verwaltung seien fürs Energiesparen sensibilisiert.

Raum Hann. Münden: Geschäftsleute setzen auf Energiesparen

Neben den Verwaltungen denken derzeit auch viele Unternehmen im Altkreis darüber nach, wie sie Energie einsparen können: „Die Lichter in meinem Geschäft schalten sich abends um 22 Uhr automatisch ab“, sagt Katharina Junge, Inhaberin der Boutique Junge Mode in Hann. Münden. Das habe sie schon immer so gehandhabt, nicht erst auf Anraten der Politik, Energie zu sparen. Junge glaubt nicht, dass das unbeleuchtete Geschäft verstärkt Einbrecher anlockt. „Wenn die bei mir einbrechen wollen, dann kommen sie auch bei Licht“, ist sich Junge sicher. In der oberen Etage ihres rund 270 Quadratmeter großen Geschäfts befinden sich Lager und Büro. „Oben ist das Licht sowieso immer ausgeschaltet, wenn ich mich nicht gerade dort aufhalte“, sagt Junge.

Die Heizung wolle sie im Winter nicht weniger aufdrehen als in vergangenen Wintermonaten. „In unseren Räumen ist es eher kühl. Das ist jetzt im Sommer sehr angenehm, im Winter brauchen wir dann aber unbedingt die Heizung.“ Im Atelier AF in Hann. Münden hat Inhaberin Anja Fehrensen bereits einige Änderungen vorgenommen, um Energie zu sparen. „Meine Nachtbeleuchtung besteht aus zwei LED-Lampen, die wirklich wenig Strom verbrauchen. Seit Kurzem lösen die schon um 20 Uhr die Tagesbeleuchtung ab, zwei Stunden früher als vorher.“ Eine dunkle Ecke vor ihrem Geschäft werde sie aber weiterhin beleuchten, um böse Überraschungen zu verhindern: „Das Licht schreckt die Leute ab. Seitdem es dort nachts brennt, ist nichts mehr passiert“, sagt Fehrensen.

Kirchen im Altkreis Münden: Oftmals schlecht heizbare Gebäude

Auch die Kirche mit ihrer Vielzahl an großen und oft schlecht beheizbaren Gebäuden treibt das Thema um: So gehe es bei der nächsten Sitzung der Stadtkirchengemeinde am 13.09.2022 auch um Energieeinsparungen. Anfang September solle zudem die Heizung überprüft werden, teilte der Evangelisch-lutherische Kirchenkreis Münden mit. Bei der Überprüfung solle abgestimmt werden, mit welcher Temperatur die Kirche in der Heizperiode geheizt werden soll. Aufgrund der Sanierung des Corvinushauses sei es in diesem Jahr noch nicht möglich, den Saal als Versammlungs- und Gottesdienstraum zu nutzen. Alle Gemeinden des Kirchenkreises befassten sich derzeit mit dem Thema Energiesparen.

Verordnung des Bundes seit gestern in Kraft

Seit 01.09.2022 gilt die „Verordnung zur Sicherung der Energieversorgung über kurzfristig wirksame Maßnahmen“. Ziel ist es, im Bereich von Verwaltung, Wirtschaft und Privathaushalten Energie einzusparen. In öffentlichen Gebäuden soll dafür, je nach Art der Tätigkeit, die Temperatur auf 19 bis 12 Grad Celsius abgesenkt werden. Gemeinschaftsflächen, mit Ausnahme von zum Beispiel medizinischen Einrichtungen oder Kitas, dürfen nicht mehr beheizt werden. 

„Ich bin dankbar für die Unterstützung, die die Landeskirche den Gemeinden damit gibt. Zugleich danke ich den Kirchenvorständen, dass sie sich jetzt intensiv mit dem Thema befassen und Ihren Beitrag leisten“, so Superintendent Thomas Henning. Energiesparendes Verhalten sei angesichts der Kostensteigerungen auch ein verantwortungsvoller Umgang mit den anvertrauten Kirchensteuermitteln. „Die Gemeindemitglieder bitte ich um Unterstützung und Mithilfe bei der Suche nach Ideen zur Energieeinsparung. Und ich selbst richte mich darauf ein, dass ich im Winter eben mit zwei Pullovern am Schreibtisch sitzen werde“, erklärte Henning. (Thomas Schlenz/Hannah Köllen)

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