1. Startseite
  2. Lokales
  3. Hann. Münden
  4. Hann. Münden

Winzer aus Hann. Münden: Erste Traubenlese erfolgreich

Erstellt:

Von: Michael Caspar

Kommentare

Mehr als zwei Meter hoch rankt sich der Wein bereits: Ralf Klemke in seinem Bonaforther Weingarten.
Mehr als zwei Meter hoch rankt sich der Wein bereits: Ralf Klemke in seinem Bonaforther Weingarten. © Michael Caspar

Wein aus Hann. Münden hat eine lange Tradition: Ralf Klemke hat in Bonaforth seine ersten 30 Liter Most gewonnen: Nach dem Ruhestand will er komplett ins Weingeschäft einsteigen.

Bonaforth –  Die erste größere Traubenlese steht im Bonaforther Weingarten Klemke an. Hobby-Winzer Ralf Klemke hat mit Unterstützung der Familie, eines Arbeitskollegen und des Nachbarn zunächst 450 Fruchtstände seiner Weißweinreben geerntet. Im Oktober folgen die Rotweintauben.

60 Kilogramm Trauben konnte Klemke im Hänger vom Weingarten Am Felde nach Hemeln transportieren, wo er wohnt. In der umgebauten Garage entstielte er die Beeren mit einem speziellen Gerät.

Den Traubenbrei ließ er acht Stunden stehen, damit die Schalen Aromastoffe abgeben konnten. Danach presste er den Brei, die Maische, aus. 30 Liter Most kamen zusammen. „Das Mostgewicht, also die Menge des gelösten Zuckers, liegt bei 105 Oechsle“, hat Klemke mit einem speziellen Messgerät, dem Refraktometer, ermittelt. Damit der Zucker nun zu Alkohol vergärt, gab der Winzer Hefe mit in den Edelstahltank hinzu. Im kommenden Frühjahr wird der Wein fertig sein.

„Aufgrund des schönen Wetters hat es 2022 bei meinen insgesamt 260 Rebstöcken kaum Probleme mit Pilzen wie dem echten und falschen Mehltau gegeben“, freut sich Klemke. Er will ohne Pflanzenschutzmittel auskommen.

Anders als bei Nachbarn vergriff sich auch der Waschbär nicht am Obst. Um die Früchte zu schützen, hat Klemke jede einzelne Rebe in spezielle Beutel aus Oganza, einem feinen, transparenten Gewebe, verpackt. Die Beutel schützen die Trauben auch gegen die in diesem Jahr allgegenwärtigen Wespen sowie gegen Vögel wie Stare oder Amseln. Zu kämpfen hatten die Pflanzen dagegen mit der Trockenheit. Drei Mal bewässerte Klemke seine Rebstöcke zusätzlich mit aufgefangenem Regenwasser, gönnte jeder Pflanze jeweils zwei, drei Liter Wasser. „Das ist allerdings nur ein Tropfen auf dem heißen Stein gewesen“, sagt er. Die Folge: Die Trauben sind vergleichsweise klein. Dabei hat Klemke zur Förderung des Traubenwachstums jeden zweiten Trieb ausgebrochen und die Fruchtstände jeweils um ein Drittel gekürzt.

Eine weitere Herausforderung: Klemkes Pflanzen leiden unter Magnesiummangel. „Unterversorgte Blätter werden nach und nach gelb, zum Schluss die Blattadern“, berichtet er. Betroffene Blätter vertrocknen dann von den Rändern her und fallen schließlich ab. Der Winzer wundert sich. Bei der Bodenuntersuchung im Vorfeld hatte das Labor ausreichend Magnesium im Boden festgestellt. „Ich werde wahrscheinlich die Düngung im Herbst und im Frühjahr anpassen müssen“, erklärt er.

Der gebürtige Nordhesse hat seinen Weingarten vor zwei Jahren angelegt. Mit der kommerziellen Weinproduktion will er 2024 beginnen. Ende Oktober 2023 geht der Maschinenführer, der im Baunataler Volkswagen-Werk arbeitet, nämlich in Ruhestand, will sich dann ganz der Winzerei widmen. (Michael Caspar)

Mündener Wein hat eine lange Tradition

„Im Mittelalter ist auch in unserer Region Wein angebaut worden“, berichtet Claus Baumgärtel, der stellvertretende Vorsitzende des Landvolks Göttingen. Der Hilwarthäuser Bauer bewirtschaftet in Hedemünden selbst eine Fläche mit der alten Flurbezeichnung Am Weinberge. „Damals lagen die Transportkosten für Produkte etwa aus dem Rheingau allerdings auch deutlich höher und die Qualitätsansprüche der Menschen waren niedriger“, weiß der Landwirt. Dass Kollegen mit dem fortschreitenden Klimawandel die Winzerei als neues Standbein entdecken, hält er für unwahrscheinlich. Dazu fehlten den hiesigen Bauern die nötigen Kenntnisse. Winzer sei ein eigener Lehrberuf. Auch verfüge Südniedersachsen nicht über die Infrastruktur etwa hinsichtlich Technik oder Vermarktung. Aufgrund des hohen Preises werde Wein aus der Region ein Nischenprodukt bleiben.

Auch interessant

Kommentare