Mit dem Sterben leben lernen

Mündener Ärztin Petra Muschaweck sprach über die Hospizidee

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Als Dankeschön für einen gelungenen Vortrag ein bunter Blumenstrauß von Thomas Henning an Dr. Petra Muschaweck. 

Mündener Ärztin Dr. Petra Muschaweck hielt einen Vortrag "Mit dem Sterben leben lernen - das ABC des Lebens". 

„Eines Tages werden wir alle sterben“, sagte Charly Brown zu seinem Hund Snoopy. „Stimmt, aber an allen anderen Tagen nicht“, antwortete dieser. Dieses Zitat aus der erfolgreichen Comicserie „Peanuts“, die von 1950 bis 2000 im Fernsehen ausgestrahlt wurde, nahm die Mündener Ärztin Dr. Petra R. Muschaweck in ihrem öffentlichen Vortrag „Mit dem Sterben leben lernen – das ABC des Lebens“, zum Anlass, dem Tabu-Thema Sterben eine Wichtigkeit zu geben und mehr Selbstreflexion zu üben.

Im Vorfeld der Mitgliederversammlung der Bürgerstiftung Ambulantes und Stationäres Hospiz im Gasthaus Letzter Heller hielt Dr. Muschaweck, die seit über 40 Jahren europaweit Referate zum Thema Sterben gehalten hat und hält, das erste Mal in ihrer Heimatstadt Münden einen öffentlichen Vortrag. 

Ein Stück nach Hause kommen 

„Das ist für mich ein Stück nach Hause kommen“, sagte sie. Der Tod ist für viele Menschen ein unliebsames Thema und wird gerne aus dem gesellschaftlichen Bewusstsein verdrängt. 

In dem Vortrag machte Dr. Muschaweck anhand von Beispielen und eigenen Erfahrungen deutlich, dass man den Tod ins Leben lassen und bewusst die Auseinandersetzung mit Tod und Sterben suchen sollte. „Ich möchte meine Geschichte und mein Lebensthema teilen und Sie ein Stück dazu sensibilisieren und öffnen“, betonte die Ärztin. 

Man muss ein Leben lang das Leben lernen und ein Leben lang muss man sterben lernen. Diese Weisheit hat schon Seneca, ein griechischer Philosoph, der im späten ersten Jahrhundert vor Christus in Rom lebte, von sich gegeben. Leben zu können, ist die beste Übung, um Sterben zu lernen. 

Sterbende als Lehrer

„Sterbende wissen mehr. Menschen die von uns gehen, sind unsere Lehrer“, stellte Dr. Petra Muschaweck fest. Ängste im Leben und im Sterben sind gleich. So beispielsweise Abhängigkeit, Isolation, Kontrollverlust, Schmerzen. 

Der Sterbende und die Angehörigen befinden sich im Mittelpunkt, dazu steht die Lebensqualität an erster Stelle. Sterbende sollen verantwortungsbewusst begleitet, nicht bevormundet werden. Auch die Sterbebegleiter brauchen Mitgefühl nicht Mitleid. 

„Das Leben ist ein Win-Win-Spiel. Doch wir können uns und andere vorbereiten, um dem Ende angstfrei und friedvoll entgegenzusehen“, versicherte Dr. Muschaweck. Menschen, die ein wenig sterben gelernt haben, stellen fest: Ich habe gelebt. Andere wiederum kämpfen. Aber Sterben braucht keine Helden und es werden keine Schulnoten vergeben, sterben lernen ist gar nicht so dramatisch. 

Die Ärztin erzählte von ihrer Mutter, die vor dem Sterben gesagt hat „sei nicht traurig, ich werde bei meiner Beerdigung dabei sein“. Mit der Hospizidee – du bist wichtig bis zum letzten Herzschlag, bis zum letzten Atemzug, sterben ist wie leben, miteinander lachen –, beendete sie die sehr einfühlsame, bewegende Darbietung.

Mit einem Blumenstrauß, so bunt wie das Leben, dankte Superintendent Thomas Hennig, zweiter Vorsitzender der Bürgerstiftung, für die Ausführungen. „Sie haben vom Leben gesprochen und uns ermutigt, dem Sterben einen Platz im Leben zu geben“.

Zur Person

Dr. Petra Muschaweck gehört zu den Pionieren der Hospizarbeit in Deutschland. Sie studierte Medizin in Berlin und Kiel. Danach ging sie für ein Jahr nach Oxford (England), wo sie die Hospizbewegung kennenlernte. Von 1978 bis 2012 führte sie eine Landarztpraxis in Hann. Münden, Gimte und Hedemünden als Allgemeinmedizinerin. Darüber hinaus absolvierte sie eine Ausbildung zur tiefenpsychologisch fundierten Psychotherapeutin für Einzel-und Gruppentherapien. Seit 2012 ist sie privatärztlich als Psychotherapeutin/Supervisorin und als ärztliche Reisebegleiterin, weltweit für Reiseveranstalter tätig.

In dem Hann. Mündener Hospiz werden letzte Wünsche erfüllt.  So auch von Sadik-Malak.

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