Umweltbewegung

Extinction Rebellion in Hann. Münden: Sie wollen übers Klima reden

Protestierende Bäume: So lautet die erste Aktion der neuen Ortsgruppe, zu der auch Mathias Rohr und Ulrike Schäfer gehören. 
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Protestierende Bäume: So lautet die erste Aktion der neuen Ortsgruppe, zu der auch Mathias Rohr und Ulrike Schäfer gehören.  

In Hann. Münden hat sich eine Ortsgruppe von Extinction Rebellion gegründet. Die Klimabewegung ist allerdings umstritten. 

Hann. Münden – Sie sind bereits mit Fridays for Future auf die Straße gegangen, als der Umweltausschuss der Stadt Hann. Münden darüber beriet, den Klimanotstand auszurufen. Jetzt starten sie ihre erste eigene Aktion und rufen zum Mitmachen auf. Die Hann. Mündener Ortsgruppe Extinction Rebellion schließt sich unter dem Motto #weitersowargestern der bundesweiten Aktionswoche „Rebellion Wave“ der internationalen Bewegung Extinction Rebellion (XR) an.

EX Hann. Münden: Spontane Aktionen in der Stadt 

Vom 15. bis 21. Juni wollen die Aktivisten in vielen deutschen Städten mit Kunstaktionen, Demonstrationen, Konzerten, Workshops und mehr auf die Klimakrise aufmerksam machen, wie XR Deutschland auf seiner Internetseite schreibt.

Die Klimabewegung unterscheidet sich unter anderem durch seine Methode des friedlichen zivilen Ungehorsams von anderen Bewegungen. So gibt es auch unangemeldete Proteste, wie beispielsweise Demonstrationen und Blockaden.

In Hann. Münden möchte man aus diesen Gründen keine genauen Angaben zu den geplanten Aktionen machen. Ein erstes Kunstprojekt mit dem Namen „Protestierende Bäume“ wurde an diesem Wochenende umgesetzt. Weitere sollen in den kommenden Tagen folgen.

Die Ortsgruppe hat sich Anfang diesen Jahres zusammengefunden und zählt derzeit etwa zehn Aktive berichten Barbara Jankowski (57), Karin Gobrecht (60), Silke Kahler (57) und Ulrike Schäfer (52) im Gespräch mit der HNA. Den Anstoß für ihr Engagement habe ein Vortrag der XR-Ortsgruppe Göttingen im Jungen Theater Anfang Januar gegeben mit dem Titel „Aufstand oder Aussterben“, der zurzeit als Video auf der Internetseite der Göttinger Ortsgruppe einsehbar ist.

„Wir hoffen, dass die Aktion positiv in der Stadt aufgenommen wird“, sagt Barbara Jankowski mit Blick auf die Rebellion Wave und betont, dass die Gruppe alles wieder entsorge, was sie aufbaut. Jeder, der mitmachen oder eigene Ideen einbringen wolle, sei willkommen. Die Aktivisten seien offen für Diskussionen und Gespräche.

Bewegung will auf globalen Klimawandel aufmerksam machen 

Ziel der Ortsgruppe ist es, auf den globalen Klimawandel aufmerksam zu machen. Deshalb ist es ihnen wichtig, dass die Stadt den Klimanotstand ausruft und alle Entscheidungen in Zukunft unter diesem Aspekt abwägt, sagt Ulrike Schäfer. Karin Gobrecht weist daraufhin, dass Corona schnell als Bedrohung wahrgenommen worden sei. Das gleiche müsse nun fürs Klima geschehen.

„Wir müssen in die Verantwortung gehen und nicht darauf warten, dass sich die Politik bewegt“, beschreibt Silke Kahler ihre Motivation, sich für die Klimabewegung zu engagieren. „Wir haben Sorge, dass wir keine Zeit mehr haben.“ „Diese Sorge ist berechtigt, das sagen Menschen, die sich tagtäglich mit dem Thema beschäftigen“, fügt Ulrike Schäfer an und verweist auf die Ölkatastrophe in Russland Ende Mai, bei der ein Kraftwerk aufgrund des auftauenden Permafrostbodens beschädigt wurde. 

Sie ist von der XR-Forderung nach einer Bürgerversammlung überzeugt, um der Demokratieverdrossenheit entgegenzuwirken. „Es ist jung, dynamisch, frech, kreativ“, fasst Barbara Jankowski ihre Gründe für das Engagement zusammen. Auch sie stehe morgens auf und verbrauche Ressourcen. Durch die Auseinandersetzung mit dem Thema verändere man sich.

Grundsätze der globalen Klimaschutzbewegung

Extinction Rebellion (englisch: Aufstand gegen das Aussterben) ist eine internationale Umweltbewegung, gegründet 2018 in England. Laut Darstellung von Extinction Rebellion Deutschland, kurz XR, setzen sich ihre Mitglieder gegen das „massenhafte Artensterben und die Bedrohung der Menschheit durch die globale Klimakrise“ ein. Durch zivilen Ungehorsam soll Aufmerksamkeit generiert und Regierungen zum Handeln bewegt werden. 

XR ist dezentral organisiert. Die Mitglieder sind international durch drei Kernforderungen vereint: 1. Die Regierung muss den Klimanotstand ausrufen, 2. Klimaneutralität bis 2025 und 3. Bürgerversammlungen aus Bürgern und Experten geben Empfehlungen an die Regierung zur Abwendung der Klimakrise. Zehn Prinzipien und Werte gelten als weitere Grundlage des gemeinsamen Handelns. 

Ein Rebellionskonsens dient als bindender Rahmen für öffentliche Aktionen, darin steht unter anderem, dass sich alle Mitglieder gewaltfrei gegenüber der Öffentlichkeit und der Polizei verhalten. Mitglieder stehen mit Name und Gesicht für ihre Taten ein und informieren sich über die rechtlichen Folgen ihres Handelns, heißt es im Konsens.

Durch das Gründungsmitglied in die Kritik geraten

Extinction Rebellion ist Ende 2019 durch ein britisches Gründungsmitglied in die Kritik geraten. 

Der damals 52-jährige Roger Hallam hatte in einem Interview mit der deutschen Wochenzeitung die ZEIT den Holocaust verharmlost. Genozide habe es im Laufe der Geschichte immer wieder gegeben, hatte Hallam unter anderem gesagt. Der Holocaust sei „nur ein weiterer Scheiß in der Menschheitsgeschichte“ („just another fuckery in human history“). 

Extinction Rebellion Deutschland hat sich „entschieden von Roger Hallams verharmlosenden und relativierenden Äußerungen zum Holocaust“ distanziert. Dies gelte auch für seine Aussagen zur Demokratie, Sexismus und Rassismus. 

Hallam sei eines von 15 Gründungsmitgliedern der Bewegung, der sich in England als polemischer und provokativer Sprecher einen Namen gemacht habe und auch intern polarisiere, ist der Mitteilung von XR Deutschland vom November zu entnehmen. Die Mündener Ortsgruppe betont, dass XR dezentral organisiert ist und sich nicht an einer Person orientier

Von Kim Henneking

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