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Feuerwerk im Altkreis Münden: Nicht alles ist erlaubt

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Von: Jens Döll

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Feuerwerk über Hann. Münden: Ein atemberaubendes Schauspiel konnten die Betrachter erleben, wenn sie sich an einem Silvesterabend Mitte der 1960er Jahre auf dem Blümer Berg positionierten.
Feuerwerk über Hann. Münden: Ein atemberaubendes Schauspiel konnten die Betrachter erleben, wenn sie sich an einem Silvesterabend Mitte der 1960er Jahre auf dem Blümer Berg positionierten. In der Innenstadt ist Feuerwerk nun aber schon seit 2009 tabu. (Archivbild) ©  Foto: Carl Thoericht, Quelle: Sammlung Schäfer / Repro: Schäfer

Feuerwerk an Silvester darf nicht überall gezündet werden. Dafür gibt es Regeln. Diese gelten auch in Hann. Münden, Dransfeld und der Gemeinde Staufenberg.

Altkreis Münden – Es darf wieder geböllert werden. An Silvester ist der Verkauf von Feuerwerk, anders als in den beiden vorangegangenen Jahren, wieder erlaubt. Doch auch in diesem Jahr gelten dafür Vorschriften.

Dransfeld: Tabuzone in der Nähe von Fachwerkhäusern

Stefanie Freitag, stellvertretende Leiterin Bau- und Ordnungsamt der Samtgemeinde Dransfeld, weist auf die gesetzlichen Regelungen hin. So ist das Zünden von Feuerwerk in unmittelbarer Nähe von brandempfindlichen Gebäuden wie Fachwerkhäusern. Dort darf Feuerwerk der Kategorie F2 nicht gezündet werden dürfen. Das gelte insbesondere in der Nähe von Kirchen, Krankenhäusern, Kinder- und Altersheimen. In Dransfeld betreffe dies die Altstadt. „Nähe“, so Freitag, meint damit laut dem Gesetzgeber einen Umkreis von 200 Metern.

Hann. Münden: Parkflächen werden zu Abbrennplätzen

Vor dem Hintergrund dieser bundesweit gültigen Regeln sei das Zünden von Feuerwerk am 31. 12 nur an wenigen Orten in der Kernstadt von Hann. Münden überhaupt erlaubt, erläutert Stadtsprecher Mathias Simon. Verboten sei es in der historischen Innenstadt sowie in alle Ortsteilen und Wohngebieten, in denen sich die Krankenhäuser und Altersheime befinden“, heißt es vom Stadtsprecher. Aber wie in der Vergangenheit auch, werde es wieder besondere Zonen geben, in denen „geböllert“ werden darf.

Diese Plätze werden auf dem unteren Tanzwerder zwischen der gepflasterten Querverbindung des Straßenrings und dem Weserstein sowie auf dem Parkplatz am Hochbad auf dem Rattwerder eingerichtet. Diese sogenannten Abbrennplätze dürfen vom 31. 12.2022, 14 Uhr, bis 01.01.2023, 24 Uhr genutzt werden, so Simon. Während dieser Zeiten stehen die Flächen nicht als Parkplätze zur Verfügung.

Gesetzt gilt seit längerem

In Hann. Münden ist bereits seit dem 1. Oktober 2009 das Abbrennen von Feuerwerk nur begrenzt möglich. Das liegt an einer Gesetzesänderung, nach der das „Abbrennen pyrotechnischer Gegenstände in unmittelbarer Nähe von Kirchen, Krankenhäusern, Kinder- und Altersheimen sowie Reet- und Fachwerkhäusern“ verboten ist. Daher werden die Feuerwerksplätze auf Parkplätzen eingerichtet. Dies wurde bereits vor der Pandemie so praktiziert. 

Feuerwerk der Kategorie F2 umfasst sogenanntes Kleinfeuerwerk, also auch Böller, Raketen und Batterien. In den vergangenen beiden Jahren war diese Art Feuerwerk bundesweit von einem Verkaufsverbot betroffen. So wollte man den Andrang in den Notaufnahmen in der Hochphase der Corona-Pandemie an Silvester eingrenzen.

Hann. Münden: Abbrennplätze am Tanzwerder

Damit der Jahreswechsel auch sicher vonstattengeht und nicht in der Notaufnahme endet, sind einige Ratschläge und Regeln zu beherzigen. Hann. Mündens Stadtsprecher Mathias Simon weist darauf hin, dass nur Feuerwerkskörper mit der Bezeichnung „F1“ oder „F2“ verwendet, vertrieben oder überlassen werden dürfen.

Alle Feuerwerkskörper mit der alten Bezeichnung „Klasse I“ oder „Klasse II“ dürfen nicht mehr verwendet, vertrieben oder überlassen werden.

Zudem solle man darauf achten, nur Feuerwerkskörper mit aufgedruckter CE-Kennzeichnung und europäischer Zulassungsnummer einer in der Europäischen Union ansässigen „Benannten Stelle“ zu benutzen. Feuerwerk ohne die Kennzeichnung sei illegal und „potenziell gefährlich“.

Nicht jedes Feuerwerk darf benutzt werden

Um Verletzungen am Körper zu vermeiden, sollten zudem Sicherheitsregeln beachtet werden: Feuerwerkskörper auf den Boden legen und mit ausgestrecktem Arm anzünden. Nach dem Zünden ausreichenden Sicherheitsabstand einhalten. Raketen mit dem Führungsstab in Flaschen stellen, gegen Umfallen sichern, zum Beispiel die Flasche in eine Getränkekiste stellen und so ausrichten, dass sie nicht auf Gebäude niedergehen können. Das Verkürzen oder Entfernen der Lenkstäbe ist gefährlich. Weiter sollten Feuerwerkskörper nicht von Balkonen und aus Wohnhausfenstern gezündet und hinuntergeworfen werden. Bei Notfällen wie Verletzungen und Bränden sollte unverzüglich die 112 angerufen und so Feuerwehr und Rettungsdienst alarmieren werden.

Die HNO-Praxisgemeinschaft Dr. med. Frank Böhm und Marcus Hochhaus aus Hann. Münden haben die Ohren ihrer Patienten im Blick. In Hinblick auf die „Knallerei“ an Silvester warnen sie deshalb vor bleibenden Schäden wie Tinnitus und Hörverlust, die durch ein Knalltrauma erlitten werden können.

HNO-Ärzte aus Hann. Münden warnen vor Gehörschäden

„Die Lautstärke wird häufig unterschätzt“, berichtet HNO-Arzt Marcus Hochhaus. Es würden den Pegel bis 160 Dezibel (dB), mit Schreckschusspistole sogar über 180 dB, erreicht, was in der Lautstärke einem startenden Düsenflugzeug gleichkomme. Er rät deshalb zu einem Gehörschutz wie Ohrstöpsel beziehungsweise zu einer entsprechenden Distanz zu explodierenden Raketen oder Böllern.

Größere Schallimpulse könnten ansonsten zu einem Schaden im Mittelohr führen, hierbei könne insbesondere das Trommelfell einreißen, sowie die Gehörknöchelchenkette beschädigt werden. Auch das Innenohr könnte geschädigt werden, zudem könnten Explosionen einen Hörsturz auslösen, warnt Dr. med. Frank Böhm. In solchen Fällen sollte in den ersten Tagen nach dem Ereignis ein Arzt aufgesucht werden. (Jens Döll)

Käuder müssen mindestens 18 Jahre alt sein

Klassisches Silvesterfeuerwerk der Kategorie F2 ist an der Kennzeichnung „F2“ bzw. „PII“ erkennbar und darf in diesem Jahr nur am Donnerstag, Freitag und Samstag, 29., 30. und 31. Dezember, an Personen ab 18 Jahren verkauft werden. Das Abbrennen dieser „Pyrotechnische Gegenstände“ ist ausschließlich am 31. Dezember und am 1. Januar erlaubt. Dieses Feuerwerk darf nicht in der Nähe von brandgefährdeten Gebäuden wie Fachwerkhäusern gezündet werden.

Zur Kategorie F2 zählen insbesondere Feuerwerksbatterien, Raketensortimente, Einzelraketen, Leuchtfeuerwerk, Flugartikel und Knallartikel (zum Beispiel „Chinaböller“). Auf den Verkaufsverpackungen ist die Kategorie angegeben, sodass bereits beim Kauf grundsätzlich Klarheit herrschen sollte, wo das Feuerwerk gezündet werden darf. Daneben gibt es noch drei andere Kategorien: F1 steht für Kleinstfeuerwerk mit geringer Gefahr. Es darf das ganze Jahr über an Personen ab zwölf Jahren verkauft werden. Nur von Profis, die eine besondere Genehmigung haben, darf Pyrotechnik der Klassen F3 (Mittelfeuerwerk) und F4 (Großfeuerwerk) erworben. (Bernd Schlegel)

In Göttingen und vielen anderen Orten gibt es ein Böllerverbot an bestimmten Stellen.

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