Firma Stryker zu Gast

Von Knochen und Nägeln: Fortbildung am Klinikum in Hann. Münden

Die Fortbildungsteilnehmer stehen vor dem Lastwagen der Medizintechnikfirma Stryker auf dem Hof des Krankenhauses in Hann. Münden. Sie tragen Kittel und Mundschutz. In dem Mobile Lab fand eine Fortbildung zu Knochenbrüchen und deren Therapie statt.
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Fortbildung: Das „Mobile Lab“ der Firma Stryker war zu Gast beim KHM. Dr. Georg Fieseler (links) organisierte zusammen mit Izabela Sumera-Kolle (Vierte von links) von Stryker den Ausbildungstag für das Personal.

Die moderne Medizin macht stetig Fortschritte. Damit das Personal in Krankenhaus darauf reagieren kann, braucht es Fortbildungen. Beim Krankenhaus Hann. Münden (KHM) war ein besonderer Lastwagen zu Gast.

Hann. Münden – Fein säuberlich liegt das Besteck auf dem Tisch. Nägel, Bohrer und anderes Handwerkzeug. An den Wänden sind Bildschirme angebracht, die das menschliche Skelett zeigen. Schematisch werden Platten, Schrauben und Nägel dargestellt, mit denen Knochenbrüche behandelt werden.

Hann. Münden: Ärzte üben das Richten von Knochen

Die Assistenzärzte schauen sich die metallenen Instrumente interessiert an und beginnen die ersten Fragen an das Fachpersonal zu stellen. Der Medizintechnikhersteller Stryker war mit einem sogenannten „Mobile Lab“ am Klinikum in Hann. Münden zu Gast. Dabei handelt es sich um einen vollausgerüsteten Lastwagen, in dessen Anhänger Ärzte, Medizinstudenten und anderes medizinisches Personal mit den Produkten der Firma arbeiten und somit mit der Technik Erfahrungen machen. „Statt an acht Tischen arbeiten wir wegen Covid-19 nur an vier“, erklärt Stryker-Mitarbeiterin Izabela Sumera-Kolle.

An einem der Tische erklärt Kevin Sader, ebenfalls von der Medizintechnikfirma, den beiden Assistenzärzte Carlos Centeno und Alexandru Tiroga den Einsatz von Gammanägeln, die verwendet werden, um hüftgelenksnahe Brüche des Oberschenkelknochens zu stabilisieren. Dazu zählen in erster Linie die Oberschenkelhalsbrüche. Geübt wird an einem Kunststoffknochen.

Ziel: Patienten sollen schneller wieder mobil werden

„Es sind nur noch kleine Schnitte nötig, und es gelingt uns mit dieser Technik, die Patienten nach der Operation schneller wieder mobil zu machen“, erklärt Oberarzt Rüdiger Opitz, Facharzt für Unfallchirurgie und Orthopädie im Mündener Klinikum (KHM). Das sei vor allem bei älteren Patienten wichtig.

Der Nagel wird mit einem sogenannten Zielgerät angelegt, dies hilft den beiden Assistenzärzten bei dem Eingriff und lässt Röntgenstrahlen hindurch. Das Gerät sieht aus wie ein schwarzer Handgriff, an dem viele Markierungen und Bohrlöcher angebracht sind.

Bruch richten: Rüdiger Opitz (von links), Carlos Centeno und Alexandru Tiroga üben an einem Kunststoffknochen. Izabela Sumera-Kolle (rechts) assistiert.

„Es gibt in der Medizintechnik laufend Fortschritte, davon sind natürlich nicht alle nobelpreisverdächtig, aber es tut sich sehr viel“, berichtet Georg Fieseler, Chefarzt der Unfallchirurgie und Orthopädie im KHM. Früher wurde sehr viel mit Platten repariert, heute werden Nägel eingesetzt. Dabei sei aber „Nagel nicht gleich Nagel“.

US-Firma seit Jahren Partner des Krankenhauses in Hann. Münden

Stryker sei seit Jahren ein Partner des Klinikums. Natürlich werden solche Veranstaltungen von der Firma genutzt, um für neue Produkte zu werben, aber sie sind auch wichtige Fortbildungsmöglichkeiten für das Personal. Die Medizinstudenten der Uni Göttingen, die am Krankenhaus ihr praktisches Jahr absolvieren, die Assistenzärzte, die Ärzte und Pfleger absolvieren jeweils verschiedene Lehrgänge, die in dem Truck angeboten werden. „Je nach Wissensstand werden andere Handgriffe gezeigt“, sagt Fieseler. Während bei den Studenten noch viel von Grund auf erklärt werde, werden die Assistenzärzte vor eine Problemstellung gestellt, die sie dann lösen müssen.

Neben den einzelnen Tischen, an denen verschiedene Knochenbrüche simuliert und gerichtet werden, wird nach ein digitaler Operationsassistent vorgestellt. Dieser gibt Tipps für die Operation und weist auf Ungenauigkeiten hin.

Klinikum Hann. Münden eines der wenigen ausgewählten Krankenhäuser

„Wir sind stolz, dass wir im Jahr 2020 zu einer der ausgewählten Kliniken gehören, denen der Truck einen Besuch abstattet“, sagt Fieseler. In Niedersachsen ist sonst noch die Universitätsmedizin in Göttingen ein Stopp. Die Initiative für diese Veranstaltung kam von der jetzigen Stryker-Mitarbeiterin und ehemaligen OP-Fachleitung des Vereins-Krankenhauses Hann. Münden, Izabela Sumera-Kolle, erklärt Fieseler.

Von Jens Döll

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