150. Jahre

Forstbotanischer Garten feiert Geburtstag: Oase der Ruhe unter Bäumen

Besucher schätzen den Garten auch wegen seiner Blütenpracht.  
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Besucher schätzen den Garten auch wegen seiner Blütenpracht.  

Er bildet eine Oase der Ruhe in Hann. Münden: Der Fortsbotanische Garten. Die Anlage feiert ihren 150. Geburtstag. Leiter Volker Meng weiß viel über die Geschichte der Anlage zu berichten 

Hann.Münden– 150 Jahre nach seiner Eröffnung lässt der Forstbotanische Garten Hann. Münden auch heute noch das Herz bei vielen Baumfreunden höherschlagen. Obwohl der Garten einst viel größer war, im Laufe der Geschichte wurden ihm zweimal größere Flächen abgenommen, ist er noch heute mit vielen dendrologischen Höhepunkten gespickt (Dendrologie ist die Lehre von Bäumen und Sträuchern).

Hann. Münden: Forstbotanischer Garten 1870 eröffnet

Sein erster technischer Leiter, der königliche Gartenmeister Hermann Zabel, war für die damalige Forstakademie, aber auch für die Stadt Hann. Münden ein absoluter Glücksgriff. Zabel schaffte es, den völlig neugegründeten und am 25. April 1870 eröffneten Forstbotanischen Garten innerhalb nur weniger Jahre weltweit bekannt zu machen und in der Spitze der botanischen Gärten und Arboreten zu etablieren.

Zabel verfügte über sehr gute botanische Grundlagen, eine hervorragende Beobachtungsgabe und war als Gründungsmitglied der Deutschen Dendrologischen Gesellschaft international bestens vernetzt. Er bearbeitete viele Gehölzgattungen und veröffentlichte unter anderem über die Mitteilungen der Deutschen Dendrologischen Gesellschaft etliche, auch international gesehen, qualitativ hochwertige Arbeiten, die zum Teil noch heute in der Dendrologie bestand haben. Er war die prägende Gestalt des Gartens.

Seltene Holzarten im Forstbotanischen Garten in Hann. Münden 

Einige der schönsten Gehölze, deren wegen noch heute international bekannte Dendrologen immer wieder nach Hann. Münden in den Forstbotanischen Garten kommen, gehen noch auf sein Wirken zurück. 

Seit Ende 1972 gehört der Garten zum Forstamt Hann. Münden und wird von hier auch betreut. Zu den etlichen dendrologischen Perlen im Garten gehören die beiden Tupelobäume, Nyssa sylvatica, beide sind die größten ihrer Art in Deutschland, sowie die aus Japan und Korea stammende Ermans Birke, die uns im Herbst mit ihrer leuchtend goldgelben Herbstfärbung entzückt. 

Blick auf die frühere Forstakademie, die 1872 ihre Pforten öffnete: Die ehemalige Königlich Preußische Forstakademie Hannoversch Münden stand an der Stelle des heutigen Spiel- und Bolzplatzes am Welfenschloss. Unser Bild zeigt rechts einen Flügel des Welfenschlosses. 

Ein Baum vor dem zum Beispiel Philippe de Spoelberch der Präsident der Belgischen Dendrologischen Vereinigung vor einigen Jahren voller Ehrfurcht stand und sein Glück, diesen nach seiner Ansicht, größten und schönsten Baum seiner Art in Europa, in seiner ganzen Pracht bestaunen zu können, nicht fassen konnte. Und von diesen Superlativen gibt es noch einige mehr zu bestaunen.

Forstbotanischer Garten als Oase der Ruhe in Hann. Münden 

Mündener Bürger schätzen den Garten aber nicht nur wegen seiner Bäume, sondern auch als Oase der Ruhe und als Vogelparadies. Der Garten hat mit seinen tausenden von Schneeglöckchen und den zart lila blühenden Elfenkrokussen bereits im Februar seinen ersten Blütenhöhepunkt. Es folgen viele weitere Frühlingsgeophyten wie das Buschwindröschen oder die Schlüsselblumen.

Den Abschluss bildet dann der Bärlauch, der mit seinem weißen, nach Knoblauch duftenden Blütenrausch verzaubert. Aber auch die Gehölze haben im Frühjahr viel zu bieten. Da sind zum einen natürlich die bekanntesten Züchtungen von Zabel wie die im Eingangsbereich stehende schneeweiß blühende Brautspiere oder die von Zabel erstmalig beschriebene Forsythia x intermedia, die unsere Gärten noch heute mit ihren goldgelben Blüten beglückt.

Die beiden Mammutbäume (Metasequoia glyptostroboides) waren die dendrologische Sensation des letzten Jahrhunderts, da sie bis zum Auffinden einiger Bäume in China nur als Fossilien bekannt und als schon vor Millionen von Jahren ausgestorben galten. Beide Bäume gehören zu den ältesten und größten Exemplaren ihre Art außerhalb von China.

Den Jahresabschluss bieten dann die vielen Früchte und natürlich das farbliche Specktakel der Herbstfärbung.

Geschichte in Hann. Münden: Die Königlich Preußische Forstakademie

Die Königlich Preußische Forstakademie wurde 1868 auf Anordnung des preußischen Königs Wilhelm I. in Hann. Münden gegründet. Als erste Einrichtung der Akademie wurde am 25. April 1870 der Forstbotanische Garten eröffnet. 

Die Akademiegebäude nahm man erst am 15. Oktober 1872 in Betrieb. 1922 wurde die Akademie in eine Forstliche Hochschule umgewandelt. 1939 folgte die Angliederung an die Georg-August-Universität Göttingen, aber der Standort in Münden blieb erhalten. Im Wintersemester 1970 wurde er dann nach Göttingen verlegt. Das Bauwerk in den Wallanlagen verfiel und wurde abgerissen. Geblieben ist der Forstbotanische Garten, auch wenn er heute deutlich kleiner ist als bei seiner Gründung. Zweimal musste er Flächen abgeben. An der Stelle der Akademie in den Wallanlagen befindet sich heute ein Kinderspielplatz

Der Autor dieses Artikels über den Forstbotanischen Garten in Hann. Münden: Volker Meng

Unser Autor Volker Meng (62) ist Technischer Leiter des Forstbotanischen Gartens und des Arboretums der Universität Göttingen. Zum 150. Geburtstag des Forstbotanischen Gartens in Hann. Münden am 25. April hatte er in enger Abstimmung mit dem für den Garten zuständigen Leiter des Forstamtes Hann. Münden, Dr. Thomas Schmidt-Langenhorst, der Deutschen Dendrologischen Gesellschaft und der Stadt Hann. Münden ein dreitägiges Festprogramm vorbereitet, das wegen der Coronaeinschränkungen ausgefallen ist.

Volker Meng Technischer Leiter des Forstbotanischen Gartens und des Arboretums der Universität Göttingen 

Das Fest soll im Spätsommer oder Herbst nachgeholt werden. Genau genommen, so Meng, sollten an diesem Tag gleich drei Themen gewürdigt werden: der 150. Geburtstag des Forstbotanischen Gartens, der seit 1952 auch in Deutschland jährlich am 25. April stattfindende Tag des Baumes und die Kürung des nationalen Rekordbaums des Jahres 2020 im Forstbotanischen Garten. 

Dabei geht es um den größten Baum seiner Art in Deutschland. Angesichts der Tatsache, dass sich im Forstbotanischen Garten gleich mehrere niedersächsische und nationale Rekordbäume befänden, sei es der Deutschen Dendrologischen Gesellschaft nicht schwergefallen, sich für Hann. Münden zu entscheiden, sagte Meng.

Von Volker Meng und Ekkehard Maaß 

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