Geschichten aus dem Gasthaus

„Zur Brücke“ in Lippoldshausen: Über 100 Jahre in Familienhand

Wirtin Katja Weitemeyer hinter der Theke im Gastraum ihres Gasthofes „Zur Brücke“ in Lippoldshausen.
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Wirtin Katja Weitemeyer hinter der Theke im Gastraum ihres Gasthofes „Zur Brücke“ in Lippoldshausen.

Gasthäuser gehören zum Bild eines Dorfes dazu. Und doch sinkt die Zahl der Gaststätten im Land. In loser Folge stellen wir Gasthäuser aus dem Altkreis Münden vor. Heute: Zur Brücke in Lippoldshausen.

Lippoldshausen – „Nach welcher Brücke ist der Gasthof benannt?“, eine Frage die Wirtin Katja Weitemeyer vom Gasthof „Zur Brücke“ in Lippoldshausen oft hört. „Am Dorfbach gab es mal eine Brücke, nach dieser wurde der Gasthof wohl benannt“, berichtet sie.

Dass das Restaurant auf eine lange Geschichte zurückblicken kann, davon zeugt eine Urkunde im Gastraum. Diese wurde 2007 ausgestellt und bezeugt den 100. Geburtstag. 1907 übernahmen die Eheleute Bürmann eine alte „Colonialwarenhandlung“ und begannen mit dem Bierausschank, berichte Weitemeyer, geborene Mühlhausen. Heute, nach über 100 Jahren, befindet sich der Gasthof immer noch in Familienhand.

Großmutter inserierte in Tageszeitungen und machte Werbung

„Der Aufschwung kam in den 1950ern“, berichtet die Wirtin. Der Sohn der Gründer führte das Geschäft weiter, in den 1970ern erkannte seine Schwägerin, dass dem Gastgewerbe die Zukunft gehöre, nicht der Landwirtschaft. Das Gasthaus war ab Ende 1977 unter den Besitzern Christine und Hartwig Mühlhausen beliebtes Ausflugsziel für eine „Sommerfrische“.

„Meine Großmutter hat in Tageszeitungen in Berlin, Hannover, Hamburg und Bremen inseriert und für den Gasthof als Übernachtungsmöglichkeit für Ausflügler geworben“, berichtet Katja Weitemeyer.

Auf der Speisekarte steht gutbürgerliches Essen, darunter selbst hergestellte Bärlauchbratwurst, Schinken, Leberwurst und Sülze. Bis Mitte der 2000er Jahre habe es auch Hausschlachtungen gegeben.

Gasthaus „Zur Brücke“ in Lippoldshausen lädt zum Verweilen ein. Seit 100 Jahren ist das Geschäft in Familienhand, es hat sich viel geändert.

Historischer Saal stellt Besonderheit dar

Eine Besonderheit der „Brücke“ stellt der historische Saal dar, in dem über 100 Leute Platz haben. Viele dieser Säle seien im Zuge des Aufbaus von Dorfgemeinschaftshäusern abgerissen oder anderweitig verwendet worden, berichtet die Wirtin. „Dieses Jahr werden keine großen Veranstaltungen mehr in dem Saal mit Bühne stattfinden, daher haben wir uns entschieden, ihn zu renovieren“.

Auch die 15 Gästezimmer wurden in den vergangenen Jahren saniert. Die Ställe von früher mussten weichen und 2010 einem Biergarten Platz machen.

„Für Umbauarbeiten und technische Fragen ist mein Ehemann Frank verantwortlich“, sagt Weitemeyer. Auch Seniorchefin Christine Mühlhausen steht noch in der Küche. Die „Brücke“ sei bei Radfahrern und Wanderern sehr beliebt, das Gasthaus profitiert davon, dass der Werra-Burgensteig durch Lippoldshausen führt.

Ein Team des NDR dreht in Hann. Münden-Lippoldshausen

Auch viele Monteure würden in den Zimmern übernachten, dies habe sich auch positiv auf die Bilanz während der akuten Coronakrise ausgewirkt. „Während der Baustelle der ICE Strecke hatten wir Bauarbeiter, die jahrelang unsere Gäste waren“, berichtet die Wirtin. Mit der NDR-Landpartie mit Heike Götz hielt sogar ein Fernsehteam Einzug. Die Moderatorin fütterte damals Schweine und stellte Bärlauchbratwurst her. Musikalisch geht es Donnerstag zu, dort singt in normalen Zeiten der Chor des SVG Lippoldshausen. Stammtische gebe es sonst aber keine. (Von Jens Döll)

In der Nachbarschaft „Zur Brücke“ gibt es noch einen weiteren Gasthof in dem 600-Seelen-Ort. „Zum Krug.

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