Geschichten auf dem Gasthaus

Wirt in siebter Generation: Das Gasthaus Brauner Hirsch bei Hann. Münden

Gastwirt Torsten Roß steht vor dem Gasthaus Brauner Hirsch in Laubach, einem Stadtteil von Hann. Münden.
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Torsten Roß führt das Gasthaus Brauner Hirsch in Laubach in der siebenten Generation.

Gasthäuser gehören zum Bild eines Dorfes dazu. Und doch sinkt die Zahl der Gaststätten im Land. In loser Folge stellen wir Gasthäuser aus dem Altkreis Münden vor. Heute: Brauner Hirsch in Laubach.

Laubach – Aus Skandinavien, den Niederlanden und allen Teilen Deutschlands kommen Gäste nach Laubach ins Gasthaus Brauner Hirsch, um dort zu speisen und auch zu übernachten. Im Winter locken die Plätze am Kachelofen, im Sommer der idyllisch gelegene Bier- und Cafegarten mit Panoramablick auf das Grundbachtal.

Brauner Hirsch bei Hann. Münden: Viele Durchreisende halten an

„Es sind sehr viele Durchreisende, die auf der Fahrt von Norden nach Süden oder auch umgekehrt hier Station machen“, erzählt Torsten Roß, der das Gasthaus zusammen mit seiner Frau Franziska seit 2015 führt. Zum Team gehören 14 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.

Seine erste Erwähnung hat das Gasthaus 1744, da als „Vorspannwirtschaft“. Die Fuhrleute erhielten dort zusätzliche Gespanne als Zugunterstützung, außerdem wurden sie verpflegt. 1835 erwarben die Vorfahren von Torsten Roß das Gasthaus, seitdem ist es im Familienbesitz, mittlerweile in der siebenten Generation.

Gastwirtschaft statt Landwirtschaft

Nach und nach rückte der Fremdenverkehr in den Vordergrund. 1988 brannte die an das Gasthaus angrenzende, überwiegend landwirtschaftlich genutzte Scheune, in der sich auch ein Tanzsaal befand, komplett nieder. Da beschlossen die Eltern von Torsten, Gertrud und Helmut Roß, die Landwirtschaft aufzugeben und sich stattdessen für das Gastgewerbe zu entscheiden. Bei einer Sanierung wurden acht neue Gästezimmer geschaffen, 1989 stand die Neueröffnung an.

Es fanden immer wieder Um- und Anbaumaßnahmen sowie Modernisierungen der Fremdenzimmer und auch der Gasträume statt. Waren anfangs eine Waschschüssel mit Wasserkrug in den Zimmern, folgten Waschbecken mit fließend Wasser und dann Sanitäranlagen auf jeder Etage. Heute verfügt jedes der zwölf Fremdenzimmer über ein eigenes Bad. Sechs weitere Zimmer sind zurzeit im Bau. „Mein Großvater hat die Gäste mit dem Pferdefuhrwerk von der Laubacher Bahnstation abgeholt“, erinnert sich Torsten Roß. Es seien viele Vollpensionsgäste aus dem Ruhrgebiet gewesen. Schon damals schätzten die Gäste das gute ländliche Essen mit regionalen Zutaten. Es gab für alle Gäste das Gleiche. Damals waren Rheinischer Sauerbraten, Spießbraten, Rouladen und Schweinebraten der Renner, serviert in Schüsseln.

Gutbürgerlich geht es zu im Braunen Hirsch in Laubach bei Hann. Münden

Auch heute noch wird die gehobene, gutbürgerliche Kost stets frisch zubereitet aus frischen regionalen Zutaten. Wild kommt aus heimischen Wäldern, Fisch aus hiesigen Flüssen und Teichen, Kartoffeln aus Gertenbach, Gemüse und Obst möglichst aus der Region und Fleisch von einem Landwirt aus Thüringen. „Auf Produkte aus Übersee wird bei uns weitestgehend verzichtet“, betont Roß. „Natürlich kann ich kein Schnitzel für 5,99 Euro anbieten, aber ich möchte hinter dem stehen, was ich verkaufe. „Ich freue mich jedes Mal wenn Gäste kommen, die schon bei meinen Eltern und Großeltern gespeist haben“, so der Gastwirt.

So beispielsweise ein Paar aus Dänemark, das jedes Mal kommt, wenn es in der Nähe ist. „Als Gastwirt muss man schon eine gewisse Portion Wahnsinn mitbringen, aber ich möchte nichts anderes machen, ich bin hier groß geworden und es gibt viele nette Begebenheiten mit den Gästen“, sagt Roß. „Ich hatte den Betrieb gerade übernommen, da kam eine Dame, die die Feier ihres 100. Geburtstages mit mir durchsprechen wollte. Mit dabei war ihre 80-jährige Tochter. Zum Ende sagte sie dann, dass sie mich zwei Wochen vorher anrufen würde, ob sie noch lebe. Und tatsächlich rief sie an. Bis zu ihrem 103. Geburtstag hat sie mit ihren Gästen bei uns gefeiert“.(Von Petra Siebert/zpy)

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