Schätze im Museum

Hann. Münden: Geheimnisse der Keramikkunst

Im Städtischen Museum im Welfenschloss ist eine große und prachtvolle Fayence-Sammlung zu finden.
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Im Städtischen Museum im Welfenschloss ist eine große und prachtvolle Fayence-Sammlung zu finden.

Keramik wurde lange in Hann. Münden gefertigt. In unserer Reihe Schätze im Museum geht es nun um diese Schmuckstücke.

Hann. Münden – In der mittleren Ebene des Städtischen Museums im Welfenschloss in Hann. Münden ist eine große Sammlung von Fayencen zu finden. Die Herstellung dieser Keramikprodukte wird in zehn Schritten auf Tafeln beschrieben, eine historische Töpferscheibe ergänzt die Erläuterungen.

Hann. Münden: Mündener Fayencemanufaktur wurde 1754 gegründet

Carl Friedrich von Hanstein gründete im Jahr 1754 die Mündener Fayencemanufaktur, die 100 Meter außerhalb der Stadtmauern lag. In der Zeit nach dem Siebenjährigen Krieg (1756 bis 1763) bis zum Beginn des 19. Jahrhunderts erlebte das Unternehmen seine Blütezeit. Die drei versetzten Halbmonde aus dem Wappen der Familie, die jeweils wie der Buchstabe „c“ geformt sind, wurden zum Markenzeichen der Manufaktur. Unter dem Sohn des Firmengründers, Johann Carl Friedrich von Hanstein, wuchs das Unternehmen, 1788 waren dort 38 Arbeiter tätig.

Diese Fayence entstand um 1770. Sie wurde von Johann Jacob Erhard bemalt.

Absatzgebiete waren das Kurfürstentum Hannover und benachbarte Fürstentümer. Durch die Steingutproduktion ab 1793 wuchs die Zahl der Arbeiter nochmals bis auf 56. Nachdem sie den Besitzer mehrfach gewechselt hatte, wurde die Manufaktur schließlich von dem Mündener Kaufmann Ernst Wüstenfeld 1854 geschlossen. Zu den besonders aufwendigen Produkten der Mündener Manufaktur gehören die Netzvasen, deren Körper in einem durchbrochenen Dekor stecken. Im Städtischen Museum werden unter anderem Potpourri-Vasen mit Netzstruktur, die in der bürgerlichen Wohnkultur des 18. und 19. Jahrhunderts als Luxusartikel galten, präsentiert. Um bei den Netzvasen den Vasenkörper in das fertige Netz einzusetzen, wurde es durch einen senkrechten Schnitt geöffnet und dann wieder verschlossen.

Vasen als Raumlufterfrischen

Als Potpourri wird eine Vase, die der Verbesserung der Raumluft dient, bezeichnet. Die bauchigen Vasen verfügten meist über einen durchbrochenen Deckel und einen geschlossenen Innendeckel. Wurde der Innendeckel entfernt und die Vase in der Nähe des Ofens platziert, strömte der Duft heraus. Pflanzenteile, wie Blüten und Wurzeln, wurden mit Kräutern, Gewürzen und Schalen von Zitrusfrüchten angesetzt. Frische Blüten konservierte man durch Salz, Blätter wurden getrocknet. Pflanzenauszüge und ätherische Öle verstärken den Duft. Heute werden nicht nur die Gefäße, sondern auch fertige Duftmischungen als Potpourri bezeichnet. Musikalische Kompositionen, die aus mehreren bekannten Stücken bestehen, werden ebenfalls Potpourri genannt. (Bettina Wienecke)

Öffnungszeiten

Das Städtische Museum im Welfenschloss, Schlossplatz 5, in Hann. Münden, Tel. 0 55 41/7 52 02 und 7 53 48, wird mittwochs bis sonntags von 13 bis 16 Uhr geöffnet. Der Eintritt für Kinder bis zum vollendeten siebten Lebensjahr ist frei, darüber kostet er 1,50 Euro, ab 18 Jahren: 3,50 Euro, die Familienkarte kostet 8 Euro.

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