Hann. Münden während Corona

Altstadt wieder voller Leben - Erste Geschäfte öffnen nach Coronaschließungen

Shoppen in der Krise: Die Mündener Innenstadt, hier die Lange Straße, war am Montagmittag gut gefüllt. Die Menschen nutzten die Chance, erstmals wieder in Einzelhandelsgeschäften einkaufen gehen zu können.
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Shoppen in der Krise: Die Mündener Innenstadt, hier die Lange Straße, war am Montagmittag gut gefüllt. Die Menschen nutzten die Chance, erstmals wieder in Einzelhandelsgeschäften einkaufen gehen zu können.

Desinfektionsmittel, Handschuhe, Masken und Plexiglasscheiben vor den Kassen: Viele Mündener Einzelhändler durften am Montag erstmals wieder die Türen für ihre Kunden öffnen und waren gut vorbereitet.

Mode- und Sportartikel, Spielzeug, Haushaltswaren und CDs – erste Lockerungen der Coronaauflagen zogen am Montag viele Menschen in die Innenstadt.

Allerdings gibt es strenge Vorschriften: Nur Geschäfte, deren Verkaufsfläche nicht größer als 800 Quadratmeter ist, dürfen öffnen. Auch die Anzahl der Kunden, die sich gleichzeitig im Laden aufhalten dürfen, ist eingeschränkt. Pro 20 Quadratmeter ist nur ein Kunde erlaubt. Sicherheitsabstände müssen eingehalten werden und am Liebsten sind den Geschäftsleuten bargeldlose Zahlungen.

„Wir freuen uns natürlich sehr, dass wir wieder öffnen dürfen und haben darum auch diverse Maßnahmen zum Schutz der Kunden und Mitarbeiter getroffen,“ so Andreas Sadowsky, Abteilungsleiter von Sport-Treff und Mitglied des Leitungsteams der Mündener Gilde. Für die Mündener Einzelhändler sei die Zwangsschließung eine große Herausforderung gewesen und sei es nach wie vor: „Wir alle sind jetzt auf die Unterstützung der Mündener angewiesen, die ihrer Stadt helfen können, indem sie vor Ort einkaufen und damit den regionalen Handel stärken“, so Sadowsky. Auch der Kauf von Gutscheinen sei jetzt eine gute Entscheidung.

Er warnt aber ausdrücklich vor sogenanntem Einkaufs-Tourismus: „Wir müssen alle weiterhin vernünftig und diszipliniert handeln, sonst kann es passieren, dass wir in wenigen Wochen wieder vor der Schließung stehen“, gibt er zu bedenken.

Heike Beuerman vom Tee- und Weinhandel Beuermann hatte in den vergangenen Wochen an wenigen Tagen stundenweise auf: „Ich freue mich, dass andere wieder da sind“. Solange aber Cafés und Restaurants geschlossen blieben und die Touristen nicht zurückkehrten, könne noch lange nicht von Normalität die Rede sein. Sie hätte sich außerdem eine Maskenpflicht für den Einzelhandel gewünscht.

Kunden sollen Stoßzeiten vermeiden

Seit gestern dürfen laut Landesregierung in Niedersachsen alle Geschäfte bis 800 Quadratmeter Verkaufsfläche und unabhängig von der Größe auch Kfz- und Fahrradhändler sowie Buchhandlungen unter strengen Hygieneregeln und Zugangssteuerungen wieder öffnen. Beim Einkaufen und in öffentlichen Verkehrsmitteln wird das Tragen von Alltagsmasken empfohlen. Außerdem gelte es, Stoßzeiten zu vermeiden. Infos zu Maskentypen finden Sie im Innenteil.

Musik für wartende Kunden

Seit Montag dürfen viele Geschäfte wieder für ihre Kunden öffnen. Das hat deutlich mehr Menschen in die Mündener Innenstadt gelockt, als in den vergangenen Wochen. In der Marktstraße war die Veränderung sogar zu hören:

Der Mündener Plattenhändler „Icke“ hat sein Geschäft nach fünf Wochen Pause wieder geöffnet und spielt in gewohnter Manier ausgewählte Stücke über Lautsprecher auf der Straße. Klaus-Werner Kirbach, wie der Inhaber mit vollem Namen heißt, hat seinen kleinen Laden nach den Corona-Regeln hergerichtet: Absperrband im Abstand von 1,5 Metern klebt auf dem Boden, am Eingang hängt Desinfektionsmittel.

Da der Laden sehr schmal ist, und Kunden gerne stöbern und Beratung in Anspruch nehmen, habe er einen Wartebereich mit Kaffee eingerichtet. Kirbach erwartet zunächst nur Stammgäste, Laufkundschaft habe vielleicht noch zu viel Angst, vorbei zu kommen.

Umgang mit den Corona-Regeln: Klaus-Werner Kirbach bietet wartenden Kunden vor seinem kleinen CD-Laden Kaffee an.

Gegenüber liegt der Spielwarenladen Hendrich. Am 29. März ist das Geschäft 30 Jahre alt geworden. Die große Feier ist ausgefallen. Umso mehr freut sich Inhaberin Ilona Stadler nun, wieder öffnen zu können. An der Eingangstür steht ein Tisch mit zehn Körben und Desinfektionsspray. Einlass ist hier nur mit Korb und Maske erlaubt. „Ich denke, wir werden es überleben“, sagt Stadler.

Umgang mit den Corona-Regeln: Jessica Riddel und Ilona Stadler zählen ihre Kunden im Spielwarengeschäft Hendrich mithilfe von Einkaufskörben.

„Die Leute kommen und haben Lust zu kaufen“ sagt Tatjana Schlossbauer. Sie führt das Kleidungsgeschäft LaLanka, das es bereit seit 40 Jahren in Hann. Münden gibt. Die vergangenen Wochen habe sie telefonische Bestellungen entgegengenommen und Ware aus dem Schaufenster sowie Gutscheine verkauft. Die Zukunft des Geschäfts hänge nun davon ab, ob die Kunden wiederkommen.

Auch Kerstin Mitteldorf, Inhaberin des alteingesessenen Mündener Modegeschäfts Radziwinski’s Men-Shop musste in den vergangenen Wochen eine neue Strategie entwickeln. Sie hat begonnen, einen Teil ihres Sortiments im Internet anzubieten, nachdem sie ihren Laden vorübergehend schließen musste. „So konnte ich weiterhin für meine Kunden da sein und gleichzeitig wenigstens ein wenig Umsatz machen“, so Mitteldorf. Weil sie viele positive Rückmeldungen bekommen hat, will sie auch weiterhin neue Ware im Internet präsentieren und über das Web Kontakt zu ihren Kunden halten.

Umgang mit den Corona-Regeln: Heike Beuerman schützt sich und ihre Kunden im Tee- und Weinhandel durch Plexiglas.

Finanziell wird die Coronakrise Einzelhändlern und Gastronomen noch lange zu schaffen machen, fürchtet die Geschäftsfrau. Normalität müsse schließlich erst langsam wieder einkehren und Kredite irgendwann zurückgezahlt werden. Die Wirtschaft sei auf loyale Kunden angewiesen.

Solche sind Hermann Staub und Günter Suhr. Beide waren am Montagmittag in Hann. Münden unterwegs und unterstützten die lokalen Einzelhändler mit ihren Einkäufen. „Für mich ist es selbstverständlich in Hann. Münden einzukaufen und nicht im Internet zu bestellen“, sagt Hermann Staub. Auch Mündener Gastronomen habe er in den vergangenen Wochen gerne unterstützt, denn nur so könne man Innenstädte lebendig halten. Günter Suhr schätzt vor allem die persönliche Beratung in den Geschäften, die er jetzt wieder in Anspruch nehmen kann. „Ein nettes Wort gehört für mich zum Einkaufen dazu“, sagt Suhr, der sich Sorgen um die Mündener Einzelhändler macht und darum am Montag einer der ersten Kunden war.

VON KIM HENNEKING UND WIEBKE HUCK

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