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Von der Fabrik an die Bücher: Arbeiter in Hann. Münden konnten im Bildungsverein lernen

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Von: Sarah Schnieder

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1902 wurde das Vereinsheim in der Ziegelstraße 45 errichtet. Über dem Eingang ist ein Bienenkorb zu sehen. Das Motto lautet: „Ohne Fleiß - keinen Preis“.
1902 wurde das Vereinsheim in der Ziegelstraße 45 errichtet. Über dem Eingang ist ein Bienenkorb zu sehen. Das Motto lautet: „Ohne Fleiß - keinen Preis“. © : Walter Blum, Stadtarchiv/Repro: Sarah Schnieder

Bilder für Arbeiter: dafür setzte sich in Hann. Münden ab 1860 ein Verein ein. Es wurde ein heim gesucht. Nach Feierabend stand für die Mitglieder dann also Unterricht in beispielsweise Mathematik, Lesen und Schreiben auf dem Plan.

Hann. Münden – Nach der gescheiterten Revolution von 1848/49 begann für die damaligen Revoluzzer - maßgeblich mit der autoritären Regierungsform im Klinsch liegende Bildungsbürger und verarmte Handwerker - eine Zeit der Einschränkungen. Das war auch in Münden zu spüren. Dort betraf das vor allem die Arbeiter. Erst 1860, als sich die politische Lage wieder etwas entspannt hatte, ging es wieder bergauf.

Hann. Münden: Verein setzte sich für Bildung ein

So gründete sich 1862 der ehemalige Arbeiterverein als Arbeiterbildungsverein neu. Wie der Name schon sagt, war das Ziel, Arbeitern Wissensvermittlung zu ermöglichen, sodass sie Chancen auf eine lebenswirtschaftliche Verbesserung erhielten.

Nach Feierabend stand für die Mitglieder dann also Unterricht in beispielsweise Mathematik, Lesen und Schreiben - seinerzeit in diesem Ausmaß noch keine Selbstverständlichkeit für das einfache Volk - aber auch Zeichnen und Buchführung auf dem Plan.

Ab 1864 fand der Unterricht im alten Lateinschulhaus beim Rathaus statt. Im selben Jahr erhielt der Verein außerdem eine Feuerspritze und konnte damit die erste Arbeiterfeuerwehr ins Leben rufen. Unter Vorsitz von August Kaup (Klempnermeister und Bürgervorsteher), Adolph Schwarz (Einzelhändler) und Ernst Abendrot (Buchbinder) schaffte der Verein es schnell zu ungeahnter Blüte und machte sich, durch seinen stetig wachsenden guten Ruf, die Aufgabe zu eigen, sich auch um die „jungen Gewerbegehülfen und Arbeiter“ zu kümmern - nämlich: sie „vor den vielfachen socialen Abirrungen zu bewahren“. 1878 trat das „Gesetz gegen die gemeingefährlichen Bestrebungen der Sozialdemokratie“ in Kraft, was jedoch nicht dazu führte, dass der Verein abgeschafft wurde. 1890 - nachdem jenes Gesetz wieder Geschichte war - feierte der gesellschaftlich kaum mehr wegzudenkende Verein (es war inzwischen auch ein Arbeitergesangverein daraus entstanden sowie die Sterbekasse zur Unterstützung Hinterbliebener gegründet) Stiftungsfest und die ganze Stadt feierte mit. Der Verein wuchs und wuchs und bald wurde das alte Schulhaus zu klein.

Hann. Münden: Suche nach einem Vereinsheim

Aber: Ein neues Vereinsheim muss irgendwie bezahlt werden. Das versuchte der Verein mittels eines eigens eingerichteten Baufonds, in den fünf Pfennig des leicht erhöhten Mitgliedsbeitrags sowie Einnahmen aus Veranstaltungen beispielsweise des Gesangvereins flossen. Das half nur bedingt, sodass 1896 zu Spenden aufgerufen wurde. Trotz vielseitiger Hilfe dauerte es noch einige Jahre, bis eine Lösung greifbar war. 1902 war es dann so weit: An der Ziegelstraße entstand ein neues, modernes Vereinsheim. Das Erdgeschoss beherbergte Unterrichtsraum, Lesezimmer und Bibliothek. Die zweite Etage war für Veranstaltungen reserviert.

So beispielsweise das Einweihungsfest am 04.10. 1903. Zugegen waren neben dem damaligen Bürgermeister Weißker auch Landrat Von Stockhausen und Superintendent Schumann sowie Pastor Meyer, der die Ansprache hielt. Der Andrang aus Mündens Bevölkerung, das neue Vereinsheim gebührend einzuweihen, war so groß, dass der Festsaal des gerade erst neu gebauten Hauses schlicht zu klein war. So zeigte sich auch hierin die stetig gewachsene und gesellschaftlich wichtige Rolle, die der Arbeiterbildungsverein seinerzeit in Münden hatte. (Sarah Schnieder)

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