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Denkmalschutz am Rathaus Hann. Münden bereits 1880 aktiv

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Die Idee von Cuno: Die tiefer ausgeschnittenen Fenstergewände sorgen für mehr Licht. Weiße Wandflächen akzentuierten, die dunkelfarbigen Holzeinbauten
Die Idee von Cuno: Die tiefer ausgeschnittenen Fenstergewände sorgen für mehr Licht. Weiße Wandflächen akzentuierten, die dunkelfarbigen Holzeinbauten, © Stadtarchiv Hann Münden

Der Umbau der Rathaushalle in den 1880er-Jahren war ein Fall für den Denkmalschutz. Auch der Künstler Gustav Eberlein bot sich an.

Hann. Münden – In den 1880er-Jahren wurde am Rathaus von Hann. Münden ordentlich Hand angelegt, um es als Baudenkmal wieder in Wert zu setzen. In Fragen des Denkmalschutzes stand Regierungsbaurat Hermann Cuno (1831-1896) der Stadt fachlich zur Seite. Er hatte an der Marburger Elisabethkirche Erfahrungen gesammelt. Er vertrat, dem Baustil der Erbauer nahekommen zu können, in dem er allen alten Putz abschlagen ließ, dieses geschah sowohl in der Rathaushalle als auch an der Außenfassade und das, obwohl die Fassade ursprünglich verputzt war.

Hann. Münden: Hermann Cuno war wegweißend

Mündens Steinbrüche lieferten weitgehend das Baumaterial, allerdings sind die bildhauerischen Möglichkeiten des hiesigen Sandsteins sehr begrenzt. Nur mit Mühe gelang es, Quader aus den Steinen zu schlagen. Die Folge „unruhiges“ Mauerwerk, die Lösung, verputzen! Plastisches und Figurales wurde aus den Sandsteinen geschlagen, die in Gertenbach, Spiekershausen oder Wahnhausen gebrochen wurden. Obgleich von den Zeitgenossen für die scheinbare Wiederherstellung der Ursprünglichkeit gelobt, tat er der Fassadenwirkung dauerhaft damit keinen Gefallen. Der nun der Verwitterung ausgesetzte Kalkmörtel lockerte sich auf. Wasser drang besser in das Mauerwerk ein. Ein rußig grauer Kasten, so sah das Rathaus Ende der 1970er Jahre aus.

Entwurf für die Ausmalungen der unteren Rathaushalle von etwa 1886 von Gustav Eberlein.
Entwurf für die Ausmalungen der unteren Rathaushalle von etwa 1886 von Gustav Eberlein. Rechts der Eingang zur Ratsstube. Links eines der beiden noch kleineren Fenster zur Ziegelstraße. Oberhalb der Wandnische ein Fisch. Abgebildet ist ein Stör, der 1682 unterhalb der Graumühle an der Fulda gefangen wurde, er zierte schon von Alters her die Rathaushalle. © Stadtarchiv Hann. Münden

Nun aber zu der wiedergewonnenen Rathaushalle, die von störenden Trennwänden befreit, wieder zu Glanz gebracht werden sollte. Gustav Eberlein bot sich an, die Wände der unteren Rathaushalle mit Ausmalungen zur Geschichte der Stadt zu versehen. Quasi eine Ruhmeshalle der Stadtgeschichte.

Gustav Eberlein: Idee für die untere Rathaushalle

Hermann Cuno bewertete diese Idee abschlägig. Seiner Ansicht nach war die untere Rathaushalle zu dunkel. Man kann dieser seinerzeitigen Sichtweise zustimmen, denn die Lichtquellen im Rathaus waren zu dieser Zeit noch Petroleumlampen. An der Südseite warfen die alte Linde und die Lateinschule ihren Schatten auf das Rathaus und die beiden zur Ziegelstraße zeigenden Fenster wurden erst später nach unten erweitert. Eberleins Entwürfe, von denen sich leider nur zwei Fragmente auf Transparent- bzw. Pauspapier erhalten haben, setzten sich nicht durch. Die Folge war ein weißer Anstrich der Wände und damit ein deutlicher Kontrast zu den dunkel gefassten Holzeinbauten und den fünf Stützen der unteren Rathaushalle.

1889, nur wenige Jahre später, erhielt das Rathaus Gaslicht und 1920 zogen die Glühbirnen in das Rathaus ein. Die „Schattenspender“ Linde und Lateinschule waren auf der Südseite entfernt worden und so wart es buchstäblich Licht in dem alten Gemäuer. Die untere Rathaushalle wirkte auf die Zeitgenossen etwas aufgeräumt langweilig. Ein Chronist beschrieb die weiße Tünche an den Wänden als „Kuhstall-Weiß“. Zeitgenosse Georg Fischer übermittelte uns noch Worte, die ein Kritiker auf die Rückseite des Schornsteins schrieb: „Es leiden viele Leute an Farben-Blindheit, ohne es selbst zu wissen!“ Ob Eberlein oder Cuno ansprechend, man weiß es nicht.

Idee nach vielen Jahren wieder aufgegriffen

Bürgermeister Dr. Rudolf Haarmann und seine Frau Henny griffen den Gedanken an eine Ausmalung der unteren Rathaushalle erneut auf und fanden in Kunstprofessor Rudolf Siegmund eine gestaltende Hand, der die untere Rathaushalle in seiner jetzigen Farbigkeit 1929 ausführte. (Stefan Schäfer)

Gebaut und erneuter wird im Mündener Rathaus immer wieder. So wird gerade daran gearbeitet, das Gebäude barrierefrei zu machen. Bei den Förderungen gab es allerdings immer wieder Probleme. Eine imposante Kaiserstatue sollte neben dem Rathaus aufgestellt werden, dies wurde aber verhindert.

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