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„Brot muss bezahlbar sein“: Bäckereien im Raum Hann. Münden kämpfen mit steigenden Kosten

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Von: Michael Cebula

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Achim Spangenberg, Bäckermeister aus Hedemünden, ist Inhaber der Bäckerei Spangenberg in Hedemünden.
Achim Spangenberg, Bäckermeister aus Hedemünden, ist Inhaber der Bäckerei Spangenberg in Hedemünden. © Michael Cebula

Bäckereien kämpfen mit steigenden Kosten. Auch Achim Spangenberg aus Hedemünden hadert mit der Situation. „Existenzängste hast du als Selbstständiger immer. Doch das, was derzeit passiert, ist viel weitreichende“, sagt er.

Hedemünden – Das Bäckerhandwerk kämpft mit den explodierenden Energiepreisen und mit deutlichen Preissteigerungen bei Zutaten: Auf die Betriebe kommen für Erdgas deutliche Mehrkosten zu – oft haben sie sich sogar verfünffacht.

Raum hann. Münden: Bäckereien leiden unter steigenden Kosten

Achim Spangenberg, Bäckermeister und Inhaber der Bäckerei Spangenberg in Hedemünden (Ortsteil von Hann. Münden), befürchtet, dass Kunden durch Preiserhöhungen der Backwaren „eher zum günstigeren Supermarkt gehen als zur lokalen Backstube“ und Bäckereien im Kreis durch erhöhte Kosten um ihre Existenz bangen müssen.

„Wir müssen uns an den Markt stellen und versuchen, mit Qualität den Kunden zu überzeugen. Denn der Einzelhandelspreis war, und ist niemals für den lokalen Bäcker realisierbar“, sagt Bäcker Achim Spangenberg.

Doch der Inhaber der Bäckerei Spangenberg ist sich bewusst: „Um die Kunden nicht zu verlieren, können wir die Kosten nicht eins zu eins an sie weitergeben, sonst kann sich der Kunde das Brot irgendwann nicht mehr leisten und wir müssten schließen.“ Auch seine Lieferanten seien davon betroffen, er berichtet von einem Mühlenbetrieb aus Ahnatal, der „keinen Stromversorger mehr bekommt und enorme Existenzängste hat“ und davor stehe, seinen über Generationen alten Familienbetrieb möglicherweise schließen zu müssen. Achim Spangenberg berichtet, er habe nach Gesprächen „leider nicht den Eindruck, dass diese Problematik bei der Politik zur Diskussion steht und dort angekommen ist.“

Hessen: Bäcker wünschen sich Hilfen um Kosten abzufedern

Diesen Eindruck gehe auch über den Landkreis hinaus nach Waldeck-Frankenberg. Dort berichtet uns Michael Bienhaus, Obermeister der Bäcker-Innung Waldeck-Frankenberg, dass man vom Staat nicht gesehen werde. „Wir sind vom Energiekostendämpfungspaket ausgeschlossen“, sagt Michael Bienhaus. Dieser hatte auch einen Brandbrief an die heimischen Landtags- und Bundestagsabgeordneten versendet und dringt wie Bäckermeister Achim Spangenberg auf „staatliche Hilfe in Form von unbürokratischer finanzieller Unterstützung, wie einem Energiepreisdeckel.“

Rohstoffe zum Teil doppelt so teuer

„Bei Rohstoffen mussten wir bereits schon eine Preissteigerung von 20 bis 30 Prozent hinnehmen, Mehlpreise haben sich sogar verdoppelt und dann kommen auch die hohen Energiepreise hinzu“, berichtet Achim Spangenberg, Bäckermeister und Inhaber der Bäckerei Spangenberg in Hedemünden. „Die Preise für Rohstoffe, Strom, Erdgas, Heizöl sind in einer Dynamik auf zu uns Bäcker zugekommen, wie wir es so noch nicht erlebt haben. Zusätzlich kommt noch die Erhöhung des Mindestlohns“, sagt Bäckermeister Achim Spangenberg im Gespräch mit unserer Zeitung.

Vergangenes Jahr habe er noch für einen Liter Heizöl 80 Cent zahlen müssen, mittlerweile habe sich der Betrag auf 1,60 Euro verdoppelt. Für Energie bezahle Spangenberg inzwischen 28 Cent die Kilowattstunde für sein Unternehmen. Er habe immer alles auf den Prüfstand gestellt, um die Energiekosten so gut wie möglich kalkulieren zu können, doch mittlerweile sei dies unvorhersehbar. Inhaber Achim Spangenberg sagt: „Manche Energieverbraucher schmeißen ihre Kunden raus. Da kann ich aktuell noch darüber froh sein, dass ich beim Grundversorger unter Vertrag stehe“.

„Systematischen Fehler seit Jahrzehnten“

Bei dem Preisanstieg sehe der Bäckermeister aus Hedemünden einen „systematischen Fehler seit Jahrzehnten“. Seit über 20 bis 30 Jahre habe sich der Preis der Rohstoffe nicht sonderlich erhöht. „Anstatt dieser kontinuierlich über die Jahrzehnte angestiegen ist, hat uns Bäcker diese plötzliche Erhöhung wie ein Schlag getroffen“, erläutert Bäckermeister Spangenberg. Am 1. Oktober hat sich der Mindestlohn auf 12 Euro brutto je Arbeitsstunde erhöht, dies betrifft auch die Bäckereien. Achim Spangenberg erläutert: „Es ist natürlich nicht so, als ob ich den Arbeitnehmern nicht gönnen würde, mehr Geld zu verdienen. Doch ich kann ja nicht mehr geben, als ich habe.“

Mangel an Fachkräften

Es gibt 14 Innungsbetriebe in der Bäcker-Innung Südniedersachsen. Viele von ihnen suchen dringend Verstärkung für ihr Team. Die Kreishandwerkerschaft vermeldet noch immer unbesetzte Ausbildungsplätze für Bäcker und für Fachverkäufer im Lebensmittelhandwerk, Fachrichtung Bäckerei. Auch in vielen anderen Branchen herrscht Not: Derzeit fehlen zurzeit etwa 1,7 Millionen Fachkräfte im Land, sagt Wolfgang Scholz von der Kreishandwerkerschaft Schwalm-Eder

Denn auch die Logistik sei durch die derzeitigen Benzinpreise nicht günstig für seine Backstube. Die Bäckerei Spangenberg „beliefert jeden Samstag und Sonntag zusätzlich fünf Dörfer“ mit frischen Backwaren. Die Mehrkosten haben Konsequenzen für die Bäckerei von Achim Spangenberg: „Leider sind wir gezwungen, ab dem 1. November das zweite Mal dieses Jahr unsere Preise für Backwaren zu erhöhen“, berichtet Achim Spangenberg. Die aktuelle Situation lasse sich nicht einschätzen, genauso wie die politischen Entscheidungen, deshalb lasse es nicht anders darstellen als die Preise moderat anheben zu müssen. „Fahren auf Sicht“, beschreibt Achim Spangenberg die Preiserhöhung von seinen Backwaren. Doch ihm sei wichtig, dass seine Kunden sich das Brot leisten können.

„Brot muss bezahlbar sein, es ist ein Grundnahrungsmittel und systemrelevant anerkannt.“

„Brot muss bezahlbar sein, es ist ein Grundnahrungsmittel und systemrelevant anerkannt.“ Doch die Gesamtsituation gehe auch nicht spurlos an dem Inhaber vorbei. „Existenzängste hast du als Selbstständiger immer. Doch das, was derzeit passiert, ist viel weitreichender. Wir sind alle Teil dieser Dynamik, deshalb benötigen wir dringend Unterstützung“, sagt Spangenberg. Er sei im Glück, schuldenfrei mit seiner Bäckerei zu sein.

Denn die Bäckerei Spangenberg in Hedemünden, eröffnet 1862, ist ein Familienbetrieb in fünfter Generation. Doch er möchte nicht das sein Handwerk ausstirbt. „Im Altkreis Münden gibt es nur noch drei Bäckereien, es ist schwierig Nachwuchs zu finden.“ Auch seine Bäckerei Spangenberg sei davon betroffen, denn auch er habe aktuell keinen potenziellen Nachfolger.

Hedemünden: Bäcker Spangenberg hat Existenzängste

„Wichtig sei aber die aktuelle Situation für unsere Bäckereien“, betont Achim Spangenberg. „Es geht nicht ohne staatliche Hilfe, wir brauchen unbedingt eine Beruhigung der Preisdynamik. Mit einem Energiepreisdeckel oder ausgezahlten Zuschüssen“, sagt Spangenberg und sehe hierbei auch die lokalen Politiker in der Pflicht. (Michael Cebula)

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