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Eine Heimat für die Arbeiter: Die Geschichte Hermannshagens

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Von: Sarah Schnieder

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Auf dieser Ansichtskarte circa aus dem Jahr 1905 sieht man die erste Bebauung entlang der Hedemündener Straße.
Auf dieser Ansichtskarte circa aus dem Jahr 1905 sieht man die erste Bebauung entlang der Hedemündener Straße. 1901 nahm die Kautabakfabrik von Fischer & Herwig die Produktion auf. © Repro: Stefan Schäfer

Hermannshagen, ein Stadtteil von Hann. Münden, wurde als Arbeitersiedlung angelegt. Um den Fabrikarbeitern bezahlbaren Wohnraum bieten zu können, gründete sich der Gemeinnützige Bauverein. Der Bau des ersten Hauses begann 1899 und zwar am heutigen Wiershäuser Weg.

Hann. Münden – Wenn heute von Hermannshagen die Rede ist, wissen eingefleischte Mündener sofort, dass der Richtung Wiershausen am Berg gelegene Stadtteil zwischen B 80 und Bramwald gemeint ist.

Hermannshagen: Ursprung im Jahr 1303

Das war jedoch nicht immer so. Eine erste Spur auf Hermannshagen findet sich in einer Urkunde vom 21. Dezember 1303. Graf Otto von Waldeck übertrug den halben Zehnten der Ortschaften Volkmarshausen und Hermannshagen an das Stift Hilwartshausen. In der lateinisch verfassten Urkunde lautete der Name damals Hermanshayn.

Demnach war Hermannshagen damals ein Siedlungsplatz. Zwischen 1587 und 1605 gibt es dann weitere unterschiedliche Namensgebungen: Harmenshagen, Hermershagen. In der Kurhannoverschen Landesaufnahme von 1785 ist vom Hermannshäger Feld die Rede. Von wo bis wo sich das ehemalige Dorf am Ufer der Werra erstreckte, ist heute nicht mehr nachzuvollziehen. Es gab im Laufe der Zeit jedoch verschiedene Theorien.

Eine davon bezieht sich auf die Lage zwischen Wiershausen und dem Stadtteil Mündens, den wir heute als Hermannshagen kennen. Annahmen, dass das ehemalige Dorf als Furtsiedlung auf der rechten Werraseite zwischen Blümer Berg und Querenburg angelegt wurde, sind jedoch seit den 1960er-Jahren aufgrund archäologischer Keramikfunde in Ackerflächen neben der Querenburg obsolet.

Ein Dorf konnte schon damals ohne Wasserzufluss nicht bestehen

Warum? Die Antwort ist recht simpel: Ein Dorf konnte schon damals ohne Wasserzufluss nicht bestehen. Eine abschließende, gesicherte Erklärung zum Ursprung liegt also leider nicht vor. Es steht nur fest, dass die Siedlung, warum auch immer sie anfänglich dort errichtet worden war, spätestens Ende des 14. Jahrhunderts wieder verlassen worden war.

Was wir jedoch wissen, ist, dass im Nachklang der Industrialisierung mehr Arbeiter in die Stadt kamen und Wohnraum benötigten. Ab der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts siedelten sich zahlreiche Firmen im heutigen Hermannshagen an. Darunter die Kautabakfabrik Fischer & Herwig und die Schmirgelfabriken von Wandmacher & Co. sowie Pannertz.

Rotenburg an der Werra

Um den Fabrikarbeitern bezahlbaren Wohnraum bieten zu können, gründete sich der Gemeinnützige Bauverein. Der Bau des ersten Hauses begann 1899, und zwar am heutigen Wiershäuser Weg. Im Zuge der nun neu entstehenden Siedlung brauchte selbige natürlich auch einen Namen. Der Bauverein entschied sich damals für Hermannshausen. Sogar in sämtlichen Reden zur feierlichen Grundsteinlegung war stets von Hermannshausen die Rede. Nun ist aber offensichtlich: Dieser Name hat sich nicht durchgesetzt.

Warum aus Hermannshausen letztlich Hermannshagen wurde, ist nicht geklärt. Historisch gesehen gibt es keine klare Begründung, denn Namen hatte dieser Bereich – wie zu sehen war – im Laufe der Zeit viele. Fest steht nur: Hermannshagen wurde im frühen 20. Jahrhunderts zum Arbeiterviertel, was nicht zuletzt auch Münden in den politisch damals turbulenten Zeiten zu einem temporären Zweitnamen verhalf: Rotenburg an der Werra. (Sarah Schnieder)

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