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Über dem Werratal werden die Seile der Leitung Wahle-Mecklar eingezogen

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Von: Thomas Schlenz

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Was auf den ersten Blick einfach aussieht, ist ein hochkomplexes Unterfangen: Leiterseile werden eingezogen bei der Hochspannungsleitung Wahle-Mecklar.
Was auf den ersten Blick einfach aussieht, ist ein hochkomplexes Unterfangen: Leiterseile werden eingezogen bei der Hochspannungsleitung Wahle-Mecklar. © Thomas Schlenz

Über dem Werratal werden die Seile der Leitung Wahle-Mecklar eingezogen. Die Arbeiten sind dafür in luftiger Höhe. Ungefährlich ist das nicht, sie sind aber alle Spezialisten.

Hann. Münden – Auf einer Waldlichtung unmittelbar neben der Schnellfahrstrecke Hannover-Kassel der Deutschen Bahn thront der Mast mit der Nummer 80. Er ist Teil der neuen Hochspannungsleitung von Wahle nach Mecklar, die auch durch den Altkreis Münden führt.

Hann. Münden: Hochspannungsleitungen werden gebaut

Nur stecknadelgroß wirken die drei Arbeiter, die in etwa 50 Metern Höhe auf dem stählernen Koloss das Einziehen der Leiterseile vorbereiten. Gut gesichert huschen sie über eingehängte Leitern, tauchen im Blickfeld auf, verschwinden wieder, bringen Seilrollen und Zugseile in Position.

„Gestern konnten wir hier nicht arbeiten“, erklärt Sven Obst von der Firma Cteam Consulting & Anlagenbau GmbH, die das Baulos an dieser Stelle betreut. Wegen des Frosts hatte sich Eis an den Masten gebildet, sodass die Arbeit zu gefährlich gewesen wäre.

Die Monteure sind gut geschult: Jeder von ihnen hat eine Ausbildung in Höhenrettung, alle sind Ersthelfer, dazu kommen Elektrofachkräfte.

Fast den gesamten Arbeitstag verbringen die Monteure auf dem Mast, nur für die Mittagspause kommen sie hinunter. Gearbeitet wird von Sonnenauf- bis Sonnenuntergang.

Kabel haben großes Gewicht und müssen lange Distanz überbrücken

Die von unten so fein und dünn wirkenden Leiterseile haben es in sich: Zwei Kilogramm wiegt ein Kabel – pro Meter wohlgemerkt. Und von diesem Mast zum nächsten, auf der anderen Seite der Werra, sind es 700 Meter.

Die Kabel bestehen aus einem Stahlkern und einer Ummantelung aus Aluminium. Die Kabel, die hier verbaut werden, kommen aus der Türkei: „Hochspannungsbau ist international“, sagt Dr. Marco Bräuer vom Übertragungsnetzbetreiber Tennet.

Die Kabel würden teils über weite Strecken auf dem Seeweg und dann per Lkw hergebracht. Die tonnenschweren Leiterseile werden auf Rollen zum Lagerplatz angeliefert. Mit einem Teleskopstapler werden diese so positioniert, dass Kabel von einer Seilwinde gezogen werden können.

Doch das geht nicht einfach so: Per Helikopter war vor Kurzem zunächst ein hauchdünnes Vorseil an den Masten angebracht worden. Über dieses haben die Monteure ein etwas dickeres Seil eingezogen.

Mit einem sogenannten Ziehstrumpf, einem korbähnlichen Drahtgeflecht, wird an diesem Seil das eigentliche Leiterseil, durch das später einmal der Strom fließen wird, befestigt.

Pro Seil wirken beim Seilzug Kräfte von zwölf Tonnen auf den Mast

Eine Seilwinde zieht die Kabel dann über die am Mast angebrachten Seilrollen und schließlich über die 700 Meter Spannweite oberhalb von Werra und B 80 bis zum nächsten Mast, normal sind eher Abstände von um die 500 Metern. Überspannte Straßen werden mit einem Schutzgerüst gesichert. Pro Seil wirken beim Seilzug Kräfte von zwölf Tonnen auf den Mast.

Insgesamt wirken damit Kräfte von bis zu 170 Tonnen allein auf einen Mast. Deswegen muss der Mast beim Seilzug mit speziellen Abspannseilen zusätzlich stabilisiert werden. „Das wird alles genau berichtet, pro Mast gibt es ein 20-seitiges statisches Gutachten“, erklärt Sven Obst.

Das wird alles genau berichtet, pro Mast gibt es ein 20-seitiges statisches Gutachten.

Sven Obst

Wegen der Länge der zu überbrückenden Strecke und des Seilgewichts arbeite man mit dem sogenannten Einzelseilzug.

Die verwendete zweispurige Winde könnte aber zwei Seile ziehen und habe insgesamt eine Zugkraft von neun Tonnen. Angetrieben wird sie von einem Dieselmotor. Ein Maschinenführer bedient sie per Fernsteuerung. Während des Seilzugs ist Teamarbeit und gute Kommunikation gefragt: „Wir sind alle über Funk miteinander verbunden“, erklärt Obst. Wenn die neue Leitung erst mal steht, ist sie laut Marco Bräuer für eine lange Lebensdauer ausgelegt: Man gehe von einer Haltbarkeit von mehr als 50 Jahren aus.

Kontrollen sollen die Haltbarkeit der Leitungen verlängern

Sichergestellt werde dies auch durch regelmäßige Kontrollen. Auch der Klimawandel finde mittlerweile Berücksichtigung: Die Leitungen seien für das Auftreten von Wind und Eis deutlich großzügiger ausgelegt als früher, erklärt Sven Obst von der Firma Cteam.

Nach der Fertigstellung des Seilzugs über die Werra folge demnächst als weiteres spektakuläres Manöver die Überspannung der A 7 und der ICE-Trasse, berichtet Marco Bräuer abschließend. (Thomas Schlenz)

Auch in anderen Bereichen des HNA-Gebietes schreiten die Arbeiten an der Hochspannungsleitung Wahle-Mecklar voran. Beispielsweise in Söhrewald.

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