Mündener Urgestein

Hann. Münden: Icke hat seit Jahrzehnten einen Plattenladen

Icke vor seinem Plattenladen. Die Sonnenblume sei ein „Besuchermagnet“.
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Icke vor seinem Plattenladen. Die Sonnenblume sei ein „Besuchermagnet“.

Klaus-Werner Kirbach in Hann. Münden kennt jeder nur als Icke. Er hat seit den 1970er-Jahren einen Plattenladen an der Marktstraße. Er berichtet von einem Leben mit viel Musik.

Hann. Münden – Von Berlin über Hannover nach Hann. Münden: Klaus-Werner Kirbach ist ein Hann. Mündener Urgestein. Klaus-Werner wer? Er ist den meisten Einwohnern der Dreiflüssestadt unter seinem Spitznamen „Icke“ bekannt.

Unter dem Namen kennt man auch seinen Plattenladen an der Marktstraße, den er seit Mitte der 1970er-Jahre führt. Momentan sind einige große Sonnenblumen sein ganzer Stolz. Sie wachsen vor seinem Laden. „Sie sind die grüne Lunge der Marktstraße und dienen vielen Touris als Fotomotiv“, sagt er und lacht. Icke ist ein humorvoller Mensch. Geboren wurde er in Berlin, wann genau, das erzählt er nicht. „Die Arbeit hält mich jung“, sagt er, als er nach seinem Alter gefragt wird.

Hannover: Dort wurde Icke als DJ entdeckt

Bevor er aber im September 1975 seinen Laden eröffnete, hatte er noch einige andere Lebensstationen: Icke machte eine Ausbildung als Elektriker. In Hannover wurde er DJ. „Ich sollte im Club 4 einen französischen DJ vertreten“, berichtet er. Damals sei er 18 oder 19 Jahre alt gewesen, es war Ende der 1960er-Jahre.

Dabei sei er als DJ entdeckt worden. In dieser Zeit sei auch sein Spitzname Icke entstanden. „Das kommt daher, weil ich aus Berlin komme“. Von der niedersächsischen Landeshauptstadt aus ging es für ein paar Monate nach Büsum.

Dort legte er als DJ in einem zur Disko umfunktionierten Gasthaus auf. Hier bekam er auch den Anruf, dass er nach Hann. Münden, Hannoversch Münden, wie es damals offiziell hieß, kommen sollte. Er legte im Bergschlösschen und im Ratskeller auf. „Es gab immer wieder Schlägereien zwischen Schülern der Polizeischule und Soldaten aus der Kaserne“, erinnert er sich. Die DJ-Agentur wollte ihn damals weiter vermitteln, er wollte allerdings in Hann. Münden bleiben. Icke fühlte sich in der kleinen Stadt an den drei Flüssen heimisch. Insgesamt legte er vier Jahre im Bergschlösschen und im Bürgerkeller auf. Später stand er auch hinter dem Tresen, auf das DJ-Sein hatte er „keine Lust mehr“.

Einige Zeit führte er eine Kneipe, die den Namen „Weißes Ross“ trug und an der Langen Straße lag. „Ich hatte einen Billardtisch, zwei Flipper und Geldspielautomaten. Es war das erste Jugendlokal in Münden“. Etwa zwei Jahre war er Kneipenchef, danach verschlug es ihn ins Automatengeschäft. „Back to the roots – zurück zu den Wurzeln dachte ich mir dann“, sagt er und meint die Zeit, als er ins Plattengeschäft einstieg. Die „Wurzeln“ sind für ihn die Musik. Er stieg in den Plattenladen „Boots“ ein.

„Wir wollten das Geschäft nach dem Aldi-Prinzip aufziehen, von Nord nach Süd“

„Wir wollten das Geschäft nach dem Aldi-Prinzip aufziehen, von Nord nach Süd“, berichtet er. Es gab Filialen in Hannover, Braunschweig, Kassel, Göttingen und eben in Hann. Münden. „In Hannover hatten wir ein Lager, dort war Ware im Wert von einer Million D-Mark.“ Auch einige Musiker produzierten sie, davon haben sich aber manche Alben „wie Blei“ im Laden gehalten.

Icke trennte sich von seinen Geschäftspartnern und behielt den Laden in Hann. Münden. Zum Logo von „Boots“ kam „Ickes Plattenladen“ dazu. Über die Jahrzehnte hat sich das Geschäft geändert. Icke erzählt, dass es noch andere Plattenläden in Hann. Münden gab, er ist der Letzte, der durchgehalten hat. Früher seien die Schulkinder Stammgäste bei ihm gewesen.

Heute hat er zahlreiche Stammkunden. „Einer ist ein Mündener, der jetzt in Luzern lebt.“ Richtig viel los gewesen sei, als Prinzessin Diana 1997 beerdigt wurde und Elton John „Candle in the Wind“ sang. Die Single habe er „kistenweise“ verkauft.

Icke ist Fan der Beatles, in einem Schaukasten hat er zahlreiche Bilder und Archivalien zusammengetragen. Zudem kann man seit einem Jahr in seinem Laden Pakete abholen und abgeben. Wie lange er noch weiter machen will, weiß er nicht. „Die Arbeit hält mich eben jung“, sagt er und lacht. (Jens Döll)

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