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Fan aus Hann. Münden: Ein Brief an das Idol Jimi Hendrix

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Von: Jens Döll

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Eckhard Bergmann aus Hann. Münden trägt ein T-Shirt mit dem Geschicht von US-Musiker Jimi Hendrix. Er steht mit dem Rücken zur Sankt Blasius Kirche in Hann. Münden
Stilecht im Hendrix-Shirt: Eckhard Bergmann aus Hann. Münden ist Fan seit seiner Jugend und betriebt eine Hendrix-Fanseite. © Jens Döll

Eckhard Bergmann aus Hann. Münden veröffentlicht auf seiner Fan-Seite Grüße zum 80. Geburtstag. Er betreibt die, nach seiner Aussage, größte Hendrix-Fan-Page in Deutschland.

Hann. Münden – Die Musikerlegende Jimi Hendrix würde am Sonntag, 27.11.2022, 80 Jahre alt werden. Viel zu früh starb der Ausnahmemusiker, mit nur 27 Jahren. Der Mündener Eckhard Bergmann ist großer Hendrix-Fan. Seit den 1990er-Jahren betreibt er im Internet eine Fanseite zu Jimi Hendrix. Er hat seinem Idol zum Geburtstag einen Brief geschrieben.

Hann. Münden: Eckhard Bergmann ist Hendrix-Fan durch und durch

„Dein Mix aus Wah-Wah, Phaser, Flanger, Echo und Feedback hat mich von Hey Joe an stoned gemacht, ohne zu rauchen. Du hast wahrscheinlich DAS Album des Jahrtausends mit Electric Ladyland abgeliefert, was da an Studio-Produktions-Tricks abgeht, ist selbst viele Jahre nach Entstehen unerreicht und auch heute immer noch jeglicher Zeit voraus“, schreibt Bergmann darin. Als Jimi Hendrix im Jahr 1970 starb, war Bergmann zu jung um sein musikalisches Vorbild einmal „in echt“ zu sehen. Kurz vor seinem Tod, in einem Hotelzimmer in London, trat der Musiker zu seinem letzten Konzert im Zuge des „Love-and-Peace-Festivals“ der Insel Fehmarn auf. Bergmanns Eltern befanden ihren Eckhard damals zu Jung, um ein solches Konzert zu besuchen.

Breif an sein Idol zum 80. Geburtstag

„Alles, was mit Hendrix in Deutschland zu tun hat, läuft über meinen Schreibtisch“, sagt Bergmann und lacht dabei. Dazu zählen Plattenbörsen. Auch über die mittlerweile ausufernde Diskografie weiß der Experte Bescheid: „Hendrix hat eigentlich nur drei Alben herausgebracht.“ Doch nach seinem Tod haben seine Erben eine nahezu unüberschaubare Anzahl an Alben veröffentlicht, dazu kommen noch Raubpressungen. Auch können sich auf der Seite Fans über Konzerterfahrungen von Coverbands austauschen. Während Corona ruhten die Auftritte, doch jetzt „starten sie wieder voll durch“, berichtet Bergmann.

In seinem Brief lobt er zwei Bands besonders: „An Dich trauen sie sich nicht ran, mit Ausnahme von Randy Hansen und Electric Voodooland und die machen ihre Sache hervorragend.“ Er bezieht sich darauf, dass andere Rockgrößen wie „AC/DC und ZZ/Top“ sehr viele Coverbands haben.

Bergman beschreibt auch, was Hendrix Musik mit ihm gemacht hat: „Vielmehr war das Intro von Hey Joe der Kick mir auch ‘ne E-Gitarre zuzulegen, mir den Lick rauszusuchen und vor meiner Flamme damit zu glänzen. Dass ich dabei den Speaker von Mutter’s Radio zerschrotet habe hat mir echte Probleme gebracht, damals wurde mir klar, dass der Blues einen wirklich nicht alleine lässt.“ Seine Eltern seien nicht so begeistert gewesen. „Als ich Dich dann kurz darauf zum ersten Mal im Beat Club auf der Mattscheibe gesehen habe, war der Kulturschock, besonders für die Eltern, perfekt. Bedeuteten für diese Generation die Beatles damals schon den Untergang des Abendlandes war allerdings Deine Voodoo-Optik im Verbund mit dem wilden Gitarrenspiel, mit Zunge und Zähnen.“

Hendrix-Musik hat das Leben von Bergmann geprägt

Zum Geburtstag von Hendrix äußert Bergmann einen Wunsch an die Nasa, die amerikanische Raumfahrtorganisation: „Ihr habt Tondokumente von Beatles bis Beethoven auf dem Mond verbuddelt. Vergesst bitte diesmal nicht Jimi’s Scheiben auf den Mars mitzunehmen, das wird Euch nur Sympathien da oben verschaffen.“ (Jens Döll)

Der volle Brief von Eckhard Bergmann

Hi Jimi !

Du bist schuld an einer sehr merkwürdigen Angewohnheit die ich mir vor Jahren zugelegt habe. Egal in welchem Zusammenhang: Fällt Dein Name muß ich mich automatisch erheben, einmal Gerademachen und dann setz ich mich wieder hin. Beim Militär nennt man das, glaub ich, salutieren.

Du hast mit Deiner Stratocaster im Kopf völlig neue Boxen angeswitcht, Dein Mix aus Wah-Wah, Phaser, Flanger, Echo und Feedback hat mich von „Hey Joe“ an stoned gemacht ohne zu rauchen. Du hast wahrscheinlich DAS Album des Jahrtausends mit „Electric Ladyland“ abgeliefert, was da an Studio-Produktions-Tricks abgeht , ist selbst viele Jahre nach Entstehen unerreicht und auch heute immer noch jeglicher Zeit voraus. Ein Großteil dieser Perle ist ja wohl mit nur 8 Spuren aufgenommen, was ich Dich schon immer mal fragen wollte: Wieviele Spuren hast Du eigentlich für die Monster-Akustikgitarren auf „All Along The Watchtower“ verballert? Und wie ist es dazu gekommen, daß Du das „Crosstown Traffic“-Thema auf dem Kamm geblasen hast? War die Hammond im Arsch oder die Batterien im Wah-Wah leer?

Ich weiß nicht ob Du da oben mitkriegst, daß Radio hier inzwischen nur noch für Hirntote gemacht wird...? Zum Glück sah das Ende ‚ 60 noch ganz anders aus. Die BBC hatte damals eine tägliche Live-Radio-Show, dummerweise in der Mittagszeit, was zur Folge hatte, daß ich wegen Dir, Jimi, somit auch dein Hardcore-Fan geworden bin! Dein erster Auftritt in dieser Show hat mein Leben schwer verändert. Nicht nur weil ich mir von da an täglich um die Mittagszeit Schulschluß verordnet habe, in der Hoffnung Dich wieder in der Show zu hören.

Vielmehr war das Intro von „Hey Joe“ der Kick mir auch ‚ne E-Gitarre (‚ne Framus!) zuzulegen, mir den Lick rauszusuchen und vor meiner Flamme damit zu glänzen. Daß ich dabei den Speaker von Mutter‘s Radio zerschrotet habe hat mir echte Probleme gebracht, damals wurde mir klar daß der Blues einen wirklich nicht alleine läßt. Als ich Dich dann kurz darauf zum ersten Mal im „Beat Club“ auf der (schwarz-weißen) Mattscheibe gesehen habe war der Kulturschock, besonders für die Eltern, perfekt. Bedeuteten für diese Generation die Beatles damals schon den Untergang des Abendlandes war allerdings Deine Voodoo-Optik im Verbund mit dem wilden Gitarrenspiel, mit Zunge und Zähnen, die „Katastrophe“ schlechthin.

Der Spruch mit der „Urwaldmusik“ war im positivsten Sinne zu Fleisch und Blut geworden. Durch Dich bin ich zu einem der größten Fans von „Urwaldmusik“ geworden. Im Urwald gibt es aber viele Raubtiere und Du warst natürlich mittendrin, wenn da nicht, wäre es das Haifischbecken gewesen, egal, Business eben. Wie man Dich über den Tisch gezogen hat weil Du nur die Musik im Kopf hattest und Business Dir eher lästig war, ist traurig aber das hat sich bis zum heutigen Tage nicht geändert, mit dem Unterschied, daß das „Musik“-Business heute mehr von gecasteten Exhibitionisten bestimmt wird, als von Musikern. Insofern versäumst Du heute nix, idealistische Musiker mit einem Anliegen machen sich heute eher lächerlich, sind unerwünscht und megaout.

Der klägliche Rest der deutschen Live-Szene wird dafür zum größten Teil von sogenannten Coverbands bestimmt, von AC/DC bis ZZ TOP gibt es unzählige solcher Mutationen die Dir den Spaß an den Originalen verderben. Aber Jimi! Keine Angst! An Dich trauen sie sich nicht ran, mit Ausnahme von Randy Hansen und Electric Voodooland und die machen ihre Sache hervorragend.

Sag` ma Jimi, haste da oben eigentlich Kontakt zu Deinem einzigen legitimen Nachfolger Stevie Ray Vaughan? Er war so ziemlich der Einzige der eine Nummer von Dir spielen konnte ohne sie zu verhunzen. Wahrscheinlich lag das daran, daß er, wie Du, nie gegniedelt hat sondern JEDEN TON immer bitterernst gemeint hat.

Einer Deiner Songs hieß: „And The Gods Made Love“ - daraus mußt Du entstanden sein.

Noch eine Bitte an die NASA: Ihr habt Tondokumente von Beatles bis Beethoven auf dem Mond verbuddelt. Vergesst bitte diesmal nicht Jimi‘s Scheiben auf den Mars mitzunehmen, das wird Euch nur Sympathien da oben verschaffen!

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