Wallanlagen statt Kirchplatz

Hann. Münden: Klimaschutzbeauftragter kritisiert Weihnachtsmarktpläne deutlich

Die Wallanlagen. Dort sollen neben Leuchtskulpturen wie dem Eichhörnchen auch Buden für den Weihnachtsmarkt stehen. Das stoßt auf scharfe Kritik.
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Die Wallanlagen. Dort sollen neben Leuchtskulpturen wie dem Eichhörnchen auch Buden für den Weihnachtsmarkt stehen. Das stößt auf scharfe Kritik.

Die Kritik an der Idee, den Weihnachtsmarkt in Hann. Münden in den Wallanlagen stattfinden zu lassen, reißt nicht ab. Der Klimaschutzbeauftragte äußert sich dazu, sein Fazit fällt negativ aus.

Hann. Münden – Der ehrenamtliche Klimaschutzbeauftragte der Stadt Hann. Münden, Volker Meng, hat die Pläne der Hann. Münden Marketing (HMM), den Weihnachtsmarkt in den Wallanlagen zu veranstalten, nachdrücklich kritisiert. Es gehe ihm nicht darum, einen Weihnachtsmarkt zu verleiden oder zu verhindern, betonte Meng.

Hann. Münden: Kritik an Weihnachtsmarktidee reißt nicht ab

Er halte aber den Standort für völlig ungeeignet. Er verstehe nicht, warum man ihn und den ehrenamtlichen Umweltpfleger Jens Helberg nicht von Beginn an in die Planungsdiskussion mit einbezogen habe. Die Wallanlagen und der Forstbotanische Garten in Hann. Münden seien die grüne Lunge der Stadt, ein Kleinod, das es zu schützen gelte.

Meng fürchtet Schäden durch Bodenverdichtung und die Zerstörung von Baumwurzeln. „Es wird mit Fahrzeugen über wassergebundene Wege gefahren, die dafür nicht ausgelegt sind“, sagt er. Dadurch würden einerseits die Wege beschädigt, was Kosten für die ohnehin finanzschwache Stadt zur Folge habe. Andererseits schade die Bodenverdichtung den Wurzeln der Bäume.

Ein Blick von oben auf den Mündener Weihnachtsmarkt. Das ist der Weihnachtsmarkt an seinem ursprünglichen Standort in der Innenstadt. (Archivfoto)

Bei der Belieferung der Marktstände drohten zudem sogenannte Anfahrschäden an den Baumwurzeln, Mikrorisse im Wurzelwerk bildeten ein Einfallstor für Pilze, die den Baum schädigten, dazu komme der Trockenstress durch den Klimawandel. „Die Bäume sterben zwar nicht sofort“, so Meng. Er erwarte aber größere Schäden in etwa acht bis zehn Jahren. Diese zeigten sich zuerst durch absterbende Äste an den Baumkronen. Die Stadt müsse das Totholz beseitigen, was wieder Kosten nach sich ziehe.

Weitere Schäden entstünden durch die unterirdische Verlegung von Kabeltrassen, ganz abgesehen von den Stromkästen, die die Parkanlage seiner Meinung nach verschandelten, so Meng. Gerade in Zeiten des Klimawandels sei eine solche Planung nicht mehr zeitgemäß.

Hann. Münden: Toilettensituation ist das Problem

Ein großes Problem sei auch die Toilettensituation: Selbst wenn es Toilettenwagen gebe, suchten seiner Meinung nach einige Menschen lieber das Gebüsch auf, um ihre Notdurft zu verrichten. Dabei würden zum Beispiel Äste abgebrochen. Meng fordert deswegen einen anderen Standort.

„Ich warne, um absehbare Schäden abzuwenden“, sagt Mündens Klimaschutzbeauftragter Volker Meng nachdrücklich, wenn er auf die Idee eines Weihnachtsmarktes in den Wallanlagen zu sprechen kommt.

Er finde es gut, dass Matthias Biroth sich Gedanken über einen attraktiven Weihnachtsmarkt gemacht habe, das Thema sei aber „nicht zuende gedacht“: „Ich hätte mir vorher eine Diskussion über Vor- und Nachteile und alternative Szenarien gewünscht“, so Meng. Anstelle der sensiblen Wallanlagen halte er den Dielengraben oder die Wanfrieder Schlagd mit der Innenstadt für besser geeignet. „Der Packhof steht auch leer und könnte genutzt werden“, so Meng. Der Wochenmarkt lasse sich auf den Schlossplatz verlegen. Eine Eisbahn könne im Bereich des Kirchplatzes entstehen. Das Argument der Hochwassergefahr an der Schlagd sei nicht stichhaltig. Wenn überhaupt, dann sei Hochwasser im Frühjahr wahrscheinlich. Außerdem habe man in einem solchen Fall einige Tage Vorlauf, um den Markt zu entfernen.

Für viel realistischer halte er herabfallende Äste durch Stürme im Bereich der Wallanlagen, die auch eine Gefahr sein könnten. Hann. Mündens Bürgermeister Tobias Dannenberg erklärte am Mittwoch, die Entscheidung für die Wallanlagen sei vor dem Start seiner Amtszeit getroffen worden.

Dannenberg: Unglücklich, dass nicht alle mitgenommen wurden

Er halte es für unglücklich, dass bei der Diskussion damals nicht alle mitgenommen worden seien. Das werde künftig anders laufen. Es seien aber bereits Tatsachen geschaffen worden. Deswegen gelte es nun, bei der Umsetzung Schäden an den Wallanlagen möglichst zu vermeiden. Matthias Biroth hatte kürzlich erklärt, dass andere Orte sich nicht für einen Weihnachtsmarkt eigneten. Zum einen entfielen dadurch Parkplätze.

Zum anderen herrsche an den Flüssen im Winter Hochwassergefahr. Aus Brandschutzgründen könne der Weihnachtsmarkt nicht auf dem Kirchplatz vergrößert werden. Der Marktplatz müsse dem Wochenmarkt bleiben. Die Sorge um eine Versiegelung des Bodens sei unbegründet, da das gepflasterte Rondell und der Fußballplatz genutzt werden könnten. Durch das Aufstellen der Buden am Wegesrand solle das Betreten der Grünflächen möglichst verhindert werden. Toilettenwagen und Mülleimer sollten den Wall sauber halten, so Biroth. (Thomas Schlenz)

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