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Komplizierte Waldarbeiten: Kran transportiert Bäume bei Hedemünden ab

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Von: Christian Mühlhausen

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Die Seilkrananlage ist an mehreren Bäumen befestigt und transportiert Stämme aus dem Wald.
Die Seilkrananlage ist an mehreren Bäumen befestigt und transportiert Stämme aus dem Wald. © Christian Mühlhausen

Eine besondere Holzerntetechnik wird nun nahe Hedemünden (Hann. Münden) eingesetzt. Damit soll der Boden geschützt werden. Die Bäume schweben durch den Wald.

Altkreis Münden – Südniedersachsen statt Hochgebirge: Eine Seilkrananlage, mit der normalerweise aus steilen Hochgebirgslagen das Holz geerntet wird, war kürzlich in Südniedersachsen im Einsatz. Die Spezialtechnik war im Leinholz südlich von Mollenfelde und östlich von Hedemünden aktiv, das von der Revierförsterei Mollenfelde des Niedersächsischen Forstamtes Münden betreut wird.

Hann. Münden: Einsatz im Wald von Hedemünden

Zuvor war die Anlage schon in der Revierförsterei Reinhausen im Einsatz. In der Vergangenheit wurden Seilkranlagen in der Region bereits in steilen Lagen an der Weser in der Försterei Bursfelde sowie an der Bahnstrecke am Werrasteilhang kurz vor Münden in der Försterei Kattenbühl eingesetzt.

Während dort und im Hochgebirge der Grund für den Einsatz die steilen, unbefahrbaren Lagen sind, die mit herkömmlichen Forstmaschinen auf Rädern nicht erreicht werden können, spielte jetzt beim Einsatz in Südniedersachsen der Bodenschutz die entscheidende Rolle: Auf dem empfindlichen, von Wasseradern und Quellbereichen durchzogenen Waldboden der entsprechenden Gebiete können aufgrund des recht nassen Winters keine Forstmaschinen eingesetzt werden.

Statt auf Rädern rausgezogen zu werden „schwebt“ das Holz förmlich aus dem Bestand: Dazu legt das auf solche Arbeiten spezialisierte Unternehmen Lau aus Österreich eine Trasse in dem Bestand an, über die auf bis zu 600 Metern Länge ein Seil gespannt wird, gehalten nur von zwei Ankerbäumen an den jeweiligen Enden und auf der Trasse von einigen Sattelbäumen als Stütze. Forstwirte fällen dann die zuvor von den Förstern markierten Bäume. Eine Seilwinde auf einer Art Laufwagen zieht die Stämme in die Mitte zur Seiltrasse, hebt sie an und lässt sie schonend aus dem Bestand schweben.

„Wir verzichten hier im Naturschutzgebiet komplett darauf, den empfindlichen Waldboden zu befahren“

Ziel der Forstarbeiten ist es, den verbleibenden Bäumen mehr Licht sowie Wuchsraum zu geben und gleichzeitig Fichten zu fällen, die durch Borkenkäferbefall abgestorben sind.

Zu sehen it eine Seilwinde und Baumstämme. Mit der Seilanlage wird das Holz waldschonend transportiert.
Die gefällten Bäume werden mit dem Seil an einen Weg transportiert. © Christian Mühlhausen

„Wir verzichten hier im Naturschutzgebiet komplett darauf, den empfindlichen Waldboden zu befahren. Besonders unter den derzeit für den Wald und das Grundwasser sehr wichtigen nassen Bedingungen sind wir froh, uns frühzeitig für diese bodenschonende Technik entschieden zu haben“, sagt Svenja Schmidt, Försterin des Reviers Mollenfelde.

Das Leinholz ist Teil des Landschaftsschutzgebietes und Fauna-Flora-Habitat Gebietes „Mausohr-Jagdgebiet Leinholz“ und habe einen hohen naturschutzfachlichen Wert. Als Flächeneigentümer hätten die Niedersächsischen Landesforsten Managementpläne entwickelt, so solle beispielsweise ein höherer Anteil an Totholz im Wald belassen werden. Auch der Zeitraum, in dem Holzerntearbeiten stattfinden dürfen, ist begrenzt. Zudem wollen die Landesforsten das Befahren alter Wälder mit Forstmaschinen minimieren, um die Böden zu schützen.

Denn als weitere Besonderheit des Gebietes gelten die zahlreichen Quellbereiche, die aus den Hängen des Waldgebiets drücken würden. Laut Försterin Schmidt füllen diese Wasseradern schmale Bachtäler sowie naturnahe Mittelgebirgsbäche. „Diese vielen Wasserläufe in der Fläche, die gerade jetzt nach den ausgiebigen Regenfällen stark gefüllt sind und der insgesamt nasse Boden, machen die Befahrbarkeit mit großen Forstmaschinen schwierig. Es besteht die Gefahr, den Boden zu verdichten und aufzuwühlen“, begründet die Försterin den Einsatz des Seilkrans.

Durchforstung alle fünf Jahre 

Zuvor war die Seilkranlage bereits im Revier Reinhausen zwischen Benniehausen und Klein Lengden in einem 16 Hektar großen Forst im Einsatz. Auch dort war der Bodenschutz das entscheidende Kriterium, das deutlich teurere Verfahren einzusetzen. Der Boden dort – ein typischer Röt-Standort als Übergang zwischen Muschelkalk und Buntsandstein – sei nur bei absolut trockenem Wetter zu befahren, berichtet Reinhausens Forstamtsleiter Axel Pampe. Da Laubholz im Winter geschlagen werde, es in dieser Zeit aber selten andauernd trocken – oder alternativ tief gefroren – sei, habe man den Wald 2012 zuletzt durchforsten können.

Daher sei man im Rückstand, denn in der Regel werde solch ein Waldstück in dieser Altersphase etwa alle fünf Jahre durchforstet. Eine Durchforstung in dieser Phase habe das Ziel, die besonders guten Stämme weiter in ihrer Entwicklung zu fördern und die Naturverjüngung – also die natürliche Verjüngung des Waldes durch Samen – zu begünstigen.

Vorbereitet und begleitet hat die Aktion Reinhausens Revierförster Christoph Jenssen.
Weil im Gegensatz zum normalen Holzeinschlag hier viel Holzmenge auf einem Punkt zusammenlaufe und an den schmalen Waldwegen nur eine geringe Menge gelagert werden könne, gehöre eine fein abgestimmte Logistik dazu, damit Holz-Lkw die Stämme rechtzeitig abfahren könnten. (Christian Mühlhausen)

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