Corona-Krise

Jugendamt im Landkreis Göttingen befürchtet Dunkelziffer bei Gewalt gegen Kinder

ARCHIV - ILLUSTRATION - Schatten von Händen einer erwachsenen Person und dem Kopf eines Kindes an einer Wand eines Zimmers am 12.01.2014 in Frankfurt (Oder) (Brandenburg). (zu dpa "Studie zu Erfahrungen von Kindern mit sexueller Gewalt" vom 08.06.2017) Foto: Patrick Pleul/dpa-Zentralbild/dpa +++(c) dpa - Bildfunk+++
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Der Landkreis Göttingen befürchtet, dass das Wohl von vielen Kindern gefährdet wird. Durch die geschlossenen Bildungseinrichtungen könne eine große Dunkelziffer existieren. (Symbolbild)

Die Verantwortlichen des Landkreises Göttingens befürchten eine Zunahme von Kindeswohlgefährdung. Statistisch sheiht das anders aus. Die Corona-Krise könnte aber Schuld sein, dass vieles nicht entdeckt wird.

Geschlossene Betreuungseinrichtungen und Kitas über einen langen Zeitraum, dazu weggefallene Beratungsangebote in der Coronakrise: Der Landkreis Göttingen befürchtet eine hohe Dunkelziffer an ausgebliebenen Meldungen von Kindeswohlgefährdungen. „Die Anforderungen durch Homeoffice, Kinderbetreuung, finanzielle Engpässe und anderes sind erheblich und können viele Familien überfordern“, erklärte der Landkreis.

Landkreis Göttingen: Rein statistisch haben die Angezeigten Gefährdungen abgenommen

Tatsächlich hat die Zahl der Inobhutnahmen und der angezeigten Kindeswohlgefährdungen aber leicht abgenommen: 17 Gefährdungsmeldungen im Mai 2019 stehen 16 im Mai 2020 gegenüber, dazu kommen nur sechs Inobhutnahmen im Mai 2020 gegenüber 16 im Mai des Vorjahres. Im April 2019 lagen insgesamt 19 Gefährdungsmeldungen und zehn Inobhutnahmen vor, im April 2020 waren es neun Meldungen und sieben Inobhutnahmen. Laut Landkreis gab es allerdings im April 2019 im Verhältnis zum Rest des Jahres niedrigere Fallzahlen, das Jahresmittel 2019 weise pro Monat 22 Meldungen und 13 Inobhutnahmen aus.

Im April 2020 waren laut Landkreis unter den sieben Inobhutnahmen zwei von Kindern, die sich selbst gemeldet haben, ein Mal hätten Eltern um Aufnahme ihrer Kinder in einer Inobhutnahmestelle wegen eigener Überforderung gebeten.

Corona-Krise: Sicherungssysteme können versagen

Eine Folge der Krise sei, dass Sicherungssysteme, wie Kinderärzte oder das Jugendhilfesystem mit ambulanten, teilstationären und stationären Hilfen infolge der Coronakrise nicht oder nur noch eingeschränkt zur Verfügung gestanden hätten. Ein Großteil der Meldungen beim Verdacht auf Kindeswohlgefährdungen erfolge von genau diesen Meldern.

Vor allem Meldungen aus Schulen und Kitas seien wegen der Schließungen ausgeblieben. Dadurch seien Kinder und Jugendliche nicht mehr so im Blick gewesen, wie es zuvor der Fall gewesen sei. Zudem könne der Wegfall des Betreuungs- und Schutzsystems für Kinder und Jugendliche eine psychische Herausforderung sein, da die Familien nicht mehr wie zuvor auf diese Ressourcen zurückgreifen konnten.

Die Kreisverwaltung und ihre Partner böten verstärkt Beratung und Unterstützung an, wie eine Hotline des Fachbereichs Jugend. Die Situation sei zeitweise schwierig gewesen, da der persönliche Austausch auf das Notwendigste beschränkt werden musste.

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