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Trinkwasserschutz: Kooperation Obere Leine stellt neue Technik vor

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Von: Christian Mühlhausen

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Präsentation auf dem Acker bei Reinhausen: Eine neue mechanische Hacktechnik, kombiniert mit chemischer „Behandlung“ schauten sich Landwirte und Wasserversorger an.
Präsentation auf dem Acker bei Reinhausen: Eine neue mechanische Hacktechnik, kombiniert mit chemischer „Behandlung“ schauten sich Landwirte und Wasserversorger an. © Christian Mühlhausen

Landwirte für den Trinkwasserschutz: Kooperation Obere Leine stellt neue Technik vor. Dabei geht es um die Verringerung von Pestiziden. Eingesetzt wird moderne Technik.

Landkreis Göttingen – Der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln soll weiter reduziert werden – darin sind sich EU, Bund und Landesregierung einig. Mit Programmen wie dem Green Deal, dem geplanten Ausbau des ökologischen Landbaus und immer strenger werdende Auflagen haben die Gesetzgeber dem chemischen Pflanzenschutz bereits die Daumenschrauben angesetzt. Und doch geht es - auch nicht im Ökolandbau - nicht ohne eine Bekämpfung von Unkräutern und Ungräsern, wenn auf einer Fläche Nahrungs- oder Futtermittel erzeugt werden.

Landkreis Göttingen: Landwirte stellen Technik vor

Dass es zwischen Chemieeinsatz und Chemieverzicht eine große Bandbreite von Reduktionsmöglichkeiten gibt wurde jetzt vorgestellt in Reinhausen (Gemeinde Gleichen) auf einem Feldtag des Ingenieurbüro Geries gemeinsam mit den Akteuren der Trinkwasserkooperation Obere Leine – ein Zusammenschluss aus betroffenen Landwirten und Wasserversorgern eines Gebietes, die über freiwillige Vereinbarungen den Trinkwasserschutz nach vorne bringen. Vorgestellt wurde dort auf den Flächen des Landwirtschaftsbetriebes Dreiländereck GmbH & Co. KG mit ihrem Geschäftsführer Ulf Hagemann die sogenannte Hackbandspritzung: Bei diesem Unkrautbekämpfungsverfahren wird nur ein minimaler Teil, nämlich die Saatreihe selbst mit den Jungpflanzen der zu schützenden Kultur, mit Pflanzenschutzmitteln behandelt, während der weit übrige Teil des Unkrauts mit Hackmessern mechanisch zerstört wird, sodass die Ackerkultur sich ungestört entwickeln kann.

Denn die Reduktion von Pflanzenschutzmitteln hat in Trinkwassergewinnungsgebieten einen nochmal höheren Stellenwert, da sich Abbauprodukte der Chemikalien - so genannte Metabolite - im Grundwasser wiederfinden können. Neben der Reduktion von Nitrateinträgen - also Stickstoff - steht die Verminderung von Pflanzenschutzmitteln ebenfalls im Fokus der Kooperation Obere Leine. Die gute Nachricht: Weder Wirkstoffe selber noch relevante Metabolite als deren Abbauprodukte finden sich im Grundwasser und auch der Orientierungswert für die so genannten nicht relevanten Metabolite von drei Mikrogramm pro Liter werde hier zum Teil deutlich unterschritten, sagte Felix Meier-Söffker vom Ingenieurbüro Geries, das die Kooperation Obere Leine betreut.

Landkreis Göttingen: Wasser soll geschützt werden

Neben dem Verzicht auf bestimmte Wirkstoffe – stattdessen könnten diese durch andere Mittel ersetzt werden – rückt durch den technischen Fortschritt auch die kombinierte chemisch-mechanische Behandlung in den Fokus. Solch ein Verfahren stellte Philipp Kaufmann, gebürtig aus Mielenhausen (Ortsteil von Hann. Münden), von der Schmotzer Hacktechnik vor. Das Gerät sprüht ein Herbizid nur auf die Reihen mit den jungen Rapspflanzen, zwischen den Reihen wird mit Scharen gehackt und so die Unkräuter und -gräser entfernt. Angebaute moderne Sensoren und Kameras gepaart mit leistungsfähigen Bordcomputern ermöglichen, dass darüber das Gerät gesteuert und somit möglichst nah bis auf zwei bis drei Zentimeter an die Pflanzen heran gehackt werden kann.

Landkreis Göttingen: Hackbandspritzung als Möglichkeit

Dabei verarbeitet das System mit der über die Kameras erfassten Farbe und Kontrasten die Situation zunächst zweidimensional, über die Pflanzengröße sogar dreidimensional und steuert so die Hacke. Mit dem Verfahren, so Kaufmann, können 50 bis 70 Prozent Spritzmittel eingespart werden. Der Haken: Die Arbeitsbreite ist viel geringer als beim reinen chemischen Pflanzenschutz, das Verfahren insgesamt deutlich teurer. Genau dieser Kostennachteil könne aber in Wassergewinnungsgebieten über freiwillige Vereinbarungen aufgefangen und finanziell ausgeglichen werden, sagte Meier-Söffker.

Das Verfahren beeindruckte die Besucher, wenngleich viele Fragen blieben: Welche Bekämpfungserfolge sind mit der Hackbandspritzung zu erwarten? Reicht die Reduktion aus und was bedeutet das für den Gewässerschutz Wie hoch ist der Mehraufwand? Fragen, denen sich Landwirte und Wasserversorger auch künftig widmen wollen. (Christian Mühlhausen)

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